Ein Port, eine Überraschung

 

Nun wird es also ernst. Mit dem Port wurde heute der Grundstein gelegt für die Vergabe der Zytostatika. Angst hatte ich keine, vielleicht weil ich weiß, dass noch Größeres als das auf mich zukommt.

Ein Schnitt, ein Schlauch, ein Port

Der Eingriff verlief nach Plan. Mir wurde der rechte Arm aufgeschnitten, der Schlauch in die Vene bis zum Schlüsselbein eingeführt, danach wurde alles zugenäht. Gejammert habe ich trotzdem etwas. Die Betäubung war nämlich ganz schön gemein. Es hat einige Male weh getan, bevor die Spritze gewirkt hat.

Auch diesmal war ich nicht alleine. Andy hat quasi mein Händchen gehalten. Er kam in seiner Pause in die Klinik und hat moralischen Beistand geleistet. Danke dafür.

Davor war ich noch in der Sprechstunde bei der Oberärztin. Sie hat ein paar gute Vorschläge, allerdings zahlt die Kasse die Rezepte wohl meist nicht. Ich soll ein Mistelpräparat spritzen, das im Monat schon was kostet – zwischen 70,00 und 100,00 Euro.

Puh, ich kann hoffen, dass meine Krankenkasse kulant ist, allerdings scheint das nicht sehr aussichtsreich bei den Erfahrungen, die ich bisher mit der AOK Hessen gemacht habe. Das Medikament soll allerdings für die Verträglichkeit der Chemo wichtig sein.

Meine Ärztin empfiehlt wöchentlich 3 Spritzen in den Bauch – für die nächsten fünf Jahre. Es würde mein Immunsystem stärken und Nebenwirkungen abfedern. Ich soll das selbst machen. Also hat sie es mir gleich gezeigt und mir eine Spritze gegeben. Tat gar nicht weh. Außerdem soll ich meine Hände und Füße bei der Chemo kühlen, am besten mit speziellen Handschuhen. Das soll die Nägel schützen, damit sie nicht ausfallen.

Doch die Handschuhe gibt’s wohl so nicht in der Klinik. Man sagte mir, man könne das schon irgendwas machen. Soso. Also hatte ich Yvonne gefragt, was die kosten. 200 Euro das Paar. Echt jetzt?

Weitere Empfehlungen sind:

  • 2 EL Sanddorn Muttersaft am Tag
  • Leberwickel am Tag der Chemo und 5 Tage lang danach (Kosten 30 Euro für die Zeit der Chemo)
  • Vomex am Tag der Chemo und 5 Tage lang danach
  • Vitamin D und Selen müssen überprüft werden. Für Selen soll ich Kamut und Paranüsse essen; für Vitamin D Hering
  • Ingwer-Elixier während und kurz nach der Chemo
  • viel Sport wie Yoga, Joggen, Krafttraining
  • viel an die frische Luft gehen
  • Weizen ist tabu während der Behandlung.

Außerdem will sie mir einen Titanclip in Knötchen (= Tumor) setzen. So wird die Stelle hinterher gut lokalisiert, falls er verschwindet.

Das Gute daran: Die meisten Dinge, die mir die Ärztin empfiehlt, habe ich bereits daheim: Sanddorn, Kamut, Ingwer, Vomex, Hering, Paranüsse … Mit meiner Diät (nicht im Sinne von Abnehmen) mache ich also schon viel richtig.

Was die Ärztin und mich allerdings verärgert, ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen so wenig für die Behandlung während der Chemo tun. Und dabei hat doch die Medizin gezeigt, dass die Chemo damit besser vertragen wird.

Heißt: Die GKKs zahlen für den Giftcocktail aber nicht unbedingt für deren Verträglichkeit. Ergo: Sie bezahlen dafür, dass dir die Haare ausfallen, du immer kränker wirst, dass eventuell Folgeschäden bleiben, aber nicht dafür, dass du es irgendwie gut überstehst. Was ein Irrsinn!

Und ich stehe ja noch am Anfang. Wer weiß, was da noch so auf mich zukommt. Kranksein ist richtig teuer. Meiner Ärztin habe ich schon angedroht, einen Artikel darüber zu schreiben. Sie schien sehr interessiert. Vielleicht wird sie ja meine Expertin zu dem Thema. Denn sie konnte plötzlich ganz schön vom Leder ziehen und hat mir noch ein paar Dinge erzählt, die einfach unfassbar und absolut inhuman sind. Pfui!

Ein Schreck, ein paar Tränen, ein paar verschmierte Augen

Über diesen Wahnwitz habe ich mich nach meinem Eingriff bei Nicky im Auto beschwert. (Sie hat mich abgeholt und nach Hause gefahren.) Sie gab mir dann einen Umschlag, auf dem mein Name stand. Als ich ihn aufmachte, habe ich etwas gesagt wie „Ach Du Sch…“ In dem Umschlag war mächtig viel Kohle von meinen FFFFs.Vor Schreck habe ich die Karte gleich wieder zugeklappt und dabei bestimmt ziemlich komisch geschaut. (In meinem Gesicht kann man übrigens lesen, wie in einem Buch.)

IMG_8981Meine Freundinnen haben zusammengelegt und wollen, dass ich mir die Perücke leisten kann, die ich möchte, in der ich mich wohl fühle. Dann habe ich wohl mehrfach gesagt: „Ihr seid verrückt“. Mir kamen die Tränen und auch Nicky hat ein paar davon verdrückt.

Danach haben wir heulend über unsere mit Mascara verschmierten Augen gelacht. Ich kann’s nur wiederholen: Das ist irre. Und ich weiß gar nicht, wie ich das je wieder gut machen kann. Ich bin so Gott froh, so tolle, liebe Freunde zu haben. Und die Perücke werde ich mit Stolz tragen. Verlasst Euch drauf! Ihr seid unglaublich!

Danach waren Nicky und ich noch etwas essen und dann bin ich heim aufs Sofa, den Arm ruhig stellen. Schmerzt auch gar nicht so sehr. Es ist eher ein Brennen. Aber ich habe auch vorsorglich zwei Paracetamol genommen. Aspirin ist verboten, da es das Blut verdünnt.

Und für den Rest des Abends werde ich mir noch eine Liste anfertigen mit all den Medikamenten und was ich sonst noch aus der Apotheke brauche. Morgen rufe ich dann noch mal die Leistungsstelle der AOK Hessen an und dann schau ich weiter.

 

 


4 Gedanken zu “Ein Port, eine Überraschung

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