D-Day – die erste Chemo

Die Tage vor der ersten Chemo – also dem D-Day – waren noch mal ganz schön aufregend. Ich hatte ein paar Gäste und sonst noch einiges zu tun. Zwei mal Blutabnehmen etwa, wobei der zweite Versuch mächtig schief ging. Was für eine Sauerei. Ich habe ja nur noch eine Vene, in die man piksen kann.

Der Post-Krimi

Der Samstag war dann aber um einiges spannender. Ich sollte ein Paket mit wichtigen Medikamenten und Handschuhen für die Chemo bekommen. Meine liebe Freundin Yvonne hat das Monsterpaket bereits Anfang der Woche verschickt. Nur durch den Feiertag hat sich die Lieferung nach hinten verschoben.

Leichte Panik kam bei uns daher schon am Freitag auf. Also hatte ich mich am Samstag nach dem Joggen in der Früh daheim auf die Lauer gelegt. Wir wissen ja, dass nicht alle Boten auch bei einem klingeln und dann lieber beim Nachbarn abgeben, der dann nicht da ist, wenn man es abholen will.

Ich hatte also gewartet. Und als zwei Postautos die Straße runter entdeckte, bin ich hin. Aber nada, nix. „Heute keine Lieferung Siegfriedstrasse.“ Mmh, wie war nun der ausländisch aussehende Bote zu verstehen: Liefert er heute nur nicht und das macht dann ein anderer oder meinte der das so generell? Ich hatte dann den anderen Boten gefragt, der wiederum meinte in gutem Deutsch, dass sein Kollege hinter ihm doch für meine Strasse zuständig sei. Oh wei. Also habe ich in die DHL-App nach der Liefer-ID gesehen. „In Zustellung“ hieß es da noch immer.

Yvonne und ich sind fast verrückt geworden. Gegen 13 Uhr kam dann Helga zu mir und wir saßen dann auf den Platz vor meinem Haus auf einer Bank in der Sonne und haben gewartet. Kamen uns schon vor wie BND-Mitarbeiter.

14:17 Uhr dann die Erlösung. Neues Postauto und darin mein Paket. Puh, das war ein echter Krimi. Uns sind allen die mega Brocken vom Herzen gefallen. Aber ohne ein kleines Drama geht’s bei mir auch nicht.

Dem Knötchen in den Hintern treten

So, am Montag hieß es also D-Day. Dem Knötchen geht’s jetzt ans Eingemachte. Auch diesmal hatte ich wieder gute Unterstützung an meiner Seite. Helga kam ja extra aus Frankfurt, um mir beizustehen. Top!

Bevor es aber soweit war, hieß es ab in die Radiologie zum Anstechen des Ports. Dem Emla-Pflaster sei Dank, hat das überhaupt nicht weh getan. Das Plaster werde ich auch das nächste Mal drauf machen.

Danach musste ich in die Frauenklinik. Im Warteraum saßen schon etliche Damen – von jung bis alt.

Nach der Blutabnahme und dem Blutdruckmessen kam mich die Psycho-Onkologin zum Gespräch abholen.

Es war ganz okay, kurz mit ihr zu sprechen. Sie hat mir ein paar Tipps für die Chemo gegeben und mir Mut gemacht. Sie meinte, es sei egal ob ich positiv denke oder negativ, die Medizin bekomme das hin. Nun ja, dazu habe ich eine etwas andere Meinung. Allerdings heißt es, ich darf mal einen schlechten Tag haben. Okay, verstanden.

Leider hatten wir das Gespräch um ein, zwei Minuten überzogen. Deshalb rückte eine Patientin nach mir vor. Gegen 10 Uhr war ich dann aber endlich dran. Ich meine endlich, weil ich gefühlte Ewigkeiten darauf gewartet habe, Knötchen in den Arsch zu treten.

Der Raum war gut belegt. Die meisten Frauen waren etwas älter – so mindestens Ü50. Die Dame neben mir sprach mich sofort an. Ob ich auch neu sei. Nun ja, da ich noch meine Haare habe, war das sicher leicht zu erraten. Sie heißt Sarah und ist vielleicht Mitte 40. Sie hat kurzes rotes Haar und ist sehr hager.

Weil sie sehr sympathisch ist, haben wir uns etwas unterhalten. Dabei habe ich erfahren, dass sie vieles nicht weiß. Sie hat keinen zusätzlichen Behandlungsplan aus der Komplementärsprechstunde. Ich konnte ihr das noch alles schnell erklären. Lange ging unser Gespräch nicht, da Helga und ich sofort in Beschlag genommen wurden von einer netten Krankenschwester. Ein junges Mädel aus Schweden.

Sie erinnert mich vom Aussehen an meine liebe Freundin Ute. Sie hat uns das ganze Procedere und eventuelle Nebenwirkungen gut erläutert und auch gesagt, dass ich wohl in den nächsten zehn bis elf Tagen meine Haare verlieren werde. Das heißt also, ich muss bald einen neuen Termin beim Friseur bzw. im Perückenstudio machen.

Während der Chemo war alles okay. Ich hatte null Beschwerden. Außer dass ich mega Hunger hatte. Ich und Hunger! Grrr. Zum Glück gab es Mittagessen für mich. Geschmack: wenig erhebend. Hunger: Der drückte es rein. Helga konnte ich noch die besten Sachen von dem Mahl geben: Kartoffeln, Kiwi und Donut.

Ihr wisst ja: Keine KHs während der Chemo. Was ziemlich hart ist. Wenn man es nämlich genau nimmt, stecken die in fast allem drinnen: Milchprodukten (Milchzucker) genauso wie Gemüse. Aber nur in geringen Mengen. Absolut darauf zu verzichten ist hart und unmachbar im Grunde. Deshalb verzichte ich an zwei Tagen davor und danach auf Getreideprodukte und Haushaltszucker. Mehr geht einfach nicht. Punkt.

Nach der Chemo ging es mir eigentlich ganz gut. Wir konnten sogar noch Besorgungen (Leberwickel-Set) machen. Doch am Nachmittag wurde es mir dann doch etwas komisch. Ich konnte keine starken Gerüche – ob vom Essen oder Parfum – mehr ertragen, da wurde mir schlecht. Also haben Helga und ich alle Fenster daheim aufgerissen. Meine Arme wurden schwer und ich war hundemüde. Und rotes Pipi habe ich auch noch.

Am Dienstagmorgen sind wir in Ruhe aufgestanden und haben erstmal einen selbstgepressten Karottensaft mit Sanddorn und Leinöl getrunken. Dann gings zum Joggen. Wobei mir das nicht ganz so leicht fiel wie sonst. Wir haben dann ein Intervall-Training daraus gemacht.

Am Nachmittag hatte ich meine erste Reiki-Behandlung. Die war richtig klasse. Ich bin sofort eingeschlafen und habe mich danach super erholt gefühlt. Nur war ich dadurch etwas schwach auf den Beinen, wahrscheinlich weil ich so tiefenentspannt war. Ich musste also gleich heim und mich hinlegen. Aber sonst ist alles gut soweit.

Nun gut, die ersten richtigen Nebenwirkungen sollen erst zwei Tage nach der Chemo auftreten. Hoffen wir mal, dass die nicht so doll ausfallen.

Lehren des ersten Chemo-Tages:

  • 20 Minuten vor Anstechen des Ports Emla-Pflaster auf die Haut
  • irgendetwas Durchgekochtes (Fleischpflanzerl, Ei, Suppe …) und etwas wie Käse, Wurst, Joghurt zu Essen mitnehmen – Rohkost war nicht gut
  • gleich nach der Chemo nach Hause – am besten an der frischen Luft oder mit dem Taxi heim; U-Bahn geht nicht (schlechte Luft, viele Menschen)
  • viel Wasser trinken
  • Tabletteneinnahme nicht vergessen
  • Terminkalender inkl. Stift einstecken!
  • Nachsorgekalender nicht vergessen
  • alle Papiere zur Hand (icloud)
Advertisements

7 Gedanken zu “D-Day – die erste Chemo

  1. Hallo Fabi, jetzt melde ich mich auch mal. Ich weiß nicht, ob Du Dich noch erinnerst, ich bin quasi Helgas „Schwägerin“, also die Freundin von Michael. Ich lese hier schon einige Zeit mit – seitdem mir Helga den link gegeben hat. Ich habe absoluten Respekt davor, wie Du Knötchen den Kampf ansagst und die Kraft aufbringst, diese 3193862 Dinge zu tun! Hut ab! Und… ich werde regelmäßig weiter lesen. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen! LG Katja

    Gefällt mir

  2. Hallo Fabi, ich weiß nicht, ob Du Dich noch an mich erinnerst. Ich bin mit Helgas Bruder zusammen und wir haben uns in Reit im Winkl kennengelernt. Ich habe durch Helga von Deinem blog erfahren und lese fast täglich. Jetzt will ich Dir aber endlich auch mal schreiben, dass ich es den hellen Wahnsinn finde, wie Du mit deinem Knötchen umgehst und welche Energie Du aufbringst, Dich um 92845918346 Dinge zu kümmern! Mein Respekt! Ich drücke Dir ganz feste die Daumen, dass Du Knötchen erfolgreich in den Arscht treten wirst! … und lese immer weiter! Alles erdenklich Gute wünsche ich Dir! LG Katja

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s