Sport und Brustkrebs – Training bei Chemo

Am Dienstag hatte ich einen Termin am Zentrum für Prävention, Ernährung und Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar. Es ging um einen Fitnesstest und eine Sportberatung für die Zeit während der Chemotherapie.

Ich habe mich dazu entschieden aus zwei Gründen: Zum einen weil ich sehr sportlich bin und wissen wollte, wieviel Bewegung und welche Sportart während der Chemotherapie sinnvoll ist und wovon ich lieber die Finger lassen sollte. Zum anderen habe ich mich mit verschiedenen Studien-Ergebnissen zum Thema Sport und Krebs auseinandergesetzt und Sport deshalb umso mehr in mein Leben integriert.

Denn Sport wirkt nicht nur vorbeugend gegen Krebs, er hat auch einen positiven Effekt bei Patientinnen mit Brustkrebs. Das haben verschiedene Studien gezeigt. So berichtet das National Cancer Institute, dass die Nebenwirkungen der Chemotherapie durch Bewegung verringert werden können. Ein Effekt ist vor allem auf die typische Begleiterscheinungen wie Müdigkeit und Antriebslosigkeit zu sehen.

Auch Experten in Heidelberg konnten nachweisen, dass Brustkrebspatientinnen, die körperlich aktiv sind, viel weniger an Fatique leiden. Zudem konnte insbesondere Krafttraining die chronische Müdigkeit nachweislich verringern.

Weiteres Plus: Regelmäßiger Sport wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Zum einen, weil der Körper durch die Aktivität sogenannte Neurotransmitter wie Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin ausschüttet. Diese Botenstoffe haben einen Einfluss auf emotionale Prozesse. Es wird vermutet, dass sie beim Laufen den Rauschzustand auslösen.

Zudem stärkt Sport das Selbstbewusstsein und steigert die Lebensqualität. Bewegung lenkt von der Erkrankung ab, die bisweilen wie ein Damoklesschwert über allem hängt. Wer zudem Sport in Gesellschaft treibt z.B. bei Nordic Walking, kommt mit Gleichgesinnten in Verbindung. Das hilft, den inneren Schweinehund zu überlisten und fördert das Zugehörigkeitsgefühl. Außerdem helfen feste Trainingszeiten, den Alltag zu strukturieren.

Und Sport hat offenbar auch einen Einfluss auf die Mortalität (Sterberate) und Rückfallrate. Demnach zeigt eine Studie mit Frauen mit hormonabhängigem Tumor, dass bei regelmäßiger Bewegung das Rückfallrisiko sinkt. Das trifft insbesondere auf Betroffene zu, die vor ihrer Erkrankung sportlich nicht aktiv waren.

Eine weitere Studie, die jüngst in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology publiziert wurde, kam zu ähnlichem Ergebnis. Demnach sinkt bei Patientinnen mit nicht-metastasiertem Brustkrebs das Risiko für Herzkreislauferkrankungen.

Herzkreislauferkrankungen sind für Frauen mit Brustkrebs in frühem Stadium die häufigsten Todesursachen. Zum einen, weil Therapie und Diagnostik die krebsbedingte Sterberate zurückgedrängt haben. Zum anderen deshalb, weil die Behandlung mit Chemotherapie das Herz angreift. So wirkt etwa Doxorubicin kardiotoxisch. Chemopatientinnen werden daher in regelmäßigen Abständen von einem Herzspezialisten untersucht.

Die Forscher fanden heraus, dass sich das Risiko für gefährliche Herzkreislaufereignisse um bis zu 35 Prozent senken lässt – je nach Trainingsintervall und -intensität. Je regelmäßiger demnach Sport getrieben wird, desto deutlicher die Wirkung. Die US-Wissenschaftler empfehlen daher pro Woche drei bis fünf mal je 20 Minuten Sport mit mittlerer bis hoher Trainingsintensität.

Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie empfiehlt ebenfalls regelmäßig Sport zu treiben. Brustkrebspatientinnen sollen demnach wöchentlich drei bis fünf mal eine Stunde mäßig Walken. Das „verbessert das rezidivfreie Überleben und das Gesamtüberleben“.

Wichtig für Brustkrebspatientinnen ist, sich professionellen Rat zu holen – insbesondere untrainierte. Denn der Trainingsplan sollte an die individuellen körperlichen Bedingungen angepasst sein. Ein Gespräch mit einem Sportmediziner, Kardiologe oder ein Termin in einer professionellen Rehabilitationseinrichtung ist daher zu empfehlen.

Mein Belastungstest zeigt:

Mein Laktatwert steigt bei zunehmender Belastung langsam an. Das heißt, ich bin gut trainiert. Dafür, dass ich Chemo bekomme, bin ich also topfit.

Die Ärztin im Zentrum für Prävention, Ernährung und Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar empfiehlt mir:

  • mindestens 3 bis 5 mal Sport wöchentlich (moderates Ausdauertraining)
  • zusätzlich Sport- und Physiotherapie mit Krafttraining für den Oberkörper
  • Sportverzicht an Tagen, an denen die Leukozyt-Werte unter 1.500 sind
  • Das Training stets im Pulsbereich von 120 bis 150 – kein Schwellentraining im individuellen aeroben Bereich (IAS)

Empfohlene Sportarten

  • Walking/ Nordic Walking
  • Joggen
  • Crosstrainer
  • Fahrradfahren
  • Krafttraining nach Empfehlung eines Physiotherapeuten
  • Yoga
  • Wandern

Weshalb Sport einen solchen Einfluss auf Krebs hat, ist noch nicht hinlänglich erforscht. In Heidelberg sind sich die Wissenschaftler eines aber sicher: Bewegung hat einen direkten Einfluss auf das Immunsystem. So erklärt Prof. Cornelia Ulrich im Beitrag des NDR, dass der Körper durch Sport mehr Killerzellen produziert, die gegen Infekte sehr hilfreich sein können. Außerdem verbessere sich die DNA-Reparatur-Funktion.

„Sport wirkt auf verschiedenen Ebenen. Und ist genauso gut wie ein Medikament“, sagt Dr. Thorsten Schmidt im Interview mit NDR-Moderatorin Vera Cordes.

Meine Erfahrung

Einige der positiven Effekte kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Der erste Zyklus der Chemo hat meine Fitness bzw. meine Leistungsfähigkeit anfangs beeinflusst. Ich fühlte mich in der ersten Woche ziemlich schlapp und hatte mit Müdigkeit zu kämpfen. Treppensteigen war besonders anstrengend.

Die Steigerung meines Trainings (Joggen) auf 1 mal täglich mindestens 30 Minuten und die Einhaltung von 10.000 Schritten am Tag hat meine Fitness gesteigert. Treppengehen ist nicht mehr so anstrengend. Die Müdigkeitsanfälle halten sich in Grenzen. Physisch und psychisch geht es mir den Umständen entsprechend gut. Beim und nach dem Laufen fühle ich mich pudelwohl und bin glücklich. Ich habe mehr Appetit und bin voller Tatendrang.

Mein Belastungstest hat außerdem gezeigt, dass mein Puls langsam nach oben geht und mit meinem Herzen soweit alles in Ordnung ist.

Meine Ärztin am Zentrum für Prävention, Ernährung und Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar hat mir zusätzlich zu meinem Training noch Physiotherapie verschrieben. Heute habe ich mein erstes Training. Dort wird mir ein individueller Plan erstellt, der vorwiegend aus Kraftübungen bestehen soll.

Ich werde diesen Text daher noch aktualisieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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11 Gedanken zu “Sport und Brustkrebs – Training bei Chemo

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