3. D-Day – noch mehr Chemo wegstecken

Die dritte Chemo am Montag lief alles in allem fast genauso ab: Blutdruckmessen, Blutabnahme, Arztgespräch und wie immer ein völlig überrannter Warteraum. Es war zwar noch ein Plätzchen für mich da, aber nein danke. Da es sich einige Patientinnen zur Lebensaufgabe machen, Verwandte mitzubringen, die hustend ihre Bakterien verbreiten, blieb ich lieber auf dem Flur.

Ich hatte mich hier schon einmal darüber beschwert. Und es diesmal auch den Schwestern gesagt, dass das so nicht geht. Wir sollen die Krankheit ernst nehmen, darauf achten, dass wir uns nirgends anstecken. Dann geht das eben nicht, erkältete Besucher auf die Chemo-Station zu lassen.

Die Leukozyten – sicher nicht nur meine – sind durch die Zytostatika meist im Tiefstbereich. Da ist man ruck zuck infiziert. Und das heißt dann wieder: Antibiotika, kein Sport und wenn es dumm läuft wieder ab zum Lungenscreening. Alles schon durch.

Nun ja, nach einer gefühlten Ewigkeit des Wartens auf dem Flur ging es also los. Ab zum Arzt. Ich hatte ja geschrieben, dass ich wegen der unterschiedlichen Behandlungsmethoden nachfragen möchte. Im Speziellen: Port- und Lymphknoten-OP.

Die Sache mit dem Port

Patientinnen an anderen Brustzentren bekommen ihren Port in der Nähe des Brustbeins gelegt. Meiner befindet sich im Arm. Ich wollte wissen warum.

Bei einem Port handelt es sich um eine kleine Metall- oder Kunststoffkammer  mit einer Membran und einem Katheter. Das Port-System wird unter die Haut eingepflanzt und dort mit einer Vene verbunden. Das soll die Vene während der Chemo schonen. Denn die Zytostatika reizen die Blutgefäße im Bereich der Einstichstelle. Das wiederum kann zu Venenentzündungen führen.

Laut des Arztes handhaben die Mediziner das mit dem Port am Klinikum rechts der Isar aus mehreren Gründen anders: Der Port im Arm kann ambulant gelegt werden von einem Radiologen. Dagegen muss ein Port etwas unterhalb des Schlüsselbeins chirurgisch eingesetzt werden. Sprich: Es handelt sich um einen größeren Eingriff. Zudem ist der Port auch viel größer als meiner am Arm.

Außerdem kann ein Port oberhalb der Brust sich drehen und verrutschen – was wohl gar nicht so selten vorkommt. Ein Gegenargument, was den Medizinern rechts der Isar wohl am wichtigsten ist: Infiziert sich ein solcher Port, dann ist das Risiko höher, dass sich die Infektion schneller ausbreitet – insbesondere auf das Herz, weil er näher dran liegt als der Port im Arm.

Die Sache mit dem Lymphknoten

Dass der Wächterlymphknoten vor der Chemotherapie entfernt wird, ist eine ältere Methode. Die Leiterin der Frauenklinik habe diese Vorgehensweise verboten. Zum einen weil es ein zusätzlicher chirurgischer Eingriff wäre. Zum anderen, weil am Klinikum der Wächterlymphknoten während des Eingriffs – aber noch vor der eigentlichen OP – mittels Kontrastmittel noch einmal untersucht werde.

Erst dann würden die Chirurgen entscheiden, wie viele Lymphknoten entfernt werden müssen. Sprich: Ist mit dem Wächter und den anschließenden Lymphknoten alles in Ordnung, fällt die OP kleiner aus, so der Arzt.

Ich bin froh über diese Vorgehensweise am Klinikum. Zum einen hat es mir zwei OPs erspart und zum anderen kann ich mich über die Lage des Ports nicht beschweren. Man sieht ihn kaum, nur die Narbe fällt etwas auf. Aber die behandle ich mit Narbensalbe und hoffe, dass das wirkt.

Ein Port über der Brust würde mich schon aus schlaftechnischen Gründen stören. Ich bin Bauch- und Seitenschläfer.

Auf eine Frage konnte mir der Onkologe allerdings keine Antwort geben: Meine Fingernägel (beide Daumen) verfärben sich dunkel am Halbmond. Ich soll das beobachten und beim nächsten Mal keinen Nagellack tragen, damit er sich das ansehen könne. Mmmh, ich schau mal in meinen Ratgeberbüchern nach. Vielleicht finde ich was dazu.

Ein Tuch für Helga und Tweety für die gute Laune

Nachdem klar war, meine Leukos sind bei 3.800 durfte ich dann zum „Aperol Spritz“. Schnell noch was von meinem mitgebrachten Auflauf essen, denn danach hab ich es nicht so mit dem Essen. Die ersten zwei, drei Tage nicht. Und das Krankenhausessen ist sowieso einfach bäh.

Diesmal habe ich Helgas Tuch aufsetzen müssen. Die Deutschlandflagge – weil ja EM ist. (Und das bei der miesen Leistung des Teams… ) Die Frauen haben vielleicht geschaut, als ich die Perücke abgenommen und das Tuch aufgesetzt habe. Als sie die Erklärung hörten – von meiner Mützenparty und dem Deal – haben sie gelacht und sich gefreut. Auch die Schwestern und der Arzt mussten herzlich lachen. Und mein Shirt war extra witzig gewählt. 😉

Na, das ist doch auch mal schön, den Damen und Herren bei der Chemo das Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Sonst ist in dem Chemo-Raum immer so eine gedrückte Stimmung. Aber nun gut, manche wollen ja auch einfach nur ihre Ruhe.

Die Zeit ging gut rum, ich habe auch nix gespürt. Ich war aber sehr froh, dass mich Nicky mit dem Auto abgeholt hat. Denn ich war danach schon ziemlich kaputt und wollte einfach nur heim und schlafen. Das habe ich dann auch. Leider war ich am Abend noch so kaputt, dass ich, obwohl ich schon in der Galerie war, den Klavierunterricht lieber verschoben habe auf Donnerstag. Manchmal ist das so. Jetzt hoffe ich, dass ich auch die dritte Chemo so cool vertragen werde wie bisher.

Gehirnmatsch und Chaos

Noch ein Detail will ich nicht verschweigen. Wie oft habe ich schon vom Chaos-Krankenhaus erzählt?! Nun, auch am Montag gab es wieder eine Fehlleistung. Man hat vergessen, mir das Rezept für Emend mitzugeben und ich selbst bin nicht drauf gekommen, deswegen nachzufragen. Erst daheim ging mir ein Licht auf. Und so musste ich dann gestern früh schnell noch in die Klinik, damit ich die erste Pille nicht zu spät einnehme.

Da ich mittlerweile schon sehr verpeilt bin, hatte ich doch glatt meinen Nachsorge-Ausweis vergessen. Man, man, man hat die Schwester mit mir geschimpft. Zu recht. Denn ich musste mir noch die Enantone-Spritze abholen. Und die muss in den Pass eingetragen werden. Asche über mein Haupt. Ich gelobe Besserung und hoffe, dass die in der Klinik endlich auch mal ihr Chaos geregelt bekommen. 😛

Da ich noch Reiki hatte, hat mir das Laufen gestern 15.000 Schritte eingebracht. Denn U-Bahn-Fahren ist nicht. Und da ich zu schlapp zum Joggen war, hat das richtig gut getan.

 

 

 

 

 

 


2 Gedanken zu “3. D-Day – noch mehr Chemo wegstecken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s