Kinderwunsch ade? Freezing und Spritze

Die letzten beiden Tage waren anstrengend. Am Donnerstag hatte ich mehrere Arzttermine: Blutabnahme für die Portlegung, Aufklärung bezüglich des Erhaltes der Fruchtbarkeit, EKG und Herzecho, Gespräch mit der Psychologischen Beratungsstelle.

Auszeit in der Terminhektik

Trotz aller Termine haben Kati und ich es geschafft, zwischendurch etwas Zeit für uns zu schaffen und ganz wie in Vegas lustige Dinge zu machen. (Leider fällt unser gemeinsam geplanter Urlaub dieses Jahr flach. Meinen Flug muss ich stornieren, Kati wird alleine zu den Jungs fliegen.)

Wir waren lecker essen und spazieren. Und wir hatten es auch tatsächlich geschafft, noch ein Stündchen zu schoppen. Da ich ab sofort alles negative ins Positive verwandele, gehört dazu auch der Umgang mit allen Dingen bezüglich Knötchens. Ein Thema ist das Rumschleppen der ganzen Unterlagen. Jedes Mal kommt ein Befund mehr dazu. Zudem wollen die Ärzte immer gern alle Unterlagen zum Kopieren von mir haben. Bisher trage ich alles in einem Stoffbeutel mit mir herum. Ich nenne mich schon selbst „das Beuteltier“. Damit ich auch diesem Thema etwas Positives abgewinnen kann, habe ich mir eine neue Tasche gekauft, eine in Pink von Lacroix .

Helga wird schmunzeln, sie hat mir von Brustkrebs Deutschland. e. V. einen pinken Zipper geschickt, den ich tragen soll. Normalerweise trage ich solche Farben nicht. Aber Pink ist lebensbejahend , eine Somemrfarbe und die warme Jahreszeit steht ja vor der Tür. Außerdem muntert mich das neue Schmuckstück hoffentlich etwas auf.

Bezüglich der Marke muss sich niemand Sorgen machen. Nein ich haue nicht das letzte bisschen Geld auf den Kopf, das ich noch habe. Die Tasche habe ich super günstig im Outlet bekommen. War ein schöner Schnapp also. Zudem gab es noch eine schicke neue Sonnenbrille (auch ein Schnapp im Outlet), deren Gläser meine Augenbrauen verdecken. Wichtig für den Sommer, da ich gelesen habe, dass den Frauen bei der Chemo die Augenbrauen und Wimpern ausgehen. Für die Zeit der Therapie – weil ich auch da sicher oft unterwegs sein werde – habe ich noch eine neue Brotbüchse gekauft – in Pink. Sie ist ziemlich clever ausgetüftelt – mit integriertem Besteck und Döschen fürs Dressing. Vorbereitung ist die halbe Miete.

Als wir am Abend dann daheim ankamen, gab es noch eine Überraschung. Es warteten zwei Pakete auf mich. Eines war von Yvonne, meiner besten, lieben Freundin aus Gera. Ich kenne sie seit der Schule. Und auch wenn wir länger mal nicht gequatscht oder uns gesehen haben, die Freundschaft hält und das ist mir wichtig. Sie hat mir viele tolle Sachen für meine basische Ernährung geschickt und noch ein paar Duschbäder von Kneipp. Sie weiß wie gern ich bade. Mit im Paket war auch ein Gerstengrassaft. Da muss ich sie noch mal fragen, was der alles kann. Schmeckt zumindest ganz gut.

Das zweite Paket war von Linda, meiner anderen lieben Freundin aus Schul- und Studienzeiten. Als ich es aufmachte, war ich ganz schön baff. Ein nigelnagelneuer Entsafter. Eigentlich dachte ich, sie schickt mir ihr „verstaubtes“ Gerät aus dem Schrank. Stattdessen schaute mich ein neuer Entsafter von Phillips an. Der erste selbstgemachte Karottensaft schmeckte herrlich. Ein zweiter ließ nicht lange auf sich warten.

Tipp: Karotten enthalten wertvolles Pro-Vitamin-A. Allerdings kann es der Körper nur mit etwas Fett verwerten und in Vitamin A umwandeln. Daher habe ich den Saft mit Leinsamöl gepimpt. Beim zweiten kam noch etwas Sanddorn-Muttersaft dazu. Genial!

Zum Mixen eines neuen Gemüsesmoothies sind wir auch noch gekommen. Diesmal „Yellow Power“. Kati und ich waren wieder überrascht, wie lecker der schmeckt. Rezepte und Bilder von bisher allen entwickelten Smoothies kommen bald.IMG_8934

Kinderwunsch ad acta legen?

Am Freitag musste ich zum Zweittermin zu einem Professor. Es ging um den Erhalt meiner Zeugungsfähigkeit. Leider hatte er nicht so gute Nachrichten für mich. Von einer Eizellen-Entnahme mit anschließendem Freezing riet er mir ab. Zum einen weil wir dafür noch sechs Wochen Zeit bräuchten und die Stimulation der Eierstöcke den Körper stark belaste. Vor der Chemo wäre das kontraproduktiv. Zudem würde ich Zeit verlieren und ich sollte mich zunächst auf das Wichtigste konzentrieren: gesund zu werden.

Zum anderen sei die Wahrscheinlichkeit, genügend Eizellen von mir zu bekommen, aufgrund meines Alters (38) sehr gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann auch noch Eizellen befruchtet werden können, läge bei etwa 50 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit beim ersten Versuch schwanger zu werden, liegt dem Professor zufolge bei 30 Prozent. Diese Zahlen sind mir aufgrund früherer Recherchen zur Künstlichen Befruchtung bekannt: Nur etwa ein Drittel aller Embryonentransfers führt zu einer Schwangerschaft.

In meinem Fall hieße das:

Wahrscheinlich ist, dass nur bis zu 8 Eizellen entnommen (normal 30-80) und 3 davon befruchtet werden können. Beim ersten Versuch wird versucht, zwischen 3 und 5 Eizellen in der Gebärmutter einzupflanzen. Da ich im wahrscheinlichsten Fall also mit nur 3 befruchteten Eizellen zu rechnen hätte, macht das 1 Versuch mit 30 prozentiger Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden. Kosten: Mindestens 4.000 Euro, welche die Krankenkasse nicht zahlt.

Noch ein Dämpfer! Dabei wollte ich immer ein Kind. Wieder standen mir die Tränen in den Augen. Kati hielt meine Hand und quetschte den Professor mit allerhand Fragen noch mal aus. Doch sein Rat war logisch und nachvollziehbar. Kein Freezing.

Er machte mir dennoch Mut. Seine Empfehlung: Ich soll mir monatlich eine Hormonspritze geben lassen, um meine Eierstöcke lahmzulegen. Kosten: 213 Euro im Monat. Heißt: Die Eierstöcke produzieren dann keine Eier mehr. Da die Chemo nämlich auf alle sich schnell teilende Zellen abzielt, würden dann die Eier quasi geschützt bleiben, weil die Eierstöcke nicht mehr produzieren. Dass man hinterher schwanger wird: Auch hier liegt die Wahrscheinlichkeit bei 30 Prozent. Folgen: Wechseljahresbeschwerden während der Chemo. Überlegen sollte ich allerdings, ob ich die Gene mit der Option Brustkrebs so vererben will.

Abgeraten hat mir der Professor vom Entfernen der Eierstöcke oder Eierstockgewebes, das eingefroren und nach der Therapie wieder eingepflanzt wird. Die Datenlage zu diesem Verfahren sei noch nicht groß – und damit wenig aussagekräftig. Und erhlich gesagt, habe ich darauf auch keine Lust. Was da körperlich alles auf mich zurast, das reicht eigentlich.

Meinen Kinderwunsch ad acta legen brauche ich nicht, so der Professor. Im Ausland gebe es Zentren, die Eispenden anbieten. „Wenn sie ein Kind wollen, dann bekommen sie auch eins“, sagte der Professor. Okay, das macht mir Mut. Wenn mir der Wunsch nach einem eigenen Kind jetzt auch noch genommen würde, wäre das eine arge Belastung für mich.

Am Nachmittag war ich dann noch mit meinem guten Freund Andy eine Runde spazieren. Tat gut, zu reden. Und das Wetter war so schön.

Ein neuer Haarschnitt – nur für kurze Zeit

Danach traf ich mich mit Pikria. Sie begleitete mich zu meiner Friseurin Anja, die uns beide ganz lieb empfang. Nach einer Beratung bezüglich des Haarschnitts und des weiteren Verlaufs „baldiger Haarausfall“ kamen die Haare dann ab. Wir hatten uns alle auf einen Bob geeinigt ohne Pony. Das macht mir den Haarverlust später dann hoffentlich leichter. Und die Perücke wird ähnlich kurz ausfallen. Besonders gerührt hat mich, dass mir der Salon für den neuen Schnitt nicht einen Cent berechnet hat. Das ist so lieb und das gibt noch mal zusätzlich Kraft. Ein Trinkgeld war selbstverständlich.IMG_8941

Taxol mit heftigen Nebenwirkungen – und dabei unnötig?

Am Abend habe ich dann noch über Nebenwirkungen zu den Medikamenten meiner Chemo recherchiert. Oh man, das ist ganz schön heftig. Vor allem Taxol, das ich bekommen soll, hat böse Folgen wie eine dauerhafte Nervenschädigung, Fingernagelverlust, Muskelschmerzen, Haarausfall, Ödeme …

  • Blutarmut, 52-90 Prozent der Patienten dosisabhängig
  • Leukopenie, (Verringerung der weißen Blutzellen) 17-90 Prozent
  • Anämie 16-78 Prozent
  • Infektionen 30 Prozent
  • Übersensible Reaktionen 41 Prozent
  • Anormale Elektrokardiogramm-Ergebnisse (EKGs) 23 Prozent
  • Periphäre Nervenleiden 60 Prozent
  • Muskel- und Gelenkschmerzen 60 Prozent
  • Übelkeit und Erbrechen 52 Prozent
  • Haarausfall 87 Prozent
  • Nebenwirkungen der Injektion 13 Prozent

Dabei ist das Medikament gar nicht so unumstritten. In einer Studie, die vor kurzem im New England Journal of Medicine veröffentlicht worden ist, bewerten die Forscher Taxol in 80 Prozent der Fälle als wirkungslos und unnötig. Davon berichtet Juliane Sacher, Fachärztin für Allgemeinmedizin, auf ihrer Webseite.

Da mir 12 mal Taxol verabreicht werden soll, werde ich meine behandelnde Ärztin darauf am Dienstag ansprechen. Zudem werde ich mir zum Behandlungsplan eine Zweitmeinung einholen.

 

 

 


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