Brustkrebs und die Rolle des Wächterlymphknotens

 

Diesen Dienstag stand die Biopsie des verdächtigen Lymphknotens an – des Wächterlymphknotens oder auch Sentinel genannt. Da diese Prozedur an mir an anderer Stelle schon mal durchgeführt wurde und zusätzlich mit gleicher Methode ein Clip gelegt, war mir noch ganz bewusst, dass das schmerzhaft sein kann. Daher hatte ich schon ganz schön Muffensausen.

Der Termin war für 10.20 Uhr angesetzt. Also war noch Zeit für ne Runde Joggen am Morgen und damit Krafttanken für das Unausweichliche.

Pikria war so lieb und hat mich zum Termin begleitet. Sie war auch bei der Aufklärung mit im Arztzimmer. Nun sind wir beide schlauer, denn zuvor hat kein Arzt wirklich über Sinn und Unsinn dieser Untersuchung mit mir gesprochen.

Die Fakten:

Der Sentinel war in meinem MRT vom 4. Mai (noch vor der 1. Chemo) auffällig. In den Aufnahmen, die ich nun zum ersten Mal zu Gesicht bekam, ist zu erkennen, dass der Sentinel etwas dicker ist, als normal.

Das kann heißen: Er ist von Krebszellen befallen oder aber nur geschwollen. Dafür gibt es verschiedene Ursachen.

Der Radiologe meinte, er könnte von der ersten Biopsie geschwollen gewesen sein. Das käme hin und wieder vor. Zudem stand ich kurz vor meiner Periode (6. Mai), da können die Knoten auch anschwellen. Ebenso bei einer Erkältung – und auch die hatte ich zu diesem Zeitpunkt.

Bisher ist sicher, dass der Lymphknoten im MRT also etwas dick war.

In der Sono (Ultraschall) vom 1. Juni sieht der Lymphknoten dagegen sehr gut aus. Nicht geschwollen. Das wiederum kann bedeuten: Da ist wirklich nichts, er war wirklich nur geschwollen oder aber die Chemo hat angeschlagen und die Krebszellen schon bekämpft.

Die Biopsie

Da meine Ärztin im Gegensatz zu den Onkologen darauf gedrängt hat, herauszufinden, was da los ist, musste ich zur Stanze bzw. Biopsie. Selbst wenn Krebszellen vorhanden waren, wird das im Labor entdeckt werden können.

Bei der Biopsie wurde etwas Gewebe des Sentinels entnommen. Dafür wurde die Achselhöhle zunächst betäubt. Danach führte der Arzt eine Biopsiekanüle ein und entnahm mehrere Gewebezylinder aus dem auffälligen Bereich. Bei mir waren es zwei. Dabei habe ich ein klackendes Geräusch der Biospienadel gehört. Der ganze Vorgang hat etwa 30 bis 40 Minuten gedauert. Es hat diesmal überhaupt nicht geschmerzt.

Das Ergebnis bekomme ich nächste Woche. Der Arzt hat versprochen, diesmal anzurufen und mir das Ergebnis persönlich mitzuteilen.

Jetzt heißt es also  Daumendrücken dafür, dass das Ergebnis negativ ist. Denn für meine OP im Spätsommer macht das den Unterschied zwischen Himmel und Hölle.

Konkret: Ist der Sentinel nicht befallen, wird er trotzdem entfernt werden und eventuell ein paar wenige Lymphknoten drumherum. Ist er befallen, dann wird großzügig operiert werden und mir viele andere Lymphknoten in der Achselhöhle entnommen. Das wiederum erhöht das Risiko eines Lymphödems und kann noch weitere Komplikationen bzw. Folgen nach sich ziehen.

Was ist der Wächterlymphknoten?

Der Sentinel bzw. der Wächterlymphknoten ist jener Lymphknoten in den die Lymphe (Gewebswasser) aus dem erkrankten Gewebe als erstes gelangt. Das heißt, dorthin können auch vom Tumor losgelöste Zellen gelangen.

Ist der Sentinel befallen, können von ihm entartete Zellen über das Lymphsystem in den gesamten Körper gelangen und an anderen Stellen wie Leber, Lunge, Knochen metastasieren. In wenigen Fällen, das haben Studien ergeben, können die Zellen auch den Sentinel überspringen. Das heißt: Eine negativer Befund ist keine Garantie, dass andere Lymphknoten nicht befallen sind.

Welcher Lymphknoten der Wächterlymphknoten ist, hängt von der Lage des Tumors ab.

Was ist ein Lymphödem?

Um zu wissen, wie es zu einem Lymphödem kommt, muss man wissen, wie das Lymphsystem funktioniert.

Das Lymphsystem durchzieht den ganzen Körper und ist wesentlicher Bestandteil unserer Immunabwehr. Es ist eine Art Netzwerk, das wie ein Computer aus mehrere Komponenten besteht. Dazu gehören die Lymphgefäße und -knoten, die Milz, Gaumen-, Zungen- und Rachenmandeln (lymphatischer Ring) und das lymphatische Gewebe (im Darm).

Die Lymphflüssigkeit wird von den Lymphgefäßen Richtung Herz geleitet. Die Lymphknoten wiederum dienen als eine Art Filter. Sie reinigen die Lymphflüssigkeit. Viren und Bakterien werden bekämpft, Zelltrümmer abgebaut.

Ist ein Lymphknoten von Krebszellen befallen, sorgen die Antigene dafür, dass sich B- und T-Lymphozyten vermehren. Das wiederum führt dazu, dass der Lymphknoten anschwillt.

Werden infolge eines befallenen Sentinels zu viele Lymphknoten entfernt, kann ein Lymphödem entstehen. Das heißt, an dieser Stelle (in meinem Fall die Achselhöhle) ist der Lymphfluss unterbrochen oder beeinträchtigt. Es bildet sich ein Stau von Lymphflüssigkeit im Gewebe. Das wiederum führt dazu, dass das Gewebe anschwillt – in meinem Fall wäre das der Arm.

Zum Glück gibt es eine neue Methode: Die Transplantation von Lymphknoten. In Deutschland etwa gibt es eine Klinik, die sich darauf spezialisiert hat.

Doch bevor ich mir darüber Gedanken mache, heißt es jetzt Abwarten. Das Ergebnis von der Biopsie kommt nächste Woche.

 

 

 

 

 

 


10 Gedanken zu “Brustkrebs und die Rolle des Wächterlymphknotens

  1. Was für eine Odyssee hast du hinter dir mit der Biopsie. Wahnsinn. Würde deine Brust denn nicht betäubt, bevor sie die Biopsie gemacht haben? Sollte das so gewesen sein, ist das ja echt heftig.
    Bei mir haben sie ne Betäubung reingespritz und erst dann biospsiert. Und mein Wächter-Lymphknoten war beim Ultraschall auch auffällig und wurde ein paar später raus operiert und eingeschickt. In einem wurde mir der Portkatheter gelegt.
    Und das deine Ärzte nicht mit dir reden finde ich absetzt unmöglich. Wo bekommt du dann deine Infos her? Das darf einfach nicht sein sowas. Ich kann mir vorstellen, dass du dich irgendwie alleine gelassen fühlst von den Ärzten. Das tut mir so leid für dich! Fühl dich gedrückt von mir 🙅🏻🍀 und weiterhin alles Gute und viel Kraft für dich!!! 😘

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