Schock um halb drei

Ich bin jung (38), stehe mitten im Leben, liebe meine Arbeit, meine Freunde und meinen kleinen Kater. Und ich liebe mein Leben, bin dankbar, dass ich all die Möglichkeiten nutzen kann, die es mir bietet: Skifahren, Wandern, Reisen, Sport, Partys, gute Gespräche. Natürlich nervt mich mein Leben manchmal auch. Wer kennt das nicht?! Es kann gemein sein, hart und schwer. Hin und wieder erlaubt es sich den einen oder anderen ironischen Scherz mit mir. Da könnte ich Bücher drüber schreiben.

Bis zum 7. April 2016 sind wir beide eigentlich immer ganz gut miteinander ausgekommen. Wenn es mal garstig war zu mir, dann habe ich ihm den Finger gezeigt und gesagt: Na, und?!  Negatives in Positives verwandeln, das kann ich ganz gut. Ich bin stark. Das allein aber reicht nicht.

Was immer hilft, ist reden, reden, reden und viel Sport. Gut, wenn man so gute Zuhörer, Kritiker und Motivatoren hat, wie ich. Dafür bin ich dankbar.

Wenn mein Leben gut zu mir war, dann habe ich es ganz fest gehalten und gedrückt. Habe mich gefreut, gelacht, und ja manchmal auch diese lustigen Freudensprünge gemacht.

Doch vor einer Woche dann der Schock. Etwas hat mich und mein Leben vor eine harte Herausforderung gestellt, vor den vielleicht schwierigsten Kampf.

Was ist passiert?

Nach dem Sport beim Duschen so gegen 14:30 Uhr bemerkte ich einen Knoten in meiner Brust. Danach bin ich sofort zur Gynäkologin gegangen. Die konnte beim Tasten fast nichts spüren, schickte mich dennoch in die Radiologie.

Insgeheim ahnte ich was es war: Krebs – vielleicht, so die große Hoffnung, eine Vorstufe davon. Auch wenn meine Freunde erstmal rieten, die Kirche im Dorf zu lassen, bevor die Diagnose da ist, war ich mir sicher. Womit ich jedoch völlig überfahren wurde, war der tatsächliche Befund.

Dass es ein sehr schnell wachsender Tumor ist, wurde mir erst eine Woche später mitgeteilt. Das Labor hatte technische Schwierigkeiten, wie mir der Radiologe am Telefon mitteilte. Toll, so viele Tage zu verlieren, wo der Krebs doch schnell wächst. (Vorsicht Ironie!)

Ich habe ein duktales, invasives Karzinom. Ein Krebs also, der streut. Zum Glück war das Staging (Untersuchung von Leber, Knochen, Lunge) negativ – also positiv für mich. Noch hat der Krebs nicht gestreut. Jetzt heißt es schnell handeln, den ungebetenen Gast im Körper schnell wieder loswerden. Doch das dauert. Zunächst brauche ich noch die Werte der Rezeptoren. Die zeigen laut Radiologe an, wovor sich der Tumor  fürchtet: Hormone, Chemo …

Das Erstgespräch im Klinikum Rechts der Isar habe ich am Dienstag. Bis dahin heißt es warten, warten, warten. Für einen relativ ungeduldigen Menschen wie mich ist das die Hölle.

Mein Radiologe meinte zur Beruhigung, ich hätte Glück im Unglück, weil der Tumor an der Oberfläche liegt und nicht tief in der Brust. Dieser Trost tröstet(e) mich nicht wirklich. Ich dachte und denke nur: Scheiße, Krebs ist Krebs und invasiv ist invasiv. Und ich kann bis zum Termin in der Klinik erst einmal nichts tun.

Doch so ganz stimmt das natürlich nicht. Ich kann eine Menge tun und habe damit bereits angefangen.

Warum? Weil ich mich entschieden habe für die für mich einzig gangbare Einstellung:

die kämpferische Einstellung:

  • Auflehnung
  • Eigeninitiative
  • Optimismus/Hoffnung
  • Selbstaufwertung
  • Selbstkontrolle

 Wie gehe ich damit um, bereite mich darauf vor?

Schritt 1: Kommunikation – Angehörige und Freunde informieren

Die Kommunikation mit der sozialen Umgebung ist häufig beeinträchtigt (Urzeiten, Kommunikationsmittel, Erreichbarkeit z. B. Urlaub) und sollte daher von Beginn auf eine solide Basis gebracht werden. Soweit so gut. In meinem Alltag kommuniziere ich viel mit engsten Vertrauten. Davon gibt es zum Glück einen ganzen Haufen. Doch in diesem Fall zeigte sich, dass es nicht so einfach ist wie sonst. Zum einen schockiert man seine Freunde mit der Diagnose, zum anderen zieht einen das ständige Abspulen der Details ziemlich runter und auch irgendwann den Boden unter den Füßen weg.

Zunächst habe ich also die meine engsten Freunde per Telefon informiert. Den ein oder anderen hat die Nachricht dagegen bei einem Treffen kalt getroffen. Nach ein paar Tagen habe ich gemerkt, wie anstrengend  und deprimierend das sein kann, gebetsmühlenartig neue Details zu wiederholen. Daher habe ich eine Whatsapp-Gruppe gegründet. Die Fabis fabulous Foo Fighters (FFFF). Gegründet mit viel Ironie und Angriffslust. So wie ich bin, wie mich hoffentlich die meisten lieben und wie ich trotz der Diagnose Krebs auch bleiben möchte.

Schritt 2: Gründliche Recherche

Als nächstes habe ich damit angefangen mich wieder mehr mit der Thematik Krebs – insbesondere Brustkrebs und Chemotherapie zu beschäftigen. Ich war lange Zeit Gesundheitsjournalistin und habe einiges darüber gelesen und geschrieben. Ich weiß, wie ich schnell an verifizierbare und hilfreiche Informationen komme und vielleicht bringt mich das auf einen guten Weg im Kampf gegen den Krebs – und nebenbei noch ein paar interessante Artikel.

Schritt 3: Erfahrungen austauschen, mit Experten sprechen

Allerdings weiß ich auch, auf Erfahrungswerte von anderen zu setzen etwa Peters. Er ist ein Freund von meiner Freundin Helga. Er hat einen Gehirntumor und sich intensiv mit der Thematik beschäftigt. Ich werde mich auch an die Bayerische Krebsgesellschaft wenden. Weil ich weiß, dass eine stabile psychische Verfassung die beste Voraussetzung ist, den Krebs zu besiegen, werde ich Psychologische Beratung in Betracht ziehen. Zudem werde ich mich an eine Selbsthilfegruppe wenden.

Schritt 4: Zweitmeinung in Heidelberg

Meiner Gynäkologin zufolge ist das Klinikum Rechts der Isar eine sehr gute Adresse, um sich behandeln zu lassen. Weshalb ich mir dort einen Termin habe geben lassen. In Heidelberg gibt es das Deutsche Krebsforschungszentrum. Aus alten Recherchen weiß ich, dass Heidelberg einen sehr guten Ruf genießt. Für mich geht daher an Heidelberg oder einem vergleichbaren Brustzentrum für eine zweite Meinung kein Weg vorbei. Laut dem dkfz kann ich mich im Rahmen einer Studie in Heidelberg sogar testen lassen, ob eine familiäre Vorbelastung vorliegt. Das werde ich tun, da ich wissen möchte, was die Ursache ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist leider sehr hoch.

Schritt 5: keine Diät, aber Ernährungsumstellung

Für die Entstehung für Krebs kommen viele Faktoren infrage: Ernährung, Hormone, Viren, Genetik, Rauchen etc.pp. Nun habe ich mich sicher nicht am gesündesten ernährt, dennoch war meine bisherige Ernährung durchaus ausgewogen und gesund – nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Nun bin ich gerade dabei, mich in neue Studien einzulesen – vor allem in Bezug darauf, welche Lebensmittel sich auf Krebs sowohl positiv als auch negativ auswirken können. Sicher werde ich dazu noch den ein oder anderen Artikel schreiben und hier veröffentlichen.

Was ich aktuell mache, ist meine Ernährung mehr auf basisch umzustellen und ein Ernährungstagebuch anzufangen. Das heißt nicht, dass ich auf säurebildende LM komplett verzichten werde, sondern ein 80-20 Modell nach Sabine Wackers Empfehlungen anfangen werde – vorerst. Sollte ich doch mal Appetit auf etwas bekommen, das dem nicht entspricht, werde ich nicht restriktiv sein. Alles, was gut tut! Soweit ich es durchhalte, werde ich auch die Kohlehydrate herunterfahren. Krebs „ernährt“ sich offenbar von KHs. Die Frage nach dem Warum ist damit wohl geklärt. Kommen KHs auf den Teller, dann die Guten, die komplexen.

Im Kleinen läuft das schon gut: Tee, Ingwersud, Wasser oder Gemüsesaft statt Mineralwasser mit Kohlensäure; italienische Gemüsepfanne mit Feta statt Nudeln mit Soße; selbstgemachter Smoothie statt des Frühstücksbrötchens, Kartoffeln statt Reis …

Und vor allem: kein Alkohol, keine Süßigkeiten und nur eine statt drei Tassen Kaffee am Tag.

Schritt 6: Schaue, dass es Dir gut geht

Im Mitleid suhlen, daheim in einer Depression versauern will ich nicht. Also werde ich machen, was mir bisher Spaß gemacht hat: Joggen, Fitness, Wandern, Freunde treffen, ins Kino gehen, ein Buch lesen, an der Isar sitzen. Ich weiß, dass das mit dem Sport während der Therapie eventuell schwer werden könnte – aber ich liebe es und ohne fühle ich mich schlecht.

Beginnen möchte ich mit autogenem Training und Meditation. Ich habe festgestellt, dass der Faktor Stress schon allein aus Berufswegen mein Leben zur Hälfte bestimmt. Diesen Faktor gilt es jetzt zu verbannen bzw. ihm etwas mehr entgegenzusetzen. Bisher dachte ich, Sport gleicht das alles aus.

Möglicherweise werde ich meine Arbeit reduzieren, umstellen oder für einige Zeit pausieren. Ich bin nun nach einer Woche wieder in der Redaktion und merke, wie sehr mich das schon wieder stresst. Erst heute hatte ein Kollege ständig an allem und jedem etwas zu kritisieren. Das hat mich ganz schön aus meinem Konzept (innere Ruhe) gebracht. Am Ende stellte sich zwar heraus, dass der Schuh bei dem Kollegen wo ganz anders drückt. Nun ist mir klar, das so etwas schon mal passieren kann. Allerdings ist die Stimmung in der Redaktion momentan generell etwas angespannt. Zudem ist Stress an der Tagesordnung.

Laut Krebsinformationsdienst ist zwar nicht erwiesen, dass zwischen Krebs und Stress ein Zusammenhang besteht. Jedoch vermuten einige Wissenschaftler so der Dienst, dass ein erhöhter Spiegel von Stresshormonen wie etwa Cortisol biochemische Veränderungen in den Zellen auslöst. Damit könnte Stress demnach zur Tumorentstehung beitragen.
Es gebe auch die Vermutung, dass es bei Stress zu hormonellen Veränderungen kommt, die das Immunsystem schwächen und so chronische Stoffwechselentgleisungen begünstigen. Diese seien in der Krebsforschung als Risikofaktor in der Diskussion.

Was mich selbst betrifft, war und ist in Stresssituationen an der Arbeit Folgendes zu beobachten: Ein Adrenalinstoß mitten durch die linke Brust (da wo der Tumor sitzt). Bisher habe ich mir nie groß Gedanken darüber gemacht, zum einen, weil ich regelmäßig Sport treibe, viel in der Natur bin und das als Gegenkonzept verstanden wusste. Zum anderen, weil ich dadurch keine direkten Folgen erkennen konnte etwa Schlaflosigkeit etc.

Schritt 7: Auf die OP vorbereiten

Meine liebe Freundin Helga ist ein Schatz. Sie behält immer einen ruhigen Kopf – na, zumindest wenn es um mich geht. Also rät sie mir: Packe schon mal eine Tasche fürs Krankenhaus. Done! Außerdem möchte ich diese Geschichte nicht alleine durchstehen. Steffen und ein paar liebe Freundinnen werden mir das Händchen im Krankenhaus halten. Außerdem wird sicher der ein oder andere Besucher auf der Bildfläche erscheinen.

Anmerkung: Dieser Text wird eventuell aktualisiert.

Anregungen und Tipps sind willkommen.
An die Freunde: Danke alle für die großartige Unterstützung bisher.
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7 Gedanken zu “Schock um halb drei

  1. Hi,

    ich weiß gar nicht genau wie ich mich jetzt am besten ausdrücken. Du schreibst das sehr informativ und interessant. Ich würde mir und vor allem dir wünschen, du bräuchtest darüber nicht zu schreiben.
    Was mir richtig gut gefällt ist der kämpferische Trotz und der Wunsch die Dinge positiv formulieren zu wollen.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße aus Südhessen vom Toto

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