Der Krebs und der Zucker

Seit etwa drei Wochen kenne ich meine Diagnose und seit dem habe ich mich intensiv mit dem Thema Krebs und seiner Entstehung auseinandergesetzt. Neben Faktoren wie Chemikalien, Gene, Strahlung, Viren können auch Stress und Ernährung eine große Rolle bei dessen Entstehung spielen.

In dem heutigen Blog will ich auf meine Ernährungsumstellung etwas näher eingehen. Diese habe ich seit der Diagnose noch strenger Richtung Zuckerreduktion ausgerichtet.

Der Grund sind diverse Recherche-Ergebnisse über den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Krebs.

Im Reagenzglas zeigte sich, so eine US-Studie aus dem Jahr 2013, dass Zucker ein Treibstoff für viele Krebsarten sein kann. Die Zellen können durch Zucker wachsen, fanden die Harvard-Wissenschaftler um Professor Lewis Cantley heraus. (Anm.: Die Theorie, dass Zucker Krebszellen wachsen lässt, gibt es bereits seit 1924 von Otto Warburg.)

Der Stoffwechsel sei entscheidend bei der Entstehung von Krebs. Damit aus Tumorzellen aggressive Krebszellen werden, so die Wissenschaftler, verändern sie ihren Stoffwechsel: Die zum Wachstum nötige Energie gewinnen sie dann nicht mehr aus Verbrennung sondern aus Vergärung.

Den Grund sehen die Forscher in den Mitochondrien, die in den Krebszellen defekt sind und Zucker nicht wie gesunde Zellen durch Verbrennen umwandeln können; sie vergären ihn. Dadurch entsteht Milchsäure, die umliegendes gesundes Gewebe übersäuert und dadurch zerstört.

Durch Vergärung also schaffen sich Krebszellen Platz. Nicht nur das. Durch die Übersäuerung werden die Immunzellen gehemmt. Die gebildete Milchsäure wirkt quasi wie ein Schutzschild. Das Immunsystem kann den Tumor nur schwer bekämpfen.

Heißt das im Umkehrschluss, dass die Krebszellen ohne Zucker verhungern?

„Ohne Zucker sterben die Krebszellen ganz schnell, sie sind abhängig vom Zucker“, erklärte Prof. Lewis Cantley im Interview mit der ARD. Allerdings sei das Ergebnis aus der Petrischale nicht so einfach auf den Menschen übertragbar, da der Blutzuckerspiegel nicht auf Null sinke – auch nicht, wenn man den Zucker vom Speiseplan streicht.

Dem Ansatz der Harvard-Universität geht auch Dr. Johannes F. Coy in seinem Buch „Anti-Krebs-Ernährung“ nach. Darin erklärt der Arzt anschaulich, welche Bedeutung einer glukose- und stärkearmen Ernährung in der Krebsprävention und in der Therapie zukommt.

Er empfiehlt drei Tage vor Beginn der Therapie eine streng ketogene Ernährung mit wenig Kohlehydraten und mit reichlich Eiweiß und Fett/ Öl. Dadurch würden die Krebszellen auf Chemotherapie empfindlicher reagieren und seien damit leichter abzutöten.

Diese Empfehlung hat mir auch meine behandelnde Ärztin gegeben. Ihre Anweisung lautet: zwei Tage vor und zwei Tage nach der Chemo keine Kohlenhydrate.

Die ketogene Ernährung ist:

  • sehr fettreich
  • kalorien- und eiweißbilanziert
  • sehr kohlenhydratarm

Die Erläuterungen klingen einleuchtend. Eine Studie der Uni Würzburg konnte zeigen, dass Krebspatienten mit ketogener Ernährung sich besser fühlten als zuvor.

Ob eine ketogene Diät eine Krebstherapie unterstützen kann, hat die sogenannte Kolibri-Studie (KOhlenhydrat-LImitierte-BRustkrebs-Intervention = Kolibri) an der Reha-Klinik in Bad Kissingen erforscht. Sie kam in ersten Auswertungen zu ähnlichem Ergebnis.

(Anmerkung: Um mehr Klarheit über die ketogene Diät zu erhalten, werde ich die Reha-Klinik in Bad Kissingen anrufen und ein Experten-Interview zur Kolibri-Studie und deren vorläufige Ergebnisse anfragen, die für 2016 angekündigt waren.)

Dass eine ketogene Ernährung sich positiv auf die Therapie auswirken kann, davon ist  auch das Netz voller Beispiele beziehungsweise Hinweise. Unter anderem berichtet die Ärztezeitung davon. Inwieweit die ketogene Diät aber Ursache für die Rückbildung von Krebs war bzw. ist oder andere Faktoren infrage kommen, dazu muss noch hinreichend geforscht werden.

Dass die Ernährung den Verlauf einer Tumorerkrankung beeinflussen kann, zu diesem Fazit kam auch Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München im Gespräch mit „Spiegel Online„. Allerdings warnte er auch vor einer strengen ketogenen Diät.

„Zwar führt die kohlenhydratarme Kost bei Tumor-Mäusen zunächst zu einer Wachstumsverzögerung der Zellen“, sagt Hauner. „Aber danach wurde teilweise ein beschleunigtes Wachstum beobachtet.“ Ursache könnte sein, dass die Tumorzellen Resistenzen entwickeln. „Eine Kohlenhydratrestriktion könnte die Krebszellen unter einen hohen Selektionsdruck setzen, der das Überleben von Tumorstammzellen möglicherweise fördert“, so Hauner.

Meine momentane Ernährung

Ich habe, wie erwähnt, den Zuckerkonsum reduziert. Das und die verwendeten Lebensmittel entsprechen weitgehend der ketogenen Diät. Das heißt aber nicht, dass ich komplett auf Kohlehydrate verzichte. Denn die gehören zu einer gesunden Ernährung nunmal dazu.

Verbannt habe ich allerdings die schnell verfügbaren Kohlenhydrate. Kohlehydrate also, die den Blutzucker schnell ansteigen und schnell wieder fallen lassen. Dazu gehören Brötchen, Haushaltszucker, Süßigkeiten, Kekse, Kuchen, Waffeln. Das heißt für mich auch: keine Nudeln, kein Müsli, kein Mischbrot.

Wenn ich sage weitgehend, meine ich das keinesfalls restriktiv. Diese Dinge sind manchmal erlaubt – wenn ich sicherstelle, dass ich mich gerade in Bewegung befinde also wandere oder gerade eine Stunde Sport gemacht habe.

Denn der Glukosewert steigt dann nicht rapide an. Eigentlich steigt er kaum an. Dank meines Sensors von Abbot kann ich das jederzeit überprüfen. Meine Werte sind bisher konstant. Es gibt also keine großen Ausschläge nach oben oder unten.

Auf meinem Speiseplan stehen derzeit: Gemüse, Beeren, Joghurt, Buttermilch, Käse, Lachs, Hering, Leinsamen, Sprossen, Nüsse, Bio-Vollkornbrot (Roggen, Dinkel), Bitterschokolade ohne Zucker, Ingwer, Guacamole, Gemüse-Smoothies, griechischer Joghurt mit Honig, Fleisch (selten).

Wie fühle ich mich damit?

Ich war immer eine Genießerin. Deshalb kann ich auch gut kochen. Das hat mir die Umstellung doch sehr einfach gemacht. Wobei ich an den ersten Tagen etwas schlapp war, noch nicht mal eine Runde joggen ging.

Doch mittlerweile fühle ich mich top fit. Das Laufen im Park geht wieder prima. Die Gerichte, die ich koche bzw. zubereite, sind lecker und machen lange satt. Bisher kann ich mich über die fehlenden schlechten KHs nicht beschweren. Nur manchmal gelüstet es mir schon nach einem Eis oder ein Stück Kuchen. Aber oft kommt das zum Glück nicht vor. Und wenn ich nachgebe, dann nur, wenn ich dafür etwas tue – Sport!

Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist keine Ernährungs- und/ oder Handlungsempfehlung. Er ist das Ergebnis einer noch nicht abgeschlosssenen Recherche und gibt eigene Erfahrungen wieder.

 


6 Gedanken zu “Der Krebs und der Zucker

  1. Ein sehr interessanter Beitrag… Ich habe bis jetzt den Zucker reduziert und ab und an gegen braunen Rohrzucker ersetzt. Zumindest für in de Kaffee. Vollkornbrot und viel Gemüse und Obst esse ich auch. Aber die zwei Tage vor und nach der Chemo keine Kohlenhydrate essen, hab ich völlig vergessen. Es wurde mir auch empfohlen… Ich werde es jetzt mal austetsten, ob ich mich dann anschließend auch besser fühle vom Magen her.
    Wie geht’s dir denn so? Verträgst du die Chemo gut?

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  2. Hallo MaiRose, ich vertrage die Chemo noch ziemlich gut. Nur das mit dem Zucker ist wirklich so: Hatte Appetit (jedenfalls dachte ich das) auf ein Teilchen vom Bäcker bekommen, das dann gegessen und danach war es mir schlecht. Gut dass ich an Zucker nicht mehr gewöhnt bin. Der bleibt jetzt wirklich ganz weg. Für leckere Alternativen sorge ich aber. Ich entwickle gerade ein paar neue Rezepte.:)

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