D-Day – Der Tag der OP

Am 2. Dezember war es so weit. Ich wurde operiert. Dafür wurden im Vorfeld der Wächterlymphknoten, Clip und Mikrokalk markiert. Die Verfahren sind nichts für schwache Nerven.

Warten auf Godot

Nun gut. Eine Schwester hatte mir den Floh ins Ohr gesetzt, ich müsse bis 14 Uhr operiert werden, weil sonst keiner mehr im M.-Zentrum sei, um das entnommene Gewebe auf Kalk zu untersuchen.

Was den OP-Termin betraf, war ich bis dato mega gechillt. Klar, man möchte, dass es dann irgendwann auch losgeht. Aber mit diesem „Wissen“ saß ich nun in meinem Bett wie auf heißen Kohlen.

Das Kopfkino ging an und ich dachte: Bitte lass‘ mich das alles nicht für umsonst gemacht haben. Also wartete ich zusammen mit meinen Freundinnen. Und wartete. Die Zeit verging: 9 Uhr, 10 Uhr, 11 Uhr, 12 Uhr … Mein Hirn rechnete hoch: OP dauert so etwa 1,5 Stunden. Tick, tack …

Es geht los – oder doch nicht?

12.30 Uhr wurde ich endlich zur OP geholt. Zunächst war das eine Erleichterung. Ich hatte seit Donnerstag 20 Uhr nichts gegessen, seit Mitternacht nichts getrunken. Eine Qual. Ich habe es fast nicht mehr ausgehalten.

Doch dann stand ich noch gut eine ganze Stunde in einem Nebenraum des OP und musste warten. Offenbar gab es mehrere Notfälle (Kaiserschnitte).

Der Pfleger stellte mein Bett direkt vor einen Schrank, den ich dann die ganze Zeit anstarren durfte.

Ein Anästhesist kam irgendwann zu mir und wir unterhielten uns. Er sagte mir, dass die Schwester Mist erzählt hat. Der OP – also der Chirurg – habe das letzte Wort. Und wenn es Verzögerungen gebe, dann müssten die im Zentrum eben warten. Mmh, selbst kam mir dieser Gedanke auch. Doch diese Frau meinte ja auch, dass sie keine Überstunden machen dürfen und 14 Uhr gehen.

Drei Zugänge für die OP

Nun gut. Ich war beruhigt und so legte mir der nette Anästhesist an meiner linken Hand einen Zugang. Das tat höllisch weh. Wie sich später im OP herausstellte, hatte der Gute ihn falsch gelegt. Er funktionierte nicht und schmerzte so sehr, dass mir die Tränen liefen. Also legte seine Kollegin einen neuen Zugang am Arm. Später, während ich schon in Narkose war, hat man es sich wohl anders überlegt. Nach dem Aufwachen hatte ich einen dritten Zugang an der rechten Hand. Tsss…

Nachdem der Tag so mega mies begonnen hatte und ich mit schmerzender Hand 13.30 Uhr auf dem OP-Tisch lag, dachte ich: Bitte lass jetzt wenigstens alles andere gutgehen. So eine Pechsträhne sollte bitte mit dem nicht funktionierenden Zugang erledigt sein. Lange konnte ich diesen Gedanken nicht denken. Ich schlief ein.

Im Kopf Beethoven

„Sie müssen aufwachen. Atmen sie. Atmen sie.“ Wie in Trance versuchte ich statt zu atmen, zu reden. Weil mir das noch nicht gelang, versuchte ich es dann doch mit atmen. Dann kam ein erstes Wort heraus: „Sentinel“. „Alles gut, wir haben nur einen entnommen“, sagte eine Ärztin. „Kalk?“, fragte ich. „Auch der ist raus“, hörte ich die Stimme.

So langsam kam ich immer mehr zu Bewusstsein. „Warum wecken sie mich denn? Ich habe so schön geträumt“, lallte ich auf dem OP-Tisch. „Was haben sie denn geträumt?“, hörte ich die gleiche Frauenstimme. „Von Beethoven und Für Elise.“ Hach, ja das ist schön. „Spielen sie denn Klavier?“, wurde ich gefragt. „Ja. Und jetzt auch Für Elise.“ LoL

Meine Freundin, die Pianistin, hat sich über diese Anekdote doch sehr gefreut. Sie gibt mir seit meiner Erkrankung Klavierunterricht. Offenbar mit Erfolg. 😉

OP gut verlaufen

Interessanterweise kann ich mich über die Zeit im Aufwachraum nicht mehr erinnern. Erinnerungen habe ich erst wieder, als ich meine Freundin sah, die in meinem Zimmer wartete. War schön, ein vertrautes Gesicht zu sehen. Und das Beste: Ich hatte das Zweibettzimmer für mich ganz allein.

Am Nachmittag kam noch die Assistenzärztin aus dem OP und sprach mit mir über das Ergebnis. Aber das kannte ich ja schon. Die Wunde sah gut aus und so ließ man mich wieder allein.

Am Abend sollte ich noch aus dem Bett und mich bewegen. Das alles aber nur mit Hilfe einer Schwester. Das war ganz schön anstrengend. Anstrengender als einen Gipfel im Eiltempo zu besteigen. (Anmerkung: Ich weiß, wovon ich rede. ;))

Die Drainage wurde noch geleert, meine Werte gemessen und dann hieß es: schlafen.

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4 Gedanken zu “D-Day – Der Tag der OP

  1. Ach je, da hast ja vor der OP echt einiges mitgemacht!Ich hoffe, dass zumindest Dein restlicher Aufenthalt gut war u Du auch mit dem kosmetischen Ergebnis zufrieden bist!
    Drück Dir die Daumen,dass alles schnell heilt u Du die Bestrahlung (die bekommst noch, oder? ) gut verträgst. Bei mir ham Quarkumschläge u grüner Tee gut geholfen.
    Im bayerischen Fernsehen gabs letztens einen Beitrag zum KoKoNat am RDI, den hätt ich gern vor meiner Bestrahlung gesehen.

    Lg und gute Besserung!

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