AHB – und jetzt erst einmal krank

Ach man, die Woche hatte so gut angefangen. Toller Sport und gute Behandlungen. Doch weil hier jeder herumhustet, bin ich nun krank geworden. Eine blöde Erkältung hat mich  heimgesucht. Am Donnerstag hatte ich den Braten schon gerochen und nur den halben Tag Therapien gemacht. Den Rest des Tages lag ich im Bett und habe mich ausgeruht. Dazu nahm ich Zink, ACC und Ibuprofen. Alles vom Arzt abgesegnet. Doch seit gestern Abend ist es dann doch durchgekommen. Halsweh und laufende Nase.

Alles niest und hustet

In der Klinik gibt es zwar strenge Hygienevorschriften. Aber nicht alle halten sich daran. Zudem bringt das auch wenig, wenn man in der Gruppe sportelt und sich dort auch die Erkältungs-Kranken aufhalten.

Ich bin etwas traurig deswegen. Zum einen hatte ich in den ganzen letzten zehn Monaten keinen einzigen Infekt – und das trotz teils niedriger Leukos. Zum anderen habe ich am Mittwoch mein Jogging-Training wieder aufgenommen. Und dank des Trainers lief das fantastisch. Die Trainer hier sind übrigens super. Ich bin total begeistert.

Ich war so happy, dass Joggen diesmal ohne Schmerzen ging. Aber mit Infekt lass‘ ich das erst einmal besser sein. Nicht übertreiben und schon gar nicht in meiner Situation. Das fällt mir schwer. Nicht mehr so sehr, wie vor meiner Erkrankung, aber es ist schon ärgerlich.

Tolle Menschen um mich herum

Das ist auch schon das Einzige worüber es zu Jammern gibt. Meine „Jungs“ und ich haben immer witzige Tischgespräche. Wir lachen viel. Zudem gesellt sich beim Frühstück oft der ältere Herr vom Nachbartisch zu mir. Wir reden hauptsächlich über historische Ereignisse, auch der neuesten Geschichte.

Der Mann ist 81 Jahre alt und noch ziemlich fit im Kopf. Er hatte ein sehr schönes Leben und spricht mit einer wahnsinns Gelassenheit über seine Erkrankung Darmkrebs. In seinem Alter und mit so einem wunderbaren Leben kann ich das sehr gut verstehen.

Ein anderer älterer Herr erkundigte sich bei meinem Tischnachbarn nach meinem Familienstand. Ob ich verheiratet sei. LoL Mal sehen, ob ich hier noch einen Heiratsantrag bekomme. Dinge Solls ja geben …

Mamma-Gruppe – ich will eigentlich fliehen

Am Donnerstag habe ich es endlich gewagt, mich unter die Mamma-Patientinnen zu begeben. Aber wie ich vermutet habe: Dort waren nur jammernde, alte Frauen, die ganz in ihrem Selbstmitleid aufgehen. Die Sekundärerkrankung. Die wird hier äußerst oft zelebriert.

Da der Kurs aber sehr gut ist – also die Trainerin – gehe ich da wieder hin. Ich höre einfach nicht hin, wenn über alles gemeckert und geschimpft wird. Ich frage mich, wie das Personal das aushält? Offenbar mit viel Humor. Die Reaktionen der Trainerin sind jedenfalls immer sehr lustig.

Am Tag, sofern es reinpasst, unternehme ich mit den jungen Leuten (U30). Walken, nach Iszny laufen, ratschen u.v.m. Wir sind nur eine handvoll. Und alle haben sich hier wunderbar in dieses Hundertjährigen-Lager integriert. Das finde ich klasse. Abgrenzung hat noch niemandem geholfen.

Gemütslage – positive Lebenseinstellung bewahren

Über eine Sache musste ich ein bisschen nachdenken. Hier gibt es eine Frau, die sich zu uns setzte und meinte, sie sei froh, dass sie als junge Frau nicht so allein hier ist. Wir schauten uns alle an und sagten nichts. Denn die Dame hätten wir locker auf 49 oder älter geschätzt. Ich denke, das lag vor allem an ihrer Art und weniger am Aussehen. Sie ist sehr verbittert, streng und fährt einem über den Mund. Sie schimpft viel über ihr Schicksal. Etwas jugendliches oder junges hat sie sich leider nicht bewahrt.

Als sie mein Alter erfuhr, sagte sie nichts. Da änderte ich meine Meinung und schätzte sie insgeheim auf mein Alter. Normalerweise bekomme ich nämlich immer erstaunte Gesichter und ungläubige Blicke. Dank meiner feschen Kurzhaarmähne sehe ich noch mal jünger aus. Was nicht immer vom Vorteil ist. Was so ein Haarschnitt doch ausmacht… Sie ist übrigens 41, also nicht viel älter als ich. Und sie hatte keine Chemo!

Ich habe nachgedacht und überlegt, welchen Einfluss eine positive Lebenseinstellung haben kann. Nicht nur auf einen selbst sondern vor allem auf andere. Und da dachte ich an meine Helga, die 54 Jahre alt ist und so jung und frisch rüberkommt, dass sogar die wesentlich jüngeren Männer auf sie fliegen. Klar, sie hat vielleicht ein paar Fältchen mehr als die 41-Jährige, aber ihre fröhliche Art macht das alles wett. Ich hoffe, ich kann mir das auch so behalten. Trotz der Erkrankung und was da alles noch auf mich zukommen mag.

Ich habe mir geschworen, so weiter zu machen wie bisher: Jeden schönen Moment genießen, nicht so viel über manchen Mist jammern und nach vorne blicken. Nicht unbedingt, weil ich dadurch jünger wirken will (okay, vielleicht auch ein bisschen), nein, weil es das Leben einfach lebenswerter macht und man mit viel mehr Menschen in Kontakt kommt, als anders herum. Ich habe es ja selbst gemerkt. Diese Dame ist mir so unsympathisch, dass ich mich möglichst fernhalte von ihr. Wie mag es da anderen mit ihr gehen?

Klar, Jammern muss auch mal sein. Aber in kleinen und wenigen Dosen. Und dafür habe ich meine Psycho-Onkologin. 😉

Ach und zum Vergleich: Hier gibt es eine Ü30-Jährige. Eine Ärztin. Sie hat ein Lymphknotenkrebs und eine furchtbare Chemotherapie hinter sich. Die Arme hat mega viel gelitten unter den Zytostatika. Dennoch hat sie so eine tolle Aura und jammert kein bisschen. Ich hätte noch Stunden mit ihr reden können.

Wie unterschiedlich das alles ist. Und das bestätigt so ein bisschen meine Theorie: Je schlimmer der Krebs und/ oder die Therapie desto positiver der Patient. Ist das nicht merkwürdig?

So, heute ist Samstag. Das Wetter ist toll, der See ruft. Ich mache also einen kleinen Ausflug in den Süden. Zum Mittag habe ich mich abgemeldet und Caro weiß Bescheid. Vorher wird noch mal kurz ein Shopping-Stop eingelegt (oh man, ich wollte doch Geld sparen) und dann das schöne Wetter genossen. So, bis später dann und habt ein schönes Wochenende.

 

 


4 Gedanken zu “AHB – und jetzt erst einmal krank

  1. Liebe Fabi – das klingt doch alles schon sehr gut und freut mich sehr, das du dich so gut eingewöhnt hast! Was anderes, habe ich auch nicht erwartet!
    Gute Besserung mit der Erkältung! Ich denk an dich, Susl

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  2. Gute Besserung – und tolle Statements – halte Dich fern von negativem bzw. ignoriere die entsprechenden Menschen; das habe ich vor fünf Jahren auch getan, als ich in der Reha nach einer Rücken-OP war. Halte Dich an die, die das Leben wertschätzen und positiv denken.

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  3. Gute Besserung!
    Es gibt ein Buch, was sie mit der eigenen Einstellung und Krankheiten beschäftigt. „Gesundheit für Körper und Seele“ von Louise Hay. Sie geht davon aus, dass jeder entsprechend seiner Lebenseinstellung die „passende“ Krankheit bekommt. Schnupfen? Du hast die Nase voll! Tatsächlich bekomme ich oft Schnupfen, wenn ich unter Stress stehe. Frag mal die Meckertante, ob sie Diabetes hat -> sie hat nichts Süßes im Leben, ist verbittert.
    Leider habe ich das Buch gerade nicht vorliegen, sonst würde ich mal nachschauen, ob was zu Krebserkrankungen drin steht.

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