5. D-Day – Das erste Mal Taxol

Logbuch des Captains:

Nach 12 Wochen und 4 EC-Gaben habe ich jetzt Bergfest. Halbzeit. Und damit bin ich auch gleich in der Taxol-Galaxie angekommen. Gut vorbereitet war ich ja, um durch den Zytostatika-Nebel dahin zu kommen. Alle Medikamente wurden zuvor auf das Raumschiff gebeamt sowie die Schutzausrüstung für Hände und Füße. Die Crew (Organe, Zellen usw.) wurde von der Brücke aus informiert, dass der Captain das Schiff nun in unbekannte Welten manövriert. Hinein in die Taxol-Galaxie. (Mein Ritual vor jeder Chemo: Ich gehe in mich und spreche mit meinem Körper.)

Die Crew war also top vorbereitet und ich muss sagen, alle an Bord haben gut auf die neuen Umstände reagiert. Das Schiff dringt nun immer weiter vor ins Unbekannte. Bisher wurden wir noch mit keinen unbekannten Phänomenen, Lebensformen und Feinden konfrontiert. Es sind keine Verluste zu beklagen und auch keine Patienten bei Pille auf der Krankenstation.

Nur die Brücke hat etwas abbekommen. Im Kommunikationssystem hat sich ein Fehler eingeschlichen. Worte werden faslch übersetzt und vertauscht. Aber mein 1. Offizier Spock und Lt. Uhura sind schon an der Lösung des Problems…

Vielleicht hat mein Sprachzentrum ja unter dem gesamten Chemo-Tag gelitten. Ich war insgesamt 11,5 Stunden in der Klinik. Und das Beste daran: Mir hatte zuvor niemand gesagt, dass ich mindestens sieben Stunden am Tropf hängen werde und danach noch zwei Stunden zur Beobachtung bleiben muss. Ergo hatte ich auch nichts zu essen dabei. Da ich meine Freunde per Whatsapp-Gruppe auf dem Laufenden halte, hatte ich aber Glück im Unglück. Meine Pikria hat sich sofort bereit erklärt, mir etwas vorbeizubringen. Voll lieb. Sie wollte mich eigentlich mittags abholen, nun war sie als Lieferservice für mich am Start.

Warum so lange?

Das erste Mal ein Taxol verabreicht zu bekommen, ist wohl kein Kinderspiel. Es kann heftige allergische Reaktionen hervorrufen. Es war auch von Schüttelfrost, Kurzatmigkeit und Rückenschmerzen die Rede. Also lässt man das Paclitaxel langsam in den Port tropfen. Zudem habe ich auch das erste Mal Antikörper erhalten, was die Prozedur verlängert hat. Hinterher werden alle 30 Minuten die Vitalzeichen für etwa zwei Stunden überprüft. Dann entscheidet der Arzt, ob man nach Hause darf oder bleiben muss.

Zum Glück war alles bei mir in Ordnung. Hätte ich bleiben müssen, wäre ich schon arg sauer auf die Chemo-Schwestern und -Ärzte gewesen. Denn vorab etwas mehr Information zum Procedere und ich wäre auch auf diese Eventualität vorbereitet gewesen. Was mich noch mal dazu bringt hier anzumerken für alle Patientinnen: Fragen, fragen, fragen, nerven, nerven, nerven. Die Kommunikation in Krankenhäusern ist die Pest. Als Patient bitte immer mitdenken und lieber zu viel Fragen stellen, als zu wenige.

Etwas blöd fand ich dann auch, dass ich kein Abendessen in der Klinik bekommen habe – so wie die Patienten auf Station. Gut, dass ich noch etwas von Pikrias Essen übrig hatte.

Die Zeit vertrieben habe ich mir mit einem Malbuch für Erwachsene. Ich habe erst vor kurzem Gefallen daran gefunden und mir Wasserfarbenstifte gekauft. Das hat mich gut bei Laune gehalten. Denn das Buch ist schon irgendwie lustig. 🙂 Susanne meinte, ich muss da unbedingt noch etwas „Erwachsenes“ dazu malen. *hüstel hüstel

Beweisfotos will sie dann auch.

Etwas merkwürdig war es dann, als die letzte Patientin (vor mir) das Chemo-Zimmer verlassen hat und ich alleine da saß. Aber nicht lange. Meine Freundin Sandra D. stattete mir noch einen Kurzbesuch ab.IMG_0253

Pikria hat mich dann 20.3o Uhr abgeholt. Weil ich noch so Hunger hatte, haben wir einen kurzen Stop in einem Restaurant eingelegt. Gegen 22 Uhr war ich endlich daheim. Und dann nix wie ins Bett.

 

 

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6 Gedanken zu “5. D-Day – Das erste Mal Taxol

  1. glückwunsch zum bergfest 🎉🎉🎉
    das nenne ich mal lange… bei mir waren es immer 4 std… hatte aber auch nur pacli. alles gute weiterhin und das pille nach wie vor keine patienten bekommt. unbekannte phänomene und gedöns sollten dem captain bitte fernbleiben und den kurs des schiffes weiterhin nicht kreuzen 👍💪🍀

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  2. Was für ein langer Tag. 😳😱 Wahnsinn!!!
    Ich bin, wenn ich Anti-Körper-Therapie dazu gekomme, spätestens um 13:30 Uhr fertig.
    Ja klar… Die Chemo und die Anti-Körper-Therapie können Allergien hervorrufen. Das muss natürlich unter Beobachtung gehalten werden. Aber das der ganze Tag dafür drauf geht, ist schon heftig.
    Aber Hauptsache es geht dir gut und hast die Chemo gut vertragen…
    Du wirst sehen, die Zeit geht jetzt noch schneller vorbei… Weil du jetzt wöchentlich gehst. Ich selber hab nur noch 4x Taxol-Vergabe! Dann kann ich den nächsten Haken setzen! Du schaffst das!!! 💪💪💪🍀🍀🍀

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