Einmal Sinead O’Conner bitte

Die dritte Chemo-Woche endete mit guten news. Meine Leukos sind gestiegen – auf 3.000. Damit ich das Ergebnis relativ schnell erhalte, war ich am Freitag zum Blutabnehmen im Krankenhaus. Und nach 20 Minuten wusste ich Bescheid. Am Montag wird dann noch mal gecheckt und geschaut, ob ich die Chemo in voller Dosis bekommen kann.

Da ich im unteren Rückenbereich Schmerzen bekommen habe, wollte ich das auch gleich noch abklären. Der Doc meinte, das kommt vom Rückenmark, das ja nun fleißig Leukozyten produziert. Aha. Gut zu wissen. Ab jetzt freue ich mich einfach nur, wenn es im Steißbereich zwickt und zwackt.

Pi, pa, Perücke

Am Freitag kamen auch die Haare ab. Und ich muss sagen, es war eine wirklich große Erleichterung. Aus mehreren Gründen. Zum einen, habe ich seit der Vergabe des 1. Zyklus darauf gewartet, dass sie mir ausfallen. Das macht keinen Spaß, jeden Morgen aufs Kissen zu schauen in der Erwartung, Büschel zu finden. Oder unter der Dusche zu stehen und vorsichtig die Haare zu waschen. So ein Nervenkitzel braucht kein Mensch.

Zum anderen, weil der Haarausfall diese Woche angefangen hat. Am Montag hatte ich gemerkt, dass meine Kopfhaut mega empfindlich ist. Nahezu überall. Am Dienstagmorgen lag dann plötzlich Django, mein kleiner Kater, an meinem Kopf bzw. auf meinen Haaren. Das macht der sonst nie. Tiere sollen ja generell so Dinge spüren.

Am Mittwoch hatte ich dann mal hier und da eine dünne Strähne in der Hand. Am Abend war mein Sofakissen voller einzelner Haare. Am Donnerstag bin ich nur mit Hut nach draußen. Wäre da kein Feiertag gewesen, wären sie schon da alle abgeschnitten worden.

Also musste ich bis Freitag warten. Ich bin dafür aber nicht ins Perücken-Studio. Die hatten es mir zwar angeboten, die Haare abzurasieren. Aber mein Bauchgefühl sagte: Ich will zu Anja, meiner Friseurin. Da fühle ich mich einfach gut aufgehoben.

Da ich nicht U-Bahn oder Tram oder Bus fahren soll, bin ich größtenteils gelaufen. Von daheim zur Klinik, von der Stadt zum Friseur. 13 Kilometer waren das. Da ich keinen Sport machen darf: Halleluja. Wenigsten etwas getan.

Die Mädels im Salon hatten mich ganz lieb empfangen. Zu Begrüßung gab’s ne dicke Umarmung, einen Kaffee und dann ging es auch schon los. Anja hatte mir erst die Haare abgeschnitten und dann meinen Kopf gewaschen. Danach wurden sie raspelkurz rasiert – auf zwei Millimeter. Danach gab es noch mal eine Kopfwäsche. Wie gut das tat. Keine einzige Träne habe ich beim Blick in den Spiegel verdrückt. Auch nicht, als ich die Mähne gesehen habe, die am Boden lag. Etwas Pipi hatte ich in den Augen, nur weil die Mädels im Salon so großartig sind. :-*

Ha, und was für eine Ironie: Anja hatte mir einmal von einer Kurzhaarfrise abgeraten. Und auch Färben durfte ich nicht, weil meine Haare eine so schöne Farbe hatten. Und nun: kurzrasiert und mit hellbrauner Perücke oder blondem Haarband unter der Mütze. Ich probiere jetzt alles einfach mal aus: blond, rot, braun, schwarz. Vielleicht auch rosa, grau und grün. 😛

Und  Fastglatze steht mir irgendwie auch ziemlich gut. Das finden alle. image2

Anja war so lieb und hat meine Perücke noch etwas getrimmt, damit mir die Haare nicht so im Gesicht rumfliegen. Wie beim letzten Mal, war das Schneiden gratis. Und der Gang nach Hause oben ohne überhaupt nicht schwer.

Anja und ich haben für die Zukunft ausgemacht, verschiedene Kurzhaarschnitte auszuprobieren. Da habe ich schon jetzt voll Lust zu. Mit Perücke auf dem Kopf ging es dann zu Fuß nach Hause und zum Einkaufen.

Mützenparty bei Fabi

Für den Abend hatte ich ja noch meine Mützenparty mit den Fabis Fabulous Foo Fighters geplant. Leider konnten drei Mädels nicht dabei sein. Die Idee dahinter: Jede FFFF bringt eine Mütze oder einen Hut mit (neu, alt oder selbstgemacht). Die Mützen und Hüte wurden dann den ganzen Abend getragen und am Ende da gelassen. Ich setze dann immer eine dieser Kopfbedeckungen zur Chemovergabe auf und mache Beweisfotos.

Das wird, glaube ich, ziemlich lustig für die Schwestern und die anderen Patientinnen werden. Denn die Mädels haben sich tolle Sachen für mich ausgedacht.IMG_9263

Der Abend war richtig schön. Helga war per Live-Schalte (Facetime) aus Frankfurt dabei und hat den Mädels gleich mal ihre gesamte Hutsammlung präsentiert. Aus Las Vegas kam ein Hut-Bild über den Äther geflattert von meinen Buddies und Kati. Auf ihren Hüten stand: Miss Fabi Lous Las Vegas. Mein Spitzname. Hach. Das war so süß.

Denn eigentlich müsste ich jetzt mit Kati in Las Vegas sein und dort Zocken, Feiern, Shoppen, am Pool rumliegen. Damit ich nicht alles verpasse, schickt mir Kati fleißig Fotos und geht mit mir zusammen via Whatsapp shoppen. Was ein Spaß.

Und die Jungs schicken mir über Kati liebe Grüße. So habe ich das Gefühl, irgendwie doch dabei zu sein. Und dass Kati trotzdem Spaß ohne mich dort hat, freut mich mega. So habe ich mir das für sie gewünscht. Wir haben ja beide so gejammert, dass sie ohne mich fliegt. Kati und Fabi in Vegas – das gehört einfach zusammen.

Und nun tickt die Uhr bis zum zweiten D-Day. Der ist Morgen. Statt bei David Guetta im XS-Club in Vegas werde ich an der Nadel hängen und „Aperol-Spritz“ bekommen. (Anm.: Eine Bloggerin hat das EC mal so genannt, weil es die gleiche Farbe hat wie das Getränk. Finde, diese Analogie passt ganz gut.)

Nebenwirkungen dritte Chemo-Woche

  • empfindliche Kopfhaut, die schmerzt
  • Haarverlust
  • Rückenschmerzen (Stufe 5 von 10) unterer Rücken

 

 

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3 Gedanken zu “Einmal Sinead O’Conner bitte

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