7. Chemo-Woche – das Leben ist schön

Was soll ich sagen, auch die dritte Chemo scheine ich gut wegzustecken. Damit geht es mir ähnlich wie Bloggerin Mairose. Allerdings fühlen sich viele Frauen im Gegensatz zu uns während der Chemo ziemlich schlecht, wie ich unlängst feststellen musste. Ein paar Frauen berichteten, dass sie nur wenige gute Tage haben. Fast habe ich schon ein schlechtes Gewissen, dass es mir so gut damit geht – relativ gesehen natürlich.

Gut die ersten zwei Tage im Zyklus sind nun wirklich alles andere als schön. Die größten Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Appetitlosigkeit und eine leichte Übelkeit. Alles was ich an dem Tag der Gabe esse, kann ich hinterher nicht mehr essen. Allein der bloße Gedanke daran ruft einen Ekel hervor. Zum Glück habe ich bisher keine Lieblingsspeisen gegessen. Um ehrlich zu sein, bekomme ich an diesem Tag sowieso fast nix runter.

Am Montag also hatte ich meine 3. Chemo und bin dank Nicky ganz schnell danach nach Hause. Dann habe ich mir meine Medikamente eingeworfen, den Leberwickel gemacht, mir die Spritze Iscucin gegeben und fast den ganzen Tag geschlafen. Das tat gut.

Am Dienstag hatte ich einen „kleinen“ Laufmarathon: von daheim zur Klinik, in die Stadt zum Reiki und dann wieder nach Hause. Das gab fast 20.000 Schritte und etliche Kilometer. Danach war ich so platt, dass ich ab 15 Uhr nahezu durchgeschlafen habe bis zum nächsten Tag.

Sportlich durch die Chemo

Ab Mittwoch war ich wieder richtig fit. Besonders morgens sprühe ich vor Energie. Das ist dann auch die beste Zeit für Sport. Gott wie ich das liebe. Joggen, joggen, joggen. Dabei war ich bis vor zwei Jahren noch ein Laufmuffel. Um ehrlich zu sein, habe ich es gehasst. Und jetzt kann ich nicht mehr ohne.

Also gehe ich jeden Morgen eine Runde joggen. Im Vergleich zu früher bin ich sehr langsam, aber immerhin bin ich dazu in der Lage. Mittlerweile habe ich die Distanz erhöht auf bis 4,5 Kilometer. Tracken tue ich nur das, was ich Jogge, der Rest fällt unter Schritte zählen.

Ab Montag werde ich die Runde noch einmal erweitern und mir eine andere Laufstrecke raussuchen. Außerdem achte ich darauf, mindestens 10.000 Schritte am Tag zu laufen. Egal bei welchem Wetter. Das lässt sich meist auch nicht anders machen, da ich nicht mehr mit den Öffentlichen fahre.

Und ich muss sagen, es stimmt, was da immer geschrieben wird (und das habe ich als Journalistin auch): Die Glückshormone sprudeln nur so nach dem Laufen. Ich bin also süchtig nach dem Glücksgefühl. 🙂

An dieser Stelle: Ihr werdet bald auch einen Blog-Eintrag über Sport während der Chemo zu lesen bekommen. Am Dienstag habe ich meinen Sport-Termin an der Uni-Klinik. Da werde ich auf meine Fitness getestet und dann wird mir eine Sporttherapie verschrieben.

Die Nebenwirkungen

Insgesamt halten sich die Nebenwirkungen im dritten Zyklus noch ziemlich zurück. Zumindest in Bezug darauf, was Schmerzen, Erbrechen oder psychische Probleme betrifft. Aber ich mache auch viel dafür und alles, was mir die Ärzte anraten:

  • einmal am Tag moderaten Sport
  • viel Spazierengehen/ frische Luft
  • Reiki
  • komplementärmedizinische Therapie
  • viel Schlaf
  • viel Trinken
  • gesunde Ernährung mit viel Bio-Gemüse
  • Menschenansammlungen und U-Bahn meiden (wegen der Keime)
  • Mund-Prophylaxe bzw. spezielle Mundpflege

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass mir das alles hilft.

Ebenfalls wichtig ist ein gutes, soziales Netzwerk. Da bin ich gesegnet mit, wie mir immer wieder klar wird. Zu wissen, dass ich so viele liebe und tolle Freunde (= meine Familie) habe, macht mich unendlich glücklich. Danke an dieser Stelle, dass es Euch gibt. Ihr seid großartig.

Ansonsten hilft mir viel Ablenkung. Ich strukturiere meinen Tag und mache (fast) nur Dinge, auf die ich wirklich Lust habe. Die Anweisung der Ärzte: „Konzentrieren sie sich auf sich! Vermeiden sie Stress! Tun sie, was ihnen gut tut!“

All der Ballast, den ich früher damit hatte, der ist weg. Wenn ich keine Lust auf ein Picknick im Park habe, dann mache ich es nicht mehr. Früher wäre ich hin, weil ich mich verpflichtet gefühlt hätte.

Alles kann ich natürlich nicht beiseite schieben. Den administrativen Kram etwa wie Versicherungsbögen ausfüllen, Steuererklärung machen, Arzttermine wahrnehmen … meine To-Dos also. Aber das dauert und dauert, weil ich mich schlecht konzentrieren kann.

Und zu einer Sache bin ich noch nicht gekommen: Ich wollte ja noch einen Bericht über meinen Tag bei Recover your smile veröffentlichen. Ihr müsst Euch da leider noch eine Weile gedulden. Zum einen sind noch nicht alle Bilder da. Außerdem treffe ich mich erst noch auf einen Kaffee mit der PR-Dame. Und: Ich bin ich ziemlich langsam. Eine der Nebenwirkungen der Chemo hat mich schon ziemlich im Griff: das Chemo-Brain. Nicht nur, dass ich vergesslich bin. Ich kann mich manchmal einfach nicht so gut konzentrieren. Leider. Aber: was lange dauert, wird gut. 😉


9 Gedanken zu “7. Chemo-Woche – das Leben ist schön

  1. Ein sehr guter Blog. Das mit dem schlechten Gewissen kenne ich. Ich bin froh, dass es mir so gut geht, und die anderen erzählen immer wie müde und die sie sind und dass sie mit Übelkeit zu tun haben. Das einzige was mich ziemlich umhaut, sind die Knochenschmerzen, die ich meist am dritten Tag bekomme und anhalten bis einen Tag vor der nächsten Chemo, die ich wöchentlich bekomme. Mein Appetit ist ok…
    Was ist das für eine Spritze, die du dir spritzt nach der Chemo? Und was bewirken die Leberwickel? Ich hab beides noch nicht gehört…
    Du machst alles richtig, was dich und deine Gesundheit / Krankheit betrifft. Ich mach es genauso. Alles, was mich belastet, oder was für mich nicht passt, lass ich sein… Wir schaffen das… Wir sind Kämpferinen!!! 🍀 ich bin so froh, so tolle Menschen hier gefunden zu haben! Danke!!! 🍀🍀🍀

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    1. Den Leberwickel mache ich jeden Tag. Schafgarbetee wird aufgebrüht. Dann wird ein Tuch drin getränkt, das dann auf den Bauch gelegt wird. Dann Tuch drum, Wärmflasche drauf und nicht ein Tuxh drum. Das soll die Leber entgiften.

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  2. Ich denke, dass die Misteltherapie dazu beiträgt, dass es mir so gut geht. Meine Ärztin wollte zumindest, dass ich das unbedingt mache. Ich wollte nämlich erst nicht, weil ich mir das selber spritzen muss. Das ist anfangs ne mega Überwindung, sich selbst die Spritzen zu setzen. Mittlerweile geht es besser damit.

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