Chemo und Sport – Zwischenbilanz

Sport während der Chemo wirkt sich diversen Studien zufolge positiv auf den Körper aus: Die Leistungsfähigkeit steigt, Müdigkeit und Antriebslosigkeit wird entgegengewirkt, allgemein werden die Nebenwirkungen der Chemo abgemildert.

Aus diesem Grund bin ich meinen sportlichen Aktivitäten (Joggen, Walken, Wandern, Krafttraining) konsequent nachgegangen und habe meine Trainingseinheiten aufgezeichnet.

Mein wöchentlicher Sportplan sieht wie folgt aus:

  • 3-4 mal Joggen/ Walken (Intervall)
  • 1 mal Krafttraining im Gesundheitszentrum
  • 1 mal Wandern/ langer Spaziergang
  • zusätzlich: 4 bis 5 mal wöchentlich mindestens 10.000 Schritte am Tag; mindestens 2 mal wöchentlich Fahrradfahren

Joggen/ Walken

Da die Chemo insbesondere Taxol und Antikörper auf die Gelenke und das Herz gehen, muss ich sehr auf meinen Puls achten. Das erlaubt daher Joggen nicht mehr am Stück. So dass ich im Intervall 45 bis 60 Minuten trainiere: Joggen bis zu einem Puls von 160, dann Walken. Walken bis der Puls auf 150 sinkt, dann wieder Joggen. Das funktioniert sehr gut. Ich nehme mir zusätzlich Wasser mit, da ich durch die Chemo noch durstiger bin als zuvor.

Krafttraining

Ich gehe wöchentlich in ein Gesundheitszentrum zum Krafttraining. Dort habe ich einen Personal Trainer, der mir die Übungen an meinen Ist-Zustand anpasst. Da ich meist sehr fit bin, sind die Übungen dann auch teils sehr anstrengend. Aber es tut gut, zu wissen, dass man noch etwas leisten kann. Den Muskelkater nehme ich gern in Kauf. Das Training ist zudem in eine Studie integriert. Hier geht es darum, wie sich das Training auf den Zustand bei Chemopatientinnen auswirkt.

Wandern/ lange Spaziergänge

Ich liebe die Berge. Seit Jahren zieht es mich immer wieder in die Alpen zum Wandern. Am liebsten sind mir Ganztagestouren mit Gipfelbesteigung. Die Chemo bzw. der Krebs sollte mir mein Hobby nicht vermiesen. So der Plan. Also habe ich mich diesen Sommer langsam vorangetastet.

Zuerst bin ich kleinere Touren gelaufen in der Nähe von Bergbahnen. Das ist mein Sicherheits-Backup. Hoch laufen, runter fahren. Manchmal ist das aber auch anders herum. Je nach Schwierigkeitsgrad. Beim Wandern habe ich immer den Puls im Blick.

Nachdem ich gemerkt habe, dass ich für die Berge fit bin, habe ich mich an größere Touren gewagt. Zuletzt – und da bin ich mega stolz auf mich – habe ich zwei Ganztagestouren im Salzburger Land gemeistert. Natürlich bin ich wie auch in gesunden Zeiten langsam gelaufen, habe viel Wasser getrunken – immer in kleinen Pausen von einer bis zwei Minuten, damit ich nicht stolpere beim Wassertrinken. So habe ich auch die Gipfel geschafft. Das war für meine Psyche enorm wichtig. Zu sehen, dass ich das schaffe, lässt mich bestärkt in die nächsten Chemo-Phasen aufbrechen – und macht mich stark für das, was da noch alles auf mich zukommt. Wenn ich Tagestouren mit Gipfel schaffe, dann schaffe ich alles!!!

Positiver Nebeneffekt: Nach jeder Wandertour in den Bergen sind meine Blutwerte top. Einmal habe ich in einer Woche die Leukozyten von 1.200 auf 4.700 hochgetrieben. Ich bin mir sicher, dass das am Wandern in den Bergen gelegen hat. Die Bewegung und die Höhenluft sind gut für Körper und Geist.

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Übrigens: Meine Ärzte haben mir fürs Wandern das Go gegeben. Das sei auch sehr gut fürs Hämoglobin wie mir die Onkologin bestätigte.

Mein Fazit

Sport bzw. körperliche Aktivitäten wirken sich äußerst positiv auf meinen Gesamtzustand (Körper und Psyche) aus. Im direkten Vergleich mit den anderen Patientinnen, die keinen Sport machen, muss ich annehmen, dass es mir ohne Bewegung an der frischen Luft und ohne Krafttraining erheblich schlechter gehen würde. Einige Patientinnen klagen, dass sie nur wenig gute Tage haben, an denen sie überhaupt aus dem Haus bzw. Bett kommen. Sie würden sich meist sehr schlapp fühlen. Manche berichten auch, sie können kaum richtig schlafen.

Sport kann natürlich auch bei mir die eine oder andere Nebenwirkung nicht aufhalten, aber die „Wehwehchen“ lassen sich mit Bewegung, viel frischer Luft gut ertragen und mit Medikamenten in den Griff bekommen.

Was die Hauptnebenwirkungen betrifft (Müdigkeit und Antriebslosigkeit) kann ich festhalten: Am Morgen bin ich fit und ausgeruht, am Mittag/ Nachmittag kommt ein Müdigkeitsflash, selten zwei. Da ich zu dieser Zeit meist zuhause bin, mache ich einen Powernap. Danach geht es mir wieder gut. Da ich weiß, dass ich ab Mittag etwas damit zu kämpfen habe, achte ich darauf, meine sportlichen Aktivitäten und Termine bei Ärzten und in Behandlungszentren möglichst früh in den Tag zu legen.

Was die Denkleistung betrifft, habe ich leider keine Vergleiche. Alle klagen über das sogenannte Chemobrain. Mich hat es ebenfalls heimgesucht. Wobei ich feststelle, dass sich das mit der Chemodemenz am Ende der Chemowoche immer etwas legt und ich mich besser an Dinge erinnern kann. Da ich aber jede Woche Chemo bekomme, ist das dann aber schnell wieder obsolet.


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