Superwomen beim Onkologen

Der Terminmarathon findet noch immer kein Ende. Es ist schon erstaunlich, wie sehr meine Tage derzeit verplant sind. Meine Freundin Pikria, die heute in der Klinik mit dabei war, meinte, dass ich sie mit meiner Organisiertheit und meinem Wissen total beeindrucke. Dass ich alles so super meistere. Ich frage mich, wie es anderen Frauen so damit geht, die in der gleichen Situation sind oder waren.

Pikria hat ja Recht. Jeden Tag prasseln neue Arzttermine, Untersuchungsergebnisse, Informationen rund um Knötchen (= das Karzinom) ein. Da muss man einen kühlen Kopf bewahren und einen super Plan erstellen. Ich verdeutliche das mal anhand meiner Überweisungen, die ich bisher eingesammelt habe – und für die ich jedes Mal zu meiner Frauenärztin laufen muss (2 km). Ich laufe lieber, dass hält mich bei Laune.

  • Überweisung Radiologie zur Mammografie
  • Überweisung Radiologie zur Biopsie
  • Überweisung ins Klinikum Rechts der Isar
  • Überweisung Herzspezialist EKG und Echo
  • Überweisung Radiologie Klinikum Rechts der Isar
  • Überweisung zum Gentest

Ich habe inzwischen auch einige Rezepte gesammelt:

  • fürs Zweithaar
  • für Medikamente für die Nebenwirkungen für die Chemo
  • Elma-Pflaster für die Spritze in den Port (betäubt die Stelle)
  • für die Hormonspritze…

Ach, und mir wurde in den letzten beiden Woche vier mal Blut abgenommen und einmal Kontrastmittel gespritzt. Nächste Woche geht’s damit weiter.

Meine Unterlagen schleppe ich mittlerweile nicht mehr mit mir herum.

  1. Es nervt, das Zeugs zu schleppen.
  2. Nicht alle Papiere, die die Ärzte zum Kopieren verlangen, landen am Ende wieder bei mir. Schon zwei mal passiert, dass ein Blatt fehlt.

Ich schicke den Ärzten im Gespräch alles direkt aus meiner iCloud auf ihren Rechner. Und neue Unterlagen nehme ich mit nach Hause, scanne sie ein und ab damit in die Wolke. Funktioniert wunderbar. Danke Apple!

Ab in die Wechseljahre

Das dazu. Was meine heutigen Termine betrifft: Den ersten hatte ich bei der Gynäkologin im Klinikum Rechts der Isar, um das weitere Vorgehen bezüglich meiner Eier zu besprechen. Am Ende haben wir uns auf den vom Professor vorgeschlagenen Weg geeinigt: meine Eierstöcke lahmzulegen. Meine Chance, dass sie danach wieder fleißig Eier produzieren, liegt bei ca. 60 Prozent. Das ist immerhin mehr als die Hälfte.

Anschließend hatte ich noch das Aufklärungsgespräch zur Chemo. Pikria und ich haben den Doc viele Löcher in den Bauch gefragt – vor allem ich. Ihr kennt mich. Er war aber sehr geduldig und hat alles brav beantwortet. Weswegen ich ein gutes Gefühl mit dem Ganzen habe.

Heute hatte ich zudem einen ganz schönen Schalk im Nacken. Die Ärzte schauen immer so ernst, wenn auch lieb. Deswegen habe ich mal meinen schwarzen charming humor spielen lassen. Der kam auch super an. Zumindest haben die Damen und der Herr doch mehrfach gelacht. Na also, geht doch. Den kleinen Schwarzen zu verlieren, das habe ich nämlich nicht vor.

Pikria denkt auch an meine Zukunft und hat mich darauf hingewiesen, dass der Herr Onkologe doch eine nette Partie wäre. LoL. Da hat sie wohl nicht ganz unrecht. So rein optisch lässt sich die Chemo so super versüßen. Mal Spaß beiseite. Ich will ja hier nicht den Eindruck erwecken, das Ganze wäre für mich eine Showeinlage. Wie ernst die Lage ist, weiß ich genau. Aber wie habe ich noch letztens im Blog geschrieben: Aus allem etwas Positives ziehen oder Negatives ins Positive verwandeln. Das hält bei Laune.

Selbst die Hormonspritze und die Blutabnahme waren danach ein Klacks. Die Hormonspritze habe ich in den Hintern bekommen. Zum Glück von einer lieben Schwester. Hat auch gar nicht weh getan, aber ich hatte ja auch meine Superwomen-Unterhose an. 😛 Ich hatte sie mir und eine für Kati im letzten Vegas-Urlaub gekauft. Die werde ich dann zu jeder Chemo anziehen. (Für die Männer unter uns: Bitte kein Kopfkino jetzt!)

Übrigens: Das Hormonpräparat heißt Enantone und kostet so ca. 200 Euro. Die Ärztin hat es mir verschrieben, also musste ich nur den Eigenteil von 10 Euro zahlen.

IMG_9084IMG_9084Giftcocktail gegen den Krebs

Okay, dann mal zu etwas Ernstem – der Chemo.

Ich bekomme 3,5 Monate lang jeweils alle drei Wochen zwei Medikamente und davon die normale Dosis. Der Doc meinte, das würde auch eine 70-Jährige vertrage. Na dann.

  • Epirubicin
  • Cyclophosphamid
  • Dazu gibt es zwei Antikörper: Herceptin und Pertuzumab

Nach den 3,5 Monaten erhalte ich Paclitaxil also Taxol und zwar 1 mal wöchentlich 12 Wochen lang.

Danach wird operiert, bestrahlt und mit Antikörpern weiterbehandelt.

Ach: Sollte der Gentest positiv sein, wird man überlegen müssen, alles Gewebe zu entfernen – so wie bei Angelina Jolie.

Ich mag ja meine zwei da oben ganz gerne, aber wenn es anders nicht geht, dann eben Silikon … Wer hätte das bei mir jemals gedacht.

Chemo warum?

Fabi wollte es natürlich ganz genau wissen: Warum Chemo? Wie sind die Zahlen? Der Arzt erklärte, dass ich ohne Chemo eine 90prozentige Chance habe, dass der Krebs in den nächsten zehn Jahren nichts macht – keine Metastasen streut, vielleicht auch nicht wächst. Also wieder meine Frage: Warum?

Die Erklärung ist einleuchtend. Da ich noch so jung bin, müsste man jetzt versuchen, alle Krebszellen abzutöten. Sollte der Krebs irgendwann streuen, also Metastasen bilden, kann man mit einer Chemo nicht mehr viel machen. Der Krebs sei dann eine chronische Krankheit. Bei einer 70 oder 80 Jahre alten Frau, die die gleichen Chancen bzw. Risiken hat, sei eine Chemo dagegen eventuell nicht nötig. Bei mir dagegen schon, man will ja, dass ich noch lange lebe. Ok, das will ich auch. Außerdem seien zehn Prozent in der Medizin doch viel.

Meine Frauenärztin kam in einem späteren Gespräch zu der gleichen Einschätzung.

Nachdem ich nun genau weiß, welcher Krebs mütterlicherseits bei welchen Mitgliedern vorgekommen ist, habe ich heute noch eine Vorsorgeuntersuchung machen lassen. Nicht dass bei all der Konzentration auf die obere Hälfte von mir die untere vergessen wird.

Und so ist wieder ein Tag weg wie nix. Zum Glück konnte mir heute nichts meine ausgesprochen gute Laune vermiesen. Noch nicht einmal die Eiseskälte und das Schneetreiben.

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