Schädigt die Chemo das Gehirn?

Viele Brustkrebspatientinnen, die eine Chemotherapie erhalten, klagen über kognitive Beeinträchtigungen: Wortfindungstörungen, Erinnerungslücken, schlechte Reaktionsfähigkeiten. Bisher vermuteten Mediziner, dass die Zytostatika für das sogenannte Chemobrain verantwortlich sind. Münchner Forscher legen einen anderen Verdacht nahe.

Brustkrebspatientinnen kennen es, das sogenannte Chemobrain. Worte fehlen, Dinge werden vergessen, die Orientierung fällt schwer. Bisher vermuteten Mediziner, dass die Zytostatika (Chemo-Medikamente) für die kognitiven Ausfälle verantwortlich sind. Der Begriff Chemobrain etablierte sich.

Forscher aus München hatten einen ganz anderen Verdacht und untersuchten das Phänomen in einer Längsschnittstudie. Ihre These: Posttraumatischer Stress soll die Störungen verursachen.

„Eine Krebserkrankung kann als Trauma erlebt werden. Deshalb war es naheliegend, die Hypothese aufzustellen, dass kognitive Auffälligkeiten bei Krebspatientinnen eine Folge von posttraumatischer Stressbelastung sind“, erklärt Dr. Kerstin Hermelink vom Brustzentrum der LMU. „Es ist gut nachgewiesen, dass posttraumatischer Stress – nicht zu verwechseln mit normalem Alltagsstress – tief in die Arbeitsweise des Gehirns eingreift“, so die Leiterin der Studie weiter.

Die Studie

An der Studie der Münchner Forscher nahmen 226 Frauen mehrerer Kliniken in und um München teil. Bei 166 war Brustkrebs neu diagnostiziert worden. Einige erhielten Chemotherapie, andere nicht. Bei 60 Frauen (Kontrollgruppe) hatte eine Routineuntersuchung der Brust keinen Verdacht auf Krebs ergeben. Alle Teilnehmerinnen wurden innerhalb eines Jahres drei mal mit neuro­psycho­logischen Verfahren umfangreich untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im Journal of the National Cancer Institute 2017 veröffentlicht.

Keine großen Unterschiede

Es zeigte sich, dass der Unterschied der kognitiven Auffälligkeiten bei Patientinnen mit und ohne Chemotherapie ein Jahr nach Diagnosenstellung minimal ist. Das Ergebnis unterstützt damit die These der Forscher. Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnten die Wissenschaftler zudem eine „leichte, gerade noch nachweisbare Abnahme ihrer Testleistungen“ nachweisen. Auffällig: Die Patientinnen machten bereits vor Therapiebeginn als auch ein Jahr später mehr Fehler. Und je mehr die Betroffenen ihre Krankheit als Trauma erlebten, desto stärker waren die kognitiven Auffälligkeiten.

Nur einen wesentlichen Unterschied gab es dann doch. Chemo-Patientinnen zeigten Monate nach Abschluss der Therapie etwas längere Reaktionszeiten bei einem Computertest. Der Unterschied sei minimal. Hermelink vermutet, dass dies mit einer periphere Neuropathie zutun haben könnte. Dabei handelt es sich um eine Schädigung der Fingernerven durch bestimmte Zytostatika.

Posttraumatische-Stress-Hypothese bestätigt

Fazit: Hermelink und Kollegen konnten in ihrer Studie nachweisen, dass kognitive Störungen bei Brustkrebspatientinnen auf psychologische Faktoren zurückzuführen sind. „Unser Gehirn ist keine Maschine, die immer gleich funktioniert, sondern es verändert seine Funktionsweise und auch seine Struktur ständig in Abhängigkeit von dem, was wir tun und erleben“, so Hermelink.

„Es wäre sonderbar, wenn all das, was eine Krebserkrankung an Folgen für die Psyche und an Eingriffen in das Leben mit sich bringt, spurlos am Gehirn und den kognitiven Funktionen vorübergehen würde. In unserer Studie haben wir uns auf die Effekte von posttraumatischem Stress beschränkt, aber auch Schlaflosigkeit, unter der viele Krebspatientinnen leiden, eine berufliche Auszeit, Angst, Depressivität und andere Faktoren könnten an der Verursachung der kognitiven Beeinträchtigungen beteiligt sein. In der Forschung zu kognitiven Störungen bei Krebspatienten sind solche Faktoren bisher vernachlässigt worden. Wenn überhaupt, sind sie nur mit Screening-Fragebogen erfasst worden – angesichts der subtilen kognitiven Auffälligkeiten, um die es hier geht, ist das viel zu ungenau.“

Die Ergebnisse der Studie seien zugleich eine gute Nachricht: Chemo-Patientinnen müssten nicht damit rechnen, durch die Zytostatika zwangsläufig eine Schädigung ihrer Hirnleistung zu erleiden.

Foto: Fotolia/ BillionPhotos.com

10 Gedanken zu “Schädigt die Chemo das Gehirn?

  1. Vor ziemlich genau 10 Jahren bekam ich die Diagnose Brustkrebs und eine wirklich heftige Chemo mit 42 Jahren. Und seither ist nichts mehr wie es war! Mein Kopf ist wie ausgeleert, kann mir nichts mehr merken. Erschöpft als hätte ich eine zweistündige Mathearbeit hinter mit oder einen Australienflug ohne Schlaf, so fühle ich mich bereits am Morgen. Ich war in den letzten 10 Jahren 2 x abends aus, denn so etwas kostet mich zuviel Energie dass ich danach tagelang nur noch heulen muss.
    Ach ja, dies sei kein Chemobrain!? -nur ein bisschen Diagnosestress…

    Und dann rechts VALE47 die postet, wie gut gelaunt sie 2016 Brustkrebs bekam …oh da freuen wir uns mit ihr.
    Oder all die lachenden hübschen Ladys hier die ihre glatzköpfige Schönheit präsentieren und meinen sie könnten positive Vorbilder sein.

    Jährlich sterben 17.000 Frauen an Brustkrebs und dies geschieht nicht von heute auf morgen, zuvor müssen sie sich noch von lebenslustigen Trendy-Krebserinnen sagen lassen wo es lang geht.

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    1. Zunächst einmal tut es mir leid, dass Du Brustkrebs hattest und unter den Folgen leidest. Nun zu Deinen Vorwürfen. Der Artikel über die Studie ist lediglich eine Nachricht, dass es die Studie gibt und dass die Mediziner ihre Hypothese bestätigt sehen. Welche Zytostatika die Frauen bekommen haben im Vergleich zu Dir, steht auf einem anderen Blatt Papier. Du sagtest ja, es ist 10 Jahre her. Das heißt vllt., dass Du ganz andere Medikamente bekommen hast. Und die Krebsforschung hat in den letzten Jahren einen Quantensprung gemacht.

      Nun dazu, dass ich gut gelaunt Brustkrebs bekam. Wie kommst Du darauf? Hast Du meinen ganzen Blog gelesen? Wäre es so, dann wüsstest Du, dass das eine Behauptung ist, die sich nicht aufrecht halten lässt. Was ich allerdings gemacht habe, ist mich zu entscheiden, wie ich mein Schicksal annehme und damit umgehe. Ich habe den positiven Weg gewählt. Weil niemand weiß, wann das Leben vorbei ist. Weil ich meine Zeit, die mir bleibt, so schön gestalten will, wie es mir mit der Krankheit möglich ist. Und weil ich immer schon ein lebensbejahender Mensch war. Sollen wir „glatzköpfigen Schönheiten“ – wie Du es nennst – uns unserem Schicksal ergeben? Sollen wir hadern mit allem? Sollen wir jeden Tag traurig sein und uns von Schmerz, Übelkeit und Haarausfall den Tag versauen lassen? Sollen wir Deiner Meinung nach unsere Krankheit ausleben?

      Ich finde es sehr anmaßend, Frauen wie uns diesen Vorwurf zu machen und zu haten. Du kannst gerne Deine Meinung haben, aber Du musst unsere Blogs nicht lesen, wenn es Dir so zu wider ist. Ich habe auch nie gesagt, dass ich Vorbild sein will. Es ist mein Blog, mein Tagebuch. Für meine Freunde vor allem, denen ich nicht ständig erklären will, wie es mir geht, welche neuen Erkenntnisse die Ärzte haben. Und es ist ein Blog für Frauen, die genauso schockiert sind, wie ich es war, wenn sie die Diagnose erhalten. Er soll zeigen, wie schwer der Weg sein kann, aber auch, dass die Therapien heutzutage gut zu meistern sein können.

      Es ist mein Weg, der zeigt, dass mit einer Diagnose Krebs das Leben plötzlich nicht aufhört, schön zu sein. Und ja, es sterben viele Frauen. Aber in Folge der Therapien – und nein, nicht am Brustkrebs selbst. Für Dich und Deinen Weg wünsche ich Dir trotzdem nur das Beste. Krebs ist sch… und ihn sollte man als Feindbild sehen.

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    2. Liebe Daniela Cr.

      Trendy-Krebserinnen? Glatzköpfige Schönheiten?

      Ich weiß nicht, ob du diesen Blog wirklich gelesen hast, oder du dir nur ein Bild gemacht hast, ausgehend von diesem Post hier. Vielleicht solltest du erst mal mehrere Posts lesen, um zu versehen.

      Ich selber bin ebenfalls letztes Jahr an Brustkrebs erkrankt. Und Ja, es ist keine schöne Zeit, zugegeben, die Tage an denen es einem nicht gut geht, sind schon nicht ohne.
      Aber die Medizin von heute ist grundlegend eine andere, als vor 10 Jahren. Und es kommt viel, sehr viel, auf die innere Einstellung an. Lebe ich zurückgezogen und geb ich mich der Krankheit hin, oder akzeptier ich sie, und kämpfe und versuche die guten Tage zu genießen und mache das beste daraus. Das ist meiner Meinung die bessere Wahl. So habe ich es auch gehalten. Dennoch jeder auf seine Art und Weise.

      Wir schreiben hier einen Blog… unsere Geschichte… als Tagebuch für uns nieder… um sie zu verarbeiten… um anderen VIELLEICHT zu zeigen, wie man es machen KANN, aber nicht MUSS. Verurteile das doch nicht. Es ist eine gute Sache, für uns und vielleicht andere betroffene Frauen.

      Es ist jedem überlassen wie er mit dieser Krankheit umgeht. Aber verurteilen würde ich es nie. Denn jeder Mensch ist anders, und geht auch anders damit um.

      Auch wenn deine Beschwerden heute immer noch anhalten, was ich sehr traurig finde, kannst du ja vielleicht doch was positives daraus ziehen… DU LEBST…

      Liebe Grüße
      Mary

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  2. Ich teile Deine Lebensanschauung Vale47. Man sollte immer positiv in die Zukunft schauen.

    Vor zwei Jahren bekam ich die Diagnose Angiosarkom im linken Unterschenkel, ein Jahr später wurde in meiner linken Brust ein kleiner Tumor gefunden, letztes Jahr dann vier neue Sarkome im linken Arm und gerade ganz aktuell Verdacht auf ein neues Sarkom im rechten Arm.

    Ich habe diverse Operationen, Bestrahlungen und eine Chemo hinter mir. Zwar blieben mir meine Haare erhalten, aber Nebenwirkungen hatte ich mehr als genug. Seit der großen Operation am linken Bein habe ich kein Gefühl im gesamten Unterschenkel. Mühsam musste ich wieder Laufen lernen. Doch auch dabei war ich (meistens) fröhlich und habe mich mit ganz viel Elan dieser Herausforderung gestellt.

    Während der Behandlungen und danach habe ich einige andere Patientinnen kennengelernt, die mich und meine Einstellung nicht verstanden und mich regelrecht angefeindet haben. Am Anfang hat mich das schockiert, mittlerweile kann ich damit leben.

    Ich denke mir, jeder findet seinen eigenen Weg, mit der Erkrankung umzugehen und fertig zu werden. Auch bei mir gibt es schlechte Tage. Aber, wenn ich immer deprimiert in einer „Ecke“ sitzen und aufgeben würde, wäre mir damit auch nicht geholfen. Es gibt ja ein Leben neben dem Krebs und das sollte so schön wie möglich sein!

    Dein Weg ist meiner Ansicht nach genau der richtige!

    Ganz herzliche Grüße
    Early50

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  3. Ich verstehe diese Anfeindungen auch ehrlich gesagt nicht. Niemand läuft hier mit einem erhobenen Zeigefinger herum und will irgendwen bekehren. Niemand feiert den Krebs als wäre er ein Hauptgewinn. Wahrscheinlich ist das der Frust, der sich irgendwo auch immer entladen muss. Dir wünsche ich alles Gute, weiterhin ganz viel Kraft und viele schön Tage.

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  4. Es ist schade, dass sie das so sieht. Aber ich schätze mal, dass sie mehr verbittert ist, darüber, wie ihr Zustand jetzt immer noch ist, statt froh zu sein, dass sie lebt. Könnte mir vorstellen, dass ihr genau das den Lebensmut genommen hat und daher die Dinge „etwas anders“ sieht. Jeder von uns hat seine schwachen Momente, sein Leiden, seine Wehwehchen. An jedem Tag. Mal mehr mal weniger.
    Aber ich würde niemanden anfeinden, der anders denkt, oder anders damit umgeht. Das finde ich sehr schade.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag… Lass dich nicht runterziehen von solchen Kommentaren, aber so wie ich dich einschätze, machst du das auch nicht!!!
    Genieße den schönen Tag!!!

    Lieben Gruß
    Mary

    Gefällt 1 Person

  5. Es ist absolut unangemessen von Daniela Cr solch einen Kommentar auf einer Plattform zu verbreiten, die anderen Betroffenen Mut und Kraft spenden soll und gegenüber der Bloggerin, welche mit so viel positiver Energie uns Leser immer wieder begeistert, eine riesengroße Frechheit und total respektlos. Da muss man sich doch ernsthaft fragen, was denn mit manchen Leuten nicht in Ordnung ist. Natürlich ist es nicht schön, wenn man nach zehn Jahren Chemo immer noch arge Probleme hat, tut mir wirklich sehr leid. Jedoch rechtfertigt das nicht, aus Frust der eigenen Situation andere positive Kämpferinnen als „Trendy Krebserin“ abfällig zu bezeichnen. Was soll das?! Neid?! Frust?! Depression?!
    Fabi, ich finde dich hammermäßig. Mache bitte weiter so und lassse dich von solchen pessimistischen Menschen nicht ärgern, für viele bist du ein Vorbild und so soll es auch bleiben.
    Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft,

    LG Claudi

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