Die erste Chemo-Woche

Nun habe ich schon eine Woche Chemo geschafft. Am Ende werden es 28 sein. Insgesamt bekomme ich viermal EC (alle drei Wochen) und zwölfmal Taxol (wöchentlicht).

Ich würde sagen, die erste Woche ist körperlich alles in allem ganz gut verlaufen.

Übelkeit und Erbrechen

Mir wurde es so gut wie kaum übel. Nur in wenigen Situationen war mir flau im Magen. Insbesondere wenn ich sehr geruchsempfindlich reagiere etwa auf Billigparfum (das tue ich ohnehin) oder süßlich riechendes, gekochtes Essen. Interessant war auch zu beobachten, dass mein Magen auf Zucker sehr empfindlich reagiert.

Ich gebe es zu. Ich hatte am Freitag einen schwachen Moment. Mich gelüstete nach einem Teilchen. Als ich auf meine Freundin beim Bäckerstand kurz gewartet hatte, überkam es mich. Ich kaufte mir eine Stück mit Johannisbeeren und Zuckerguss.

Nachdem ich jetzt vier Wochen keinen Zucker gegessen habe, war das ein sehr eindringliches Erlebnis. Für meine Geschmacksnerven ein Schock. Zudem wurde mir nach ein paar Minuten richtig schlecht. So sehr, dass ich schon meinte, ich müsse mich gleich übergeben.

Diese Beobachtung lässt mich an den Rat meiner Ärztin erinnern. Sie sagte, ich soll auf Zucker verzichten. Der Grund: Studien hätten gezeigt, dass Patientinnen Zucker in den ersten zwei, drei Tagen nach Vergabe der Zytostatika schlecht vertragen und ihnen davon übel wird. Da Freitag der vierte Tag war, dachte ich, das sei nicht mehr so tragisch. Nun ja, ich lerne noch.

Müdigkeit und Schlappheit

Was mir schon zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich mich nicht mehr so fit fühle wie noch vor einer Woche. Ich bin gut trainiert. Doch nach ein paar Metern geht mir jetzt die Luft aus.

Nach der Chemo war ich an einigen Tagen joggen oder habe lange Spaziergänge gemacht. Das Joggen musste ich auf ein Intervalltraining abwandeln. Eine Runde am Stück geht nicht.

Probleme habe ich besonders mit dem Treppensteigen. „Zum Glück“ war gestern den ganzen Tag der Fahrstuhl defekt und ich durfte mir fünf Etagen gleich mehrfach geben. Aber am Ende habe ich es schnaufend geschafft. Noch vor drei Wochen sah das ganz anders aus. Da bin ich die Treppen rauf und runter wie nix.

Bisher habe ich es leider noch nicht wieder ins Fitnessstudio geschafft. Das liegt an meiner Narbe am Arm. Da wo sich der Port befindet. Mir wurden erst am Mittwoch die Fäden gezogen und der Arzt meinte, ich soll den Arm noch ein paar Tage schonen. Morgen ist die Schonfrist dann aber vorbei, das Training fest eingeplant.

Was ich allerdings ab jetzt berücksichtigen muss, sind die Zeitintervalle in denen die Müdigkeit mich übermannt. Am Morgen ist alles super. Ich fühle mich fit und erholt. Zum Glück kann ich sehr gut schlafen. Ob das an dem Leberwickel liegt? (Jeden Abend mache ich mir einen und lege mich dann ins Bett. Der Wickel soll die Leber entgiften. Durch die Wärmflasche bleibt der auch lange schön warm auf meinem Bauch.)

Spätestens gegen Mittag setzt eine Müdigkeit ein. Wenn ich daheim bin und auf dem Sofa, fallen mir sofort die Augen zu. Ich kann dann gute zwei, drei Stunden schlafen. Danach bin ich wieder munter. Nach Möglichkeit werde ich das berücksichtigen und meinen Tagesablauf danach organisieren. Also am Morgen Sport und alles andere am Nachmittag.

Kognitive Fähigkeiten

Mir fällt das Denken nicht schwer. Allerdings bin ich manchmal sehr langsam damit. Von Peter weiß ich, dass das bei ihm auch eine Nebenwirkung der Chemo ist.

Manche Sachen vergesse ich zunächst und sie fallen mir dann später erst wieder ein. Mein Kurzzeitgedächtnis scheint davon auch betroffen. Habe ich gerade einen Gedanken, ist er gleich wieder weg. Ich kenne das natürlich auch mal von früher. Aber die Häufung derzeit ist schon auffällig.

So stehe ich ein ums andere Mal vor einem Schrank oder ich gehe ins Bad und weiß dann nicht mehr, was ich da will. Dann muss ich mich richtig konzentrieren, um den Gedanken zurückzuholen.

Der Schluss daraus: Wichtige Dinge werde ich weiterhin akribisch notieren. Zum Glück habe ich gut vorgesorgt. Meine Medikation ist in einer Excel-Tabelle angelegt und wird von mir mehrfach am Tag gecheckt. Eine To-Do-Liste hängt an meiner Abzugshaube und wird täglich aktualisiert.

Als nächsten Schritt werde ich mich in die Literatur zu diesem Thema einarbeiten. Ich hoffe, dass sich mit speziellen Techniken oder einem Training die kognitive Leistung verbessern lässt.

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Die Psyche

Nachdem mein Terminkalender wieder schlanker wird, merke ich, wie wichtig mir ein geregelter Tagesablauf ist. Nichts zu tun zu haben und das auf Dauer … Ohne ein geregeltes Leben befürchte ich, kommt bald ein großes Loch, in dass ich fallen könnte.

Denn obwohl meine Arbeit immer stressig war, hat sie mich ausgefüllt und mir Halt gegeben. Da das nun wegfällt, muss ich nach etwas Neuem suchen, das mich gleich stark erfüllt – nur ohne Stress.

Also habe ich entschieden, wieder die Schulbank zu drücken. Genauer gesagt möchte ich zwei Dinge lernen: Klavierspielen und Russisch.

Meine Freundin Pikria hat mir angeboten, mich in Klavier zu unterrichten. Sie ist Pianistin und ihr Atelier gleich bei mir vor der Tür. Die Idee dazu kam von ihr und ich find das super. Als Kind war ich an der Musikschule und habe Blockflöte gelernt. Viel davon hängen geblieben ist leider nicht mehr. Später hatte ich mich am Klavier versucht, allerdings ohne Lehrer. Nun wird es also einen neuen Anlauf geben. Und ich freue mich darauf.

Russisch zu lernen, ist mir als Politik-Journalistin ein Herzenswunsch. Ich hatte schon Anfang des Jahres nach Kursen geschaut. Leider konnte ich das bisher nicht umsetzen, da es die Arbeitszeiten (Spätdienste) bisher nicht zugelassen haben. Nun ist das anders. Ich habe alle Zeit der Welt. Zum Glück muss ich nicht bei Null anfangen. Ich hatte sieben Jahre Russisch in der Schule. Mal sehen, wie ich eingestuft werde.

Besondere Motivation dazu habe ich durch meinen letzten AirBnB-Gast erfahren. Anna war zu Besuch – eine russische Journalistin. Wir haben viel geredet und festgestellt, dass unsere Lebensläufe sehr ähnlich sind. Noch dazu könnte man uns vom Aussehen her für Schwestern halten.

Anna hat mich nach Russland eingeladen. Sie will mir Moskau, St. Petersburg und das echte Russland zeigen. Sie meinte, ich soll dafür zwei Wochen einplanen. Das ist ein super Plan – für nächstes Jahr. Etwas, worauf ich schön hinarbeiten kann.

Bisherige Nebenwirkungen zusammengefasst:

  • vergesslich
  • müde
  • antriebslos
  • kraftlos
  • eine kleine Hautveränderung
  • langsam heilende Verletzungen der Haut
  • teilweise leichter Schwindel
  • flauer Magen
  • stärkeres Geruchsempfinden
  • teilweise Ziehen in der linken Brust (Karzinom) und Achselhöhle
  • Mundschleimhaut verändert sich, wird rauer, ist belegt
  • Schluckbeschwerden, teilweise Husten
  • ständiger Durst

Empfehlungen meines Zahnarztes:

  • Schallzahnbürste weiter verwenden (entgegen der Empfehlung der Klinik) O-Ton meines Zahnarztes: „Bei ihrer super Zahnpflege macht ein Wechsel auf eine Handzahnbürste absolut keinen Sinn. Das Zahnfleisch können sie sich auch so verletzen etwa durch den Biss in einen Apfel.“Die Hygiene sei definitiv mit Schallzahnbürste besser und die Bürste sei auch nicht so hart und ließe sich auch darauf einstellen, weicher zu putzen.
  • Spülungen mit Kamille
  • regelmäßig, nach den Mahlzeiten Zähneputzen

Meine Ziele:

  • 3 mal wöchentlich Krafttraining
  • 3 mal wöchentlich Joggen
  • Russischunterricht wöchentlich
  • Klavierunterricht (wöchentlich?)
  • 1 Artikel zum Thema Brustkrebs unter Pseudonym (Mathilda Berger) wöchentlich

6 Gedanken zu “Die erste Chemo-Woche

  1. Das mit dem Klavierunterricht ist eine super Idee! Ich spiele auch Klavier und kann es jedem empfehlen… Manchmal sitze ich stundenlang davor und vergesse die Zeit 🙂

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  2. ich find deinen blog toll! ich habe erst zum ende der chemo angefangen zu schreiben. aber mir ging es sehr sehr ähnlich. ich kann nur sagen, wenn man gut auf seinen körper hört und eine positive einstellung zur behandlung hat, klappt alles ganz gut. ich hab um eine mundschleimhautentzündung zu vermeiden zusätzlich nach jedem esse die zähne mit glandomed gespült. ich hatte die ganze chemo nie probleme 😊 ich wünsch dir, das es auch bei dir so bleibt. liebe grüße
    p.s. ich bin aus der nähe von münchen ☺

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  3. Zum spülen kann ich dir etwas besseres als Kamillentee empfehlen. In meinem ersten Zyklus hab ich das auch mit Kamillentee gemacht. Hat bedingt geholfen. Meine Schleimhaut hat sich leider trotzdem entzündet. Habe dann „Glandomed“ empfohlen bekommen. Und das habe ich mir gleich bestellt. Mittlerweile habe ich schon die zweite Flasche am start. Und ich kann es definitiv weiterempfehlen. Die Schleimhaut wird nicht ausgetrocknet, bleibt relativ gut feucht und keine Entzündung im Mund. Nach jedem Essen spülen und alles ist gut. Und Ananassaft als Eiswürfel einfrieren… Die Enzyme in Ananas helfen ebenfalls die Mund Schleimhaut ausgeglichen zu halten! Lieben Gruß

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  4. Vielen Dank für den Hinweis mit Glandomed. Habe mir jetzt von Wala den Mundbalsam bestellt. Werde aber auch Glandomed besorgen. Das mit der Mundschleimhaut ist mittlerweile etwas lästig. Aber der Hals ist wieder besser.

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