8. Chemo-Woche – hello Chemo-Brain

Ich bin nun in der 8. Chemo-Woche und habe viele Termine bezüglich Knötchens wahrgenommen. Zum einen war ich bei der Sportberatung. Denn wie ich ja schon geschrieben habe: Sport ist äußerst wichtig während der gesamten Therapie und auch danach.

Nach meinem Fitnesstest, den ich gut bestanden habe, war ich bei der Physiotherapeutin. Wir hatten ein längeres Gespräch, das sehr aufschlussreich war. So habe ich erfahren, dass neben Bewegung auch Physiotherapie enorm wichtig ist. Denn durch die Chemo lagert sich Wasser im Gewebe ein.

Es geht nun also darum das Gewebe zu entlasten. Die Therapeutin massiert quasi die Lymphe weg. Wie sie festgestellt hat, habe ich in meinen Beinen und Armen bereits viel Wasser eingelagert. Auch im rechten Knie, was wohl für die Schmerzen in letzter Zeit sorgte. Beim Wegmassieren habe ich dann ziemlich genau gespürt, was sie damit meinte. Man, man, man.

Sport fürs Herz

Als nächstes arbeiten wir gemeinsam einen Trainingsplan aus. Es geht darum, meine Leistungsfähigkeit zu steigern. Denn die Chemo greift ziemlich stark das Herz an. Und das muss nun also gestärkt werden. Außerdem muss der Oberkörper für die anschließende OP fit gemacht werden. Man verträgt das Rumngeschnippel dann wohl besser und hat bessere Heilungschancen.

Damit ich richtig trainiere, also im richtigen Pulsbereich, habe ich mir gleich einen Pulsmesser gekauft aber ohne den ganzen Zusatzkram. Nur fürs Pulsmessen. Im Internet war der Sigma PC 22.13 Pulsmesser gut reduziert. Ein Schnapp also. Dann kann es also bald losgehen, mit der Leistungssteigerung.

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Im Unterschied zum Joggen muss ich aber eingestehen, dass mir andere körperliche Betätigungen gar nicht so leicht fallen. Fahrradfahren geht nur bei langsamer Geschwindigkeit und es muss eben sein. Leichte Anstiege schaffe ich nicht. Das Treppensteigen ist zwar besser geworden, aber bringt meinen Puls ganz schön schnell nach oben. Ich bin gespannt, ob sich das nach meinem neuen Trainingsplan irgendwann weiter bessert.

Im unteren Rücken schmerzt es wieder. Schwer heben oder länger sitzen, geht nicht und macht mir zu schaffen. Aber ich weiß ja: Das kommt vom Rückenmark, das fleißig die Leukos ranschafft, wie der Onkologe sagte.

Horror vor Klimaanlagen

Meine Leukozyten sind im übrigen diesmal bei 1.900. Ich freu mich so. Denn im ersten Zyklus zur gleichen Zeit (2. Woche) sah das ja ziemlich gefährlich aus. Da waren die bei 1.300 und meine Ärzte mega besorgt. Also bin ich zufrieden, auch wenn die Leukozyten immer noch unter Normwert liegen und ich auch weiterhin vorsichtig sein muss.

Wie sich zeigt, ist der Sommer gar nicht sooo gut für Menschen wie mich. Denn es gibt ein großes Problem: der Klimaanlagen-Terror. In nahezu jedem Geschäft sind die Dinger auf Kälte eingestellt. Da muss ich mich also warm anziehen, um mir keinen Zug zu holen. Außerdem verteilen die Anlagen Bakterien. Nicht gut. Ich komme mir schon vor wie meine Oma, die immer Angst davor hatte, sich was zu holen.

Im Außenbereich von Restaurants ist es aber auch nicht besser. Hier terrorisieren die Kettenraucher. Früher machte mir sowas ja gar nix aus. Jetzt aber, wo ich so auf meine Gesundheit achten muss bzw. darauf, gesund zu werden, ist mir das ein Graus.

Entschuldigen sie, ich habe Demenz

Ansonsten leide ich unter dem sogenannten Chemo-Brain. Ich kann mich nicht gut konzentrieren und ich vergesse jede Menge. Manchmal vergesse ich sogar, dass ich Dinge schon mal erzählt habe. Und in manchen Situationen fehlen mir auch die Worte – weil sie mir nicht einfallen. Beispiel für das Vergessen: Diese Woche habe ich ein Rezept für Physiotherapie vom 9. Mai gefunden und wusste nicht mehr, wer es mir gegeben hatte und warum. Die Erinnerung ist einfach weg.

Woran das genau liegt, wissen wohl noch nicht einmal die Krebsforscher. Daher gibt es auch noch kein Gegenmittel bzw. keine Therapie. Mich stört das zum Glück momentan nicht wirklich, da ich ja nicht arbeiten muss und mit dem Genesen zu tun habe.

Stell sich das mal einer vor: Ein Interview mit einem Politiker zum Beispiel. Das würde in einer Vollkatastrophe enden. Der Herr oder die Dame würden mich für beschränkt erklären. Oder eine Eilmeldug aufsetzen. Das würde wahrscheinlich eine Stunde dauern, bevor ich sie im System habe. Nein, nein, nein, bei der Hektik in der News-Redaktion – unvorstellbar.

Da nichts gegen die Chemo-Demenz hilft, muss ich mir eben alles akribisch notieren – Termine und To Dos zum Beispiel. Zu Multitasking bin ich auch nicht in der Lage. Ich mache daher alles der Reihe nach. Und das dauert – leider.

Was mich diese Woche noch beschäftigt ist dieser Ausschlag, den ich unter den Achseln bekommen habe. Wahrscheinlich eine Reaktion auf das Deo (ohne Aluminium) und den chemoverseuchten Schweiß. Der Arzt weiß es auch nicht so genau und hat mir eine Cortisonsalbe empfohlen. Ich habe es mit Zinksalbe versucht, die hilft aber nicht wirklich.

Und die Akne ist zurück. Hier aber hilft die Zinksalbe, so dass ich guter Dinge bin, dass die Pickel schnell wieder verschwinden.

Zum Schluss noch eine Wendung: Ich war immer Wassertrinker. Oh man, nun kann ich Wasser nicht mehr sehen. Und habe mir zum ersten Mal in meinem Leben eine Afri-Cola ohne Zucker gekauft. Es war ein Gedicht. Ich schwöre es. Und dabei habe ich Cola nie gemocht. Ein Beleg dafür, wie sich das mit dem Geschmacksinn und den eigenwilligen Gelüsten durch die Chemo so ändert. Fast, als wäre man schwanger…

Ansonsten aber geht es mir gut. Ich denke, es könnte alles noch viel schlimmer sein. Da ich krankgeschrieben bin, ist alles gut auszuhalten, ich kann entspannt damit umgehen. Und ich lasse mich nicht unterkriegen. Chaka!

Nebenwirkungen 8. Woche im Überblick

  • Akne
  • Ausschlag unter den Achseln
  • entzündetes Zahnfleisch
  • Chemo-Brain (Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche)
  • niedrige Leukozyt-Werte
  • Hitzewallungen
  • Wassereinlagerungen – vor allem in den Beinen
  • starker Pulsanstieg beim Treppensteigen und Fahrradfahren/ -schieben am Berg
  • Flatulenzen

 

 

 

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3 Gedanken zu “8. Chemo-Woche – hello Chemo-Brain

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