Der OP-Termin steht

Die Entscheidung ist endlich gefallen. Ich lasse mich brusterhaltend operieren. Anfang Dezember ist es soweit.

Die letzten zwei Wochen waren geprägt von Arztterminen und Zweifeln. Je mehr Meinungen man sich einholt, desto mehr Auswahl hat man und am Ende die Qual der Wahl. So abgedroschen sich das auch anhören mag. Zu einer Entscheidung zu kommen, ist wie ein Odyssee.

Die Entscheidungsfindung

Zunächst hatte ich ja berichtet, dass ich schon bei Chirurg 1 (brusterhaltend) und dann bei Chirurg 2 (Mastektomie) war. Danach sprach ich mit meiner Gynäkologin, die mit Chirurg 2 ging und mir zu Mastektomie riet.

Im Anschluss daran sprach ich mit meiner Ärztin aus der Klinik, die meinte, Amputation mache bei meinem Therapieerfolg keinen Sinn. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich im MRT eine Totalremission habe. Die Chemo hat Knötchen den Garaus gemacht. Laut Bildgebung hat es sich verabschiedet.

Deswegen können die Ärzte jetzt ohne Probleme brusterhaltend operieren – in den neuen Tumorgrenzen, wie es so schön heißt. Das bedeutet: Es wird nur ganz wenig Gewebe entfernt plus ein bis drei Lymphknoten. Danach wird das entnommene Gewebe pathologisch untersucht, um zu sehen, ob wirklich keine Krebszellen mehr vorhanden sind.

Auch Chirurg 3 und 4 einer exzellenten Klinik in München, würden brusterhaltend operieren. Das war dann meine dritte chirurgische Einschätzung. Ich bin total angetan von dieser Klinik. Die Ärzte dort sind sehr sorgfältig und emphatisch. Ich wurde sofort zur Untersuchung zum Radiologen geschickt. Dort wurde ein Sono von der gesamten Brust gemacht plus eine Mammographie von meiner betroffenen linken.

Die Sache mit dem Mikrokalk

Interessanterweise ergab sich daraus noch mal eine zusätzliche Empfehlung. Ich habe noch Mikrokalk in der Nähe des ehemaligen Tumorbettes. Dieser solle entfernt werden. Warum hat das an meiner Klinik niemand gesagt? Und warum haben die keine Mammographie gemacht?

Gute Fragen, die ich dann am folgenden Tag Chirurg 5 von meiner Klinik stellen konnte. Er meinte, dass das nicht unbedingt nötig, da Mikrokalk nicht gefährlich sei. In vielen Fällen habe er nichts mit Krebs zu tun und in meinem Fall sei er offenbar nur das Nebenprodukt des Krebses. Das heißt Chirurg 5 zufolge bildet sich in einigen Fällen Kalk, wenn Krebs entsteht. Mmmh, zwei Radiologen meinten zu mir, dass erst aus Mikrokalk Krebs entsteht. Das war deshalb in meinem Kopf so abgespeichert.

Was denn nun? Daheim habe ich dann recherchiert. Sogar Artikel bei vertrauenswürdigen Medien wie dem NDR postulieren, dass aus Mikrokalk Krebs entsteht. Doch wenig später habe ich auf einer Uni-Seite dann gelesen, wie genau der Kalk entsteht – nämlich so, wie Chirurg 5 mir erklärte. Er ist offenbar ein Neben- also Abfallprodukt. Entfernen will er ihn aber trotzdem. Übrigens: Dass der Kalk noch da ist, sei nicht dramatisch. Durch die Chemo könne er nicht verschwinden, weil es nunmal Kalk sei und sich nicht um lebende Zellen handelt.

Ich hatte nun also zwei Entscheidungen zu treffen: Wie wird operiert und wo? Dafür habe ich mir eine Excel-Tabelle gemacht, und darin alles vergleichend notiert: Operationsart, Rezidiv, Überlebenschancen, Reoperationsrate, Chirurg, Bewertungen Klinik, Bewertungen Arzt etc. pp.

Keine Amputation

Relativ schnell habe ich mich dann gegen Mastektomie und somit Klinik 2 entschieden. Zum einen, weil immer noch amputiert werden kann und zum anderen es in meinem Tumor-Fall keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Mortalität gibt. Die Überlebenschancen sind nahezu gleich hoch. Was das Rezidiv betrifft, ist das interessant: Bei Mastekomie heißt es einer Studie zufolge: 36 Prozent in den ersten drei Jahren, danach sinkt das Risiko erheblich. Welche Art von Tumor da untersucht wurde, habe ich nicht herausgefunden. Man müsste sich die Studie im Detail ansehen. So viel Zeit wollte ich dann auch nicht damit verbringen. Meine Aufmerksamkeit- bzw. Konzentrationsspanne ist immer noch sehr niedrig.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist, dass es sich bei Mastektomie um eine weitaus größere und kompliziertere Operation handelt. Das Trauma wäre größer, ebenso muss man mit mehr Komplikationen rechnen. Dann soll noch die Brustwarze entfernt und neu gebaut werden und die andere Seite angepasst. Zu viel Geschnippel und zu viel für meinen Kopf.

Operationsmethode versus Top-Klinik

In welchem Krankenhaus und von welchem Arzt ich mich dann operieren lasse, war eine weitaus kompliziertere Sache. Bis zu letzt lag Klinik 3 mit Chirurg 4 ganz vorne. In fast allen Bereichen war sie klarer Sieger nach Punkten. Pflege, Sorgfalt, Personal …

Im Bereich Bewertung Chirurg lagen beide gleichauf. Mit Chirurg 1 und 4 (meine präferierten Ärzte) hat München, so wie ich es recherchiert habe, zwei erstklassige Operateure im Bereich Brust und Brustkrebs. Und ich fühle mich bei beiden gut aufgehoben. Danach zu entscheiden, hätte also wenig Sinn gemacht.

Einzig ausschlaggebend für meine Entscheidung war am Ende ein Punkt, der alle Pluspunkte von Klinik 3 obsolet gemacht hat: der Schnellschnitt. Denn der wird in Klinik 1 gemacht. Nicht per se, aber in meinem Fall und im Vergleich der von mir ausgewählten Kliniken.

Der Schnellschnitt

Worum handelt es sich? Mittels Schnellschnitt wird noch während der OP entnommenes Gewebe auf Tumorzellen untersucht. So kann der Chirurg beurteilen, ob noch mehr Gewebe entfernt werden muss oder nicht. Dafür wird das Gewebe im Schnellverfahren gefroren, in Scheiben geschnitten und pathologisch untersucht.

Klinik 3 operiert nach den Leitlinien S3 für Mammakarzinom. Darin heißt es, dass „die intraoperative Dignitätsfestlegung durch Schnellschnitt (…) nur ausnahmsweise erfolgen“ soll. „Voraussetzungen für einen Schnellschnitt an Operationspräparaten der Mamma sind: die Läsion ist intraoperativ und im Präparat palpabel, die Läsion ist groß genug (im Allgemeinen > 10 mm).“

Kurz: In meinem Fall muss das nicht gemacht werden. Deshalb würde in Klinik 3 kein Schnellschnitt gemacht. In Klinik 1 hingegen gehört das wohl zum Standardprogramm. Meine Freundin, die sich sehr gut mit den Kosten von Krebstherapien auskennt, weil sie beruflich damit zu tun hat, meinte, dass Kassenpatientinnen generell keinen Schnellschnitt erhalten. Nur Privatpatienten. Deshalb sei die Argumentation nach den Leitlinien zu operieren das eine, zu wissen, dass da möglicherweise auch finanzielle Gründe eine Rolle spielen, das andere.

Letztendlich nehme ich mit meiner Entscheidung für Klinik 1 auch in Kauf, dass der Aufenthalt auf Station vielleicht nicht so berauschend sein wird: Toiletten auf dem Gang,  eventuell Dreibettzimmer und Besuche von der Großfamilie der Bettnachbarin. Und hier übertreibe ich nicht. Alles dort  auf Station schon gesehen und erlebt. Und: 2013 habe ich mich aufgrund von Massenbesuch in meinem Zimmer von Station des Hals-Kopf-Zentrums selbiger Klinik selbst entlassen. Mein Körper schrie nach der OP nach Ruhe und das musste ich ihm geben …


Meine Punkte für den Klinik-Arzt-Vergleich im Überblick

  • OP-Empfehlung
  • Risiko Rezidiv
  • Chancen auf Heilung
  • Reoperations-Raten
  • Umfang/Größe des Eingriffs
  • OP-Schnitt wie?
  • Schnellschnitt ja/nein
  • Was wird entfernt?
  • Vorbereitung
  • Dauer OP
  • Dauer Aufenthalt
  • Genesungs-Zeit
  • Optisch Nachbessern möglich/ nötig?
  • Wie nachbessern?
  • Zusatzkosten
  • Nachsorge
  • Bestrahlung ja/nein
  • Sorgfalt Ärzte
  • Qualität Beratung Chirurg
  • externe Bewertung Chirurg
  • externe Bewertung Klinik

  • Eigene Bewertung:

  • Gesamtzufriedenheit
  • Verwaltung u. Abläufe
  • Ausstattung
  • Personal

9 Gedanken zu “Der OP-Termin steht

  1. Am schlimmsten finde ich dann diese Unsicherheit! Ich finde, Du machst das großartig, dafür braucht man verdammt viel Kraft, all diese Einzelheiten zu bedenken und abzuwägen. Ich habe mich dem verweigert und alles „meinem Professor“ in die Hände gelegt. Mir war das wirklich zu viel. Von daher: Hut ab!
    Ich wünsche Dir das allerbeste!!
    ToiToiToi für die OP!!

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  2. Alles Gute für Deine OP und ich drücke Dir ganz fest die Daumen! UUUND aus Erfahrung: die Schwestern auf Station 4/2 sind zwar auch oft überlastet aber sie versuchen immer freundlich, nett und hilfsbereit zu sein (zumindest die meisten :))

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  3. Auf der Suche im Netz, in welche Klinik ich gehen soll, bin ich auf diesen Blog gestoßen. Bei mir wurde im Dezember 2016 Brustkrebs diagnostiziert. Das Schlimme ist, je mehr Meinungen man sich einholt, desto unsicherer.
    Darf ich fragen, in welcher Klinik Du warst?

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    1. Ich schicke Dir später eine PN. Generell muss man sagen, dass wir in München wirklich super Ärzte haben. Aber ich weiß, dass man bei so einer Diagnose wirklich nichts unversucht lassen möchte und sich richtig entscheiden will. Das ist ein Prozess und jeder findet seinen Weg. Bestimmt.

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  4. Hallo, bei meiner Frau steht auch in circa 3 Monaten die OP in München an und es wird langsam Zeit sich nach einem Chirurgen umzusehen. Falls Du deine „Chirurgenliste“ noch hast, dürfte ich Dich bitten Sie mir zu übermitteln, vielleicht per Email an marcm@gmx.eu?

    Das wäre superlieb. Danke und VG

    Marc

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  5. Mir wurde von einem Prof, Chef eines der größten und renomiertesten Brustzentren in einer dt Großstadt gesagt: „Schnellschnitt macht nach Chemo keinen Sinn, weil da nur einzelne Restzellen übrig sind und man die bei dem Verfahren nicht sieht“, und das obwohl im MRT noch ein 2cm großer Resttumor sichtbar ist.

    Und andere Kliniken machen das standardmäßig? Will der uns verarschen?

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