Tagträume – Parallel-Universen

Ich tue es, wenn ich in den Bergdörfern der hocherhabenen, mit Schnee bedeckten Berge bin. Auch auf Reha, wenn ich durch die Straßen des pittoresken Städtchens Isny schlendere. Ich mache es, wenn ich im wunderschönen München durch die Straßen spaziere. Ich tagträume. Ich male mir ein zweites Leben und ein drittes aus. Alternativen, die mir gut gefallen würden. Parallel-Universen.

Ich schaue mir die Stadthäuser an und frage mich, wer wohl in dem schicken Altbau wohnt. Dann stelle ich mir vor, wie es wäre, wieder in so einer schönen großen Wohnung zu leben. Mit hohen stuckverzierten Decken, den charmanten Fensterbögen. Ich träume mich hinein, in eine heile Welt voller Platz und Leben. Ich hätte eine Familie, mindestens eine Katze – das ist klar. An Freitagen käme Besuch. Es würde gekocht und Wein serviert.  An Samstagen ginge es mit Anhang zum Bummeln in die Stadt, am Sonntag würde gemütlich auf dem Sofa gekuschelt.

Bin ich auf dem Land oder in kleineren Städten, dann frage ich mich, wer wohl in den mit Bäumen und Büschen gesäumten Häusern wohnt, die ich mir im Leben nie leisten könnte. Die mit Garten und einer Garage. Familien, ältere Menschen, Tagträumer wie ich? Was wäre meine Alternativgeschichte? Ich wäre eine Schriftstellerin. Definitiv. Eine, die den Tag am Schreibtisch vor dem Fenster verbringt mit Blick in den dicht bewachsenen Garten. Ich würde die Amseln beobachten, die hin und wieder vorbeischauten und meine Katze, die fasziniert die Vögel mit den Augen verfolgen würde.

Ich wäre jemand, der Bücher schreibt. Bücher, die die Menschen berühren. Auch Kochbücher wären unter meinen Werken. Weil ich es nicht sein lassen könnte, fleißig Rezepte zu entwickeln mit frischen Kräutern aus dem eigenen Garten, mit Bio-Gemüse vom Händler nebenan. In dieser Vorstellung habe ich keine Kinder, nur einen Mann und eine Katze.

Was sagen diese Tagträume über mich aus? Dass ich mein jetziges Leben nicht wertschätze? Oh doch, das tue ich. Ich bin dankbar für jeden Tag auf dieser Welt, in meiner Welt. Denn sie ist reich mit Leben, mit Liebe und Wertschätzung. Mir stehen trotz der Krankheit viele Möglichkeiten offen. Ich liebe meine kleine Wohnung, die ich so wunderbar eingerichtet habe. Glücklich bin ich über die tolle Wohnlage und die Möglichkeiten, die sich bieten. Joggen, Ausgehen, Shoppen … Nur ein bisschen weniger steinig dürfte das alles manchmal sein.

Dennoch, da ist eine Sehnsucht. Eine nach dem Hintersichlassen. Nach dem Hineintauchen in eine neue Lebenswelt. Nach einem Cut. Nach einer krebsfreien Welt. Es ist wie mit meinem alten Schlafzimmer, das ich entsorgt habe, weil es mich zu sehr an das letzte Jahr erinnert hat. Weil es zu sehr Krankenzimmer war.

Deshalb gefallen mir Alternativleben momentan sehr. Variante eins ist insofern ausgeschlossen, als dass ich keine Kinder mehr bekommen kann. Und in München sind große Altbauwohnungen nicht zu bezahlen. Schon gar nicht als Single mit einem Durchschnittsgehalt. Variante zwei träume ich schon lange. Seit meiner Zeit im Raum Frankfurt. Das mag daran liegen, dass ich am Stadtrand in einem Drei-Familienhaus mit großem Garten lebte und ein Fenster in den Garten vor meinem Schreibtisch lange Zeit genoss. Ich fand das immer sehr schön. Damals wäre das realisierbar gewesen. Mit Partner und doppeltem Einkommen. Ich habe den Zeitpunkt wohl versäumt.

Realistisch ist dieser Traum momentan nicht. Alleinstehend. Wie soll das gehen? Und in München sowieso nicht finanzierbar. Und selbst wenn, würde ich aus Prinzip nicht so viel Geld an die Gier verfüttern. Doch wer weiß, ich habe diesen Traum ja noch nie richtig verfolgt. Vielleicht verkauft ja irgendwann mal jemand zu Preisen, die auch ich mir leisten kann … Utopisch? Ja. Aber es gibt ja auch nichts, was es nicht gibt. So ist das mit dem Leben. Universum, ich bestell‘ dann mal Variante 2 bitte! *LoL*

P.S: Ich habe Lotto gespielt. 🙂

 

 

 


3 Gedanken zu “Tagträume – Parallel-Universen

  1. Das ist die Sehnsucht sich endlich Wünsche zu erfüllen. Mir geht es ähnlich. Den Wunsch nach einem kleinen Hof mit Tieren und ein paar Nutzpflanzen für den Eigenbedarf…eine große Wohnküche….und, und…ich halte daran fest und ich erfülle mir diesen Wunsch…irgendwann! Ich kann deine Tagträume nachvollziehen.

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  2. Ich habe gelernt, dass Tagträume die Sinne erweitern, ich tagträume so gerne, und daraus erwächst immer irgendwas. Und wenn ich mal Zeit habe, dann „wandere“ ich mit Google Earth über die Erde und besonders über die Meere und dann scrolle ich runter und finde Inseln mit wenigen Einwohnern (Edinburgh of the Seven Seas ist so eine) und da gibt es die Bildchen und die schaue ich mir an und dann finde ich Menschen und dann stelle ich mir vor, ich lebte da, wie es wohl wäre, morgens aufzuwachen…

    Sehnsucht ist wie ein kleiner Motor. Er treibt mich an.
    Liebste Grüße aus dem verträumten… äh… Neanderthal 😉

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  3. Tagträume sind was schönes…
    Ich weiß genau, was du meinst… mit dem Hintersichlassen. Und das ist gerade so schwierig. Aber irgendwann schaffen wir auch das.
    Ich wünsche dir, dass du deine Träume irgendwann verwirklichen kannst.

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