Ernährungsberatung für die Chemo-Zeit

Heute hatte ich einen Termin im Zentrum für Prävention, Ernährung und Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar für eine Ernährungsberatung. Das Gespräch mit der Expertin war sehr aufschlussreich und lieferte weitere Erkenntnisse.

Ketogene Ernährung

Ich habe mit der Expertin zunächst ausführlich über die ketogene Ernährung gesprochen. Auch sie verwies darauf, dass es dazu noch keine evidente Datenlage gibt. Daher empfohl sie mir, mich nach dem Teller-Prinzip zu ernähren. Und wie sich herausstellte, entspricht meine Ernährung bereits ihren Tipps.

Das Teller-Prinzip

Hauptsächlich soll ich etwa zu 50 Prozent Obst und Gemüse (mindesten 5 am Tag) essen, 25 Prozent Eiweiß und 25 Prozent Kohlehydrate – dann aber gute also komplexe Kohlenhydrate.

Das hat mir die Ernährungsberaterin auf einem Notizzettel verdeutlicht:

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Diesen Teller soll ich immer im Kopf behalten.

Schnell verfügbare Kohlenhydrate sind eher zu vermeiden. Ganz so restriktiv würde sie das aber nicht emfehlen. Essen soll auch Spaß machen und nicht stressen. Hin und wieder darf es dann auch mal ein Croissant vom Bäcker oder das Eis mit Zucker aus der Eisdiele sein.

Die Expertin empfielt außerdem täglich das Frühstück zu variieren. Vor allem am Morgen würden viele Patientinnen stets das Gleiche essen und weniger kreativ sein als beim Mittagessen oder Abendbrot.

Das heißt mal das Vollkornbrot mit einem Apfel, mal das Müsli mit Joghurt und Heidelbeeren. Je bunter und abwechslungsreicher es in der Woche wird, umso besser.  Denn je vielfältiger die Auswahl an Obst und Gemüse, desto besser für den Nährstoffhaushalt.

Bloß keine Nahrungsergänzungsmittel

Alle Nährstoffe, die der Körper braucht, sind nach Empfehlung der Expertin über die Nahrung aufzunehmen. Von Nahrungsergänzungsmitteln rät sie eindringlich ab. Der Grund: Die hochdosierten Präparate können ebenfalls Krebs auslösen. Dies verdeutlichte mir die Wissenschaftlerin an der sogenannten U-Kurve.

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Alles was an den Enden des Us liegt (links und rechts) – also zu wenige oder zu viele Nährstoffe -, sei schädlich.Nahrungsergänzungsmittel sind hochkonzentriert und liegen am einen Ende der Kurve.

Befolgt man aber die Empfehlungen nach dem Teller-Prinzip, befindet man sich laut der Expertin im Bereich dazwischen – also im Boden des Us bzw. der Talsohle der Kurve.

Es gibt allerdings noch einen Grund auf Ergänzungsmittel zu verzichten: Sie können die Chemo negativ beeinflussen. Da mir aufgrund meiner niedrigen Leukozyten von der Chemo-Schwester Orthomol empfohlen wurde, habe ich da auch gleich nachgefragt. Ich soll die Finger davon lassen. Es sei nachgewiesen worden, dass dieses Präparat nicht nur die gesunden Zellen schützt sondern auch die Krebszellen. Dennoch empfehle der Hersteller weiterhin Othomol bei der Chemo. Unfassbar!

Zum Glück habe ich das Mittel bis heute nicht angefasst.

Gewicht halten und Sport treiben

Was am Allerwichtigsten ist, so die Expertin: Gewicht halten. Während der Chemotherapie sei das noch wichtiger als sich an einen strikten Ernährungsplan zu halten. Sollte ich merken, dass ich abnehme, soll ich unbedingt Lebensmittel essen, die nährstoffreich und hochkalorisch sind. Auch zunehmen sei kontraproduktiv. Das müsse ich im Auge behalten indem ich mich jeden Tag wiege.

Wie gut, dass ich seit der Chemo weder zu- noch abnehme. Mit Ausnahme des zweiten und dritten Chemo-Tages. Da nehme ich immer ein bis zwei Kilo zu. Danach komme ich wieder auf mein Ausgangsgewicht. Das liegt an den Zytostatika, wie mir die Ernährunsgwissenschaftlerin versicherte.

Die Expertin verwies auch darauf, regelmäßig Sport zu treiben. Die Gründe, weshalb Bewegung so wesentlich ist, findet Ihr in meinem Blog über Sport während der Chemo.

Wenig Fleisch

Einen wichtigen Hinweis gab es noch zum Schluss: Hochverarbeitete Lebensmittel wie Wurst und Convinience-Produkte soll ich vermeiden. Es wird wohl angenommen, dass mit Salz haltbar gemachte Lebensmittel  eine Ursache für Krebs sein können. Auf gepökelte, gesalzte oder salzige Produkte soll ich demnach verzichten. Zum Glück bin ich kein Wurst-Liebhaber. Ich bevorzuge Käse und Brotaufstriche. Und auch Tiefkühl-Essen und -Pizza mag ich gar nicht.

Zudem steht rotes Fleisch im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Die Expertin empfielt deshalb höchstens 500 Gramm Fleisch in der Woche – aus dem Bioladen. Und auch hier muss ich sagen: Glück gehabt, ein Verzicht ist das für mich nicht. Denn meine Ernährung ist überwiegend vegetarisch.

Nach all dem Gerede übers Essen bin ich danach erst mal zum Bio-Bäcker und habe mir ein Stück Käsekuchen gegönnt. 😛

 

 

 

 

 

 

 

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