6. D-Day – es eskaliert

Nach der letzten Chemo vor einer Woche war ich froh, dass ich mich diesmal auf einen kurzen Stint freuen konnte. Nur zwei Stunden Chemo plus etwa eine Stunde Wartezeit sollten es werden. Leider, leider weit gefehlt. Am Ende war ich fast sechs Stunden im Krankenhaus. Und alles nur, weil die in der Chemo die Termine für die Patienten nicht richtig abgestimmt haben. Ich musste geschlagene vier Stunden darauf warten, endlich das Taxol verabreicht zu bekommen.

Die Schwester meinte, die Wartezeit begründet sich dadaurch, dass am Morgen alles Patientinnen mit langer Chemo-Zeit drangekommen sind und dadurch kein Platz frei war. Also mal nachgerechnet: 8 Uhr beginnen die mit dem Prozedere. Wenn die alle lange Chemo-Läufe bekommen – bis 7 Stunden wie kann es dann sein, dass andere Patientinnen – wie ich – schon für 9:40 Uhr bestellt werden???

Ich war ja nicht die einzige, die so lange warten musste. Besonders bitter daran war, dass sie uns von Anfang an immer wieder gesagt haben, es dauere nur noch eine halbe Stunde. Das habe ich in den vier Stunden etwa vier mal gehört.

Bei dem schönen Wetter am Montag hätten sie doch auch allen sagen können: „Kommen Sie … Uhr wieder, dann ist ein Platz frei. Gehen sie inzwischen spazieren, setzen sie sich in ein Café, machen sie etwas Schönes …“ Aber so mussten wir alle in einem überfüllten, miefigen Wartezimmer Platz nehmen. Einem Wartezimmer, das so trostlos ist, wie die Blicke seiner Gäste.

Irgendwann fiel mir dann ein, dass meine Kühlhandschuhe wahrscheinlich nicht mehr kühl genug sein werden. Also suchte ich einen Kühlschrank mit TK-Fach. Gott sei Dank hatte die Station einen.

Ich eskaliere

Nach vier Stunden quälender Warterei habe ich Rabatz gemacht. Ganz ehrlich: So lange in so viele alte, traurige, der hoffnungslose Gesichter zu schauen, macht irgendwann richtig fertig. Das geht böse auf die Psyche. Meine gute Laune und mein Optimismus haben beide gleichzeitig die Flucht ergriffen. Ohne die beiden kam Panik in mir hoch. Also bin ich zur Schwester und habe nachgehakt – und auf die Tränendrüse gedrückt. Die Tränchen in den Augen waren aber echt. Ich hatte einfach keine Nerven mehr. Der Gedanke, schon wieder einen ganzen Tag da drinnen abzuhängen, hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Dann hat sie mich auf der Liste plötzlich blau markiert. 20 Minuten und einen Spaziergang im Freien später bekam ich dann endlich dieses blöde Taxol und nach zwei Stunden verließ ich dann fluchtartig dieses „Chemo-Gefängnis“. Zu blöd, dass ich am Dienstag da wieder hin muss – und durch den Feiertag am Montag wird das sicher wieder Chaos.

Gute Laune wo bist Du?

Die negativen Vibes vom Montag haben mir auch noch meine Laune am Dienstag versaut. Ist schon krass, wie das so nachhängt. So schlecht gelaunt war ich schon gefühlte hundert Jahre nicht mehr. Was wohl auch daran lag, dass ich mich sehr alleine gelassen gefühlt habe am Montag. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine kleine positive Geschichte gab es am D-Day aber auch: Eine ältere Dame sprach mich auf mein Styling an. Sie meinte, dass ich immer so toll und gesund aussehe. Wie ich das wohl machen würde? Als ich anfing, ihr ein paar von meinen Tricks zu verraten, gesellten sich mehrere Frauen mit ihren Männern zu uns. Man lobte auch den blauen Hut, den ich mal getragen hatte. Natürlich erzählte ich allen von der Hutparty und meinem Versprechen, alle geschenkten Kopfbedeckungen an den Chemo-Tagen zu tragen. Die Story fanden alle super – und ich fühlte mich wie ein kleiner Chemo-Star. 😉

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