AHB – Die Therapien beginnen

Am Montag ging es endlich los mit den ganzen Therapien. Aber nicht bevor ich mit dem Chefarzt noch mal alles gründlich besprochen hatte. Mein neuer Stundenplan sieht jetzt gut aus: Sport, Sport, Sport und ganz viel Physio. So habe ich es mir gewünscht. Und Blut wird mir doch keins abgenommen. Wir hatten ja den Fall, dass es an der Hand nicht geklappt hat.

Nach der Visite war ich dann noch zur Ernährungsberatung. Und da ist mir ein Licht aufgegangen. Weil die Beraterin wirklich sehr kompetent ist.

Zu viel Wasser im Körper

Ich habe ihr von einer interessanten Beobachtung erzählt und sie hat eine gute Erklärung dafür gefunden. Also, es ist so, dass seit Bestrahlungsende mein Gewicht schwankt. Ich muss extrem aufpassen, was ich esse. Die Tendenz ist eher nach oben. Und zwar ein ganzes Kilo pro Tag. Gut, dass ich seit Jahren mein Gewicht täglich tracke. Das heißt, ich bemerke Unstimmigkeiten sofort und kann gleich schauen, was ich alles gegessen und gemacht habe – oder auch nicht gemacht habe. Faulenzen fällt da gleich auf, ebenso zu viele Süßigkeiten. 😉

Doch daran kann es diesmal einfach nicht liegen. Ich esse gesund und ich gehe viel. Was ich jedoch festellen konnte, ist, dass ich bei Milchkonsum (im Kaffee; drei Tassen täglich) und Brot am Abend, ein ganzes Kilo zunehme. Lasse ich es weg, dann geht das Gewicht wieder runter – um ein Kilo.

Die Expertin meinte, dass das Wasser sein kann, das der Körper einlagert. Und das könnte mit einem erhöhten Natrium-Wert im Blut zusammenhängen. Milch und vor allem Brot enthalten Natrium.

Wir haben dann weiter festgestellt, dass meine Leber schwer zu schaffen hat, um alles wieder ins Lot zu bringen. Sie muss gerade mega viel entgiften. Und durch den fehlenden Sport in den letzten drei Monaten ist mein Stoffwechsel sowieso im Eimer. Meine Ruheenergie liegt bei gerade einmal 1100 kcal. Oh man. Die war einmal bei 1600. Dazu kommen 500 bis 600 kcal an Aktivenergie. Was gut ist, sonst würde ich inzwischen viele Kilos mehr auf den Rippen haben..

Mehr als 1600 bis 1700 kcal sollte ich also erst mal nicht essen, denke ich mir. Schritt für Schritt ein bisschen mehr.

Okay, da ist also noch viel zu tun, um alles wieder ins Reine zu bringen. Keine Kohlehydrate am Abend, keine Milch. Leber entgiften mit bitteren Lebensmitteln (Chicorée, Rosenkohl … und Salbeitee). Und im Sport wieder auf ein gutes Level kommen.

Nach so vielen Infos war ich dann am Montag gleich noch in Isny einkaufen. Bio-Lebensmittel für meine Ernährungsumstellung. Ich bin natürlich hingelaufen und auch wieder zurück. So habe ich gestern mein Pensum an Aktivenergie super geschafft. Am Abend gab es nur Salat, Frischkäse und frischen Bio-Bergkäse aus Isny. Das Brot ließ ich weg und nahm stattdessen Knäcke. Auch Kohlenhydrate, aber mit viel weniger BE.

Ran an den Speck

Ab Dienstag bin ich im Sporthimmel. Das ging morgens 9 Uhr los und ging bis Mittag. Die Therapeuten sind nett und es macht Spaß. Auf dem Programm standen Bewegungstherapie, Spiel (Badminton) und Krafttraining. Dann noch Lymphdrainage und am Nachmittag geht’s noch mal zum Spazieren.

Illegales Rollatorrennen

Mit den Tischherren ist es übrigens immer lustig. Gestern habe ich ihnen erzählt, dass wenn nicht langsam mal junges Gemüse auftaucht, ich mir die Haare grau färbe und ein Rollator schnappe. Ich will ja nicht auffallen und mich anpassen. Und dass wir dann ein Rollatorrennen veranstalten könnten. Das sorgte für herzhafte Lacher.

Da meinte der älteste am Tisch (Ü70) ganz trocken, dass wir beim illegalen Rennen aber aufpassen müssen vor der Klinikpolizei. Und wir bräuchten noch Grid Girls meinte der andere. Ich musste so lachen. Stellt Euch mal die Golden Girls als Grid Girls vor. *breitgrins*

Und ich habe noch zwei weitere sehr schöne Geschichten im Sack. Montagfrüh kam ein älterer, sehr gut gekleideter Herr (volles Haar und Nickelbrille) zu mir an den Tisch (ich war alleine). Er meinte, dass ich eine tolle Sozialkompetenz habe. Er habe beobachtet, wie ich mit den Männern an meinem Tisch umgehe.

Außerdem fragte er, ob ich Journalistin sei (hat er sicher gehört). Wir unterhielten uns kurz und auch am Dienstagmorgen setzte er sich wieder zu mir. Wir plauderten über Journalismus und seine Studentenzeit an der Berliner Uni bei Professor Emil Dovifat. Hach ist das lange her, dass ich etwas mit Journalismustheorie zu tun hatte. Aber es war ganz erfrischend, mit dem alten Herren darüber zu reden. Eine wirklich tolle Begegnung.

Außerdem lernte ich heute zwei junge Frauen kennen. Beide in den Zwanzigern. Sie waren ganz erschrocken, als ich ihnen sagte, wie alt ich schon bin. Geschätzt hatten sie mich auf 25 und 29. 😀

Alles in allem also zwei wunderbare erste Klinik-Tage. Was will man mehr?


2 Gedanken zu “AHB – Die Therapien beginnen

  1. Danke sehr für diesen Blog, den ich in den letzten Wochen etwas als Wegweiser benutzt habe. Eine gelungene Idee. Nur eines irritiert mich sehr. Wie hast du es geschafft, während der gesamten Chemo zusätzlich Physio zu bekommen? Mein Hausarzt war nur zu 6 Einheiten Krankengymnastik bereit. Die nutze ich zur besseren Anleitung Physio. Danach mache ich über mein normales Abo weiter. In einer Woche habe ich die zweite Chemo. Läuft parallel wie bei dir. Ob ich die ähnlich verkrafte wie die letzte?

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