Post-Chemo-Zeit – die ersten 3 Wochen

Ich bin ein Chemo-Survivor. Am 19. Oktober habe ich die letzte Chemo-Gabe bekommen. Finito, vorbei, Ende, aus. Darüber habe ich mich riesig gefreut, und ich habe das Chemo-Ende ordentlich zelebriert – mit Zertifikat und einem gediegenen Essen mit meinen Freunden.

Doch mit den Chemo-Nebenwirkungen ist noch lange nicht vorbei. Gut, darauf hatte ich mich eingestellt, denn ich habe ja immer noch das Gift in mir (noch ca. bis zu 6 Wochen nach der letzten Gabe). Doch am Ende holten mich dann doch so ein paar fiese Dinge ein, die ich nicht auf der Liste hatte.

Chemo-Schmerzen

Meine Beine und meine Knie schmerzen, also die Muskeln. Sicher durch das eingelagerte Wasser. Also bekomme ich gerade Physiotherapie. Gott, wie das gut tut. Das ist wirklich ein Segen. Damit sich das über den Tag bessert, gehe ich viel Laufen. Entweder joggen oder ich mache einen laaaaangen Spaziergang. Egal wie das Wetter gerade ist. (Blick nach draußen: Heute wird es ungemütlich. Oh je.)

Auch schmerzt mir mein unterer Rücken. Nun schon seit etwa zwei Wochen. Hauptsächlich tut es auf der rechten Seite weh. Da ich am Freitag voll Panik bekommen habe, es könnten vielleicht Knochenmetastasen sein (Fabi! Finger weg vom Dr. Internet), habe ich meine Onkologin angerufen. Sie hat mich ein wenig beruhigt. Denn die Chemo hätte sicher auch die Metastasen, wenn da welche gewesen wären, kleiner gemacht. Und ich hatte ja zu Beginn der Chemo keine Schmerzen. Damit wäre die Wahrscheinlichkeit für Metastasen gering.

So weit hergeholt war meine Vermutung allerdings nicht. Denn im Staging war das untere Becken sehr auffällig. Die Ärztin hatte im April gemeint, das wären Verschleißerscheinungen. Vor allem mein Steißbein betreffend. Da bin ich beim Skifahren draufgefallen – im März.

Was mir diese Geschichte jetzt allerdings ganz klar vor Augen geführt hat, ist, dass die Angst mich mein Leben lang begleiten wird. Die Angst vor einem Rezidiv. Die Angst vor Metastasen – in Knochen, Leber, Lunge. Jeder Nachsorgetermin wird zum „kurz mal in den Abgrund schauen“. Wie belastend.

Also muss ich schauen, wie ich das aushalten kann. Am Freitag bin ich lange spazieren gewesen und weil auf dem Weg eine Kirche lag, bin ich kurzerhand rein. Ich bin nicht religiös, schon gar nicht getauft. Aber ich habe gebetet. Wie mir Helga hinterher erklärte, dann wohl eher um etwas gebeten. Denn ich saß vor einer Maria-Statue. (Und Maria bittet man wohl …)

Und ja, ich hab einfach gebeten, dass ich wieder gesund werde und ein langes, krebsfreies Leben führen werde. Danach habe ich eine Kerze angezündet und bin weiter. Es hat mir wirklich etwas die Angst genommen. Und wenn das ein Weg ist, damit umzugehen, why not?

Noch mal zu den Chemo-Nebenwirkungen: Meine Arme fühlen sich auch immer schwer an, manchmal denke ich, ich habe einen Muskelkater. Dazu kommt eine Müdigkeit, wie ich sie die ganze Chemo-Zeit über nicht hatte. Offenbar will der Körper jetzt auch endlich mal runterfahren. Er weiß, die Chemo ist vorbei, er braucht nicht mehr so stark sein. Die Luft ist jetzt raus.

Ich hatte ja mal erwähnt, dass ich vor jeder Runde mit ihm gesprochen, meinen Organen, Zellen usw. gesagt habe, sie müssen stark sein. Das hört sich bekloppt an, aber irgendwie wird man schon so was wie esoterisch. Wobei ich das lieber mit der Quanten-Theorie erkläre. Ich bin also quantotärisch und quantel 😉

Und wenn’s hilft…

Chemo-Akne geht weg

Es gibt auch Positives zu berichten. Diese blöde Chemo-Akne gehört fast der Vergangenheit an. Ich habe nur noch hier und da einen Mini-Pickel. Das Hautbild hat sich deutlich verbessert. Auch scheint mein Gesicht nicht mehr ganz so aufgedunsen zu sein. Zum Ende hin hat das Kortison mich schon ziemlich gezeichnet. Zumindest auf Bildern sieht man das ganz deutlich.

Und ich habe wieder etwas zugenommen. Zwei Kilo. Falls ich mich für OP 2 entscheide, wäre das von Vorteil. 😉

FullSizeRender.jpgWas meine Haare betrifft. Die waren teilweise schon bei zwei Zentimetern. Die ersten Haare sind noch während der Chemo wieder gewachsen – im August. Sie waren ganz weich und wuschelig. Aber ich hab sie nochmal abschneiden lassen, damit alles einheitlich wächst. An manchen Stellen bin ich nämlich noch kahl. Das wird hoffentlich auch bald der Vergangenheit angehören. Ich habe mir schon Plantur besorgt … und werde berichten.

Post-Nebenwirkungen im Überblick

  • Muskelschmerzen
  • Knieschmerzen (stark)
  • taube Zehen
  • Rückenschmerzen (stark)
  • schwere Arme
  • Müdigkeit

Positives

  • Akne verschwindet
  • kein tägliches Nasenbluten mehr nach ca. 1,5 Wochen nach letzter Gabe
  • einige Haare wachsen wieder
  • Gesicht weniger aufgedunsen
  • weniger Durchfall

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