Männer in meinem Leben?

Der Krebs hat mich zu einem Neutrum gemacht. Zu etwas, dass sich vom Liebesleben abgewandt hat. Für das letzte Jahr war es richtig und wichtig. Denn ich wollte mich voll und ganz auf mich konzentrieren. Darauf, den Krebs zu bekämpfen und vor allem hieß es, kein Stress in Liebesdingen.

Ein ganzes Jahr ohne Mann in meinem Leben war gar nicht so schlecht. Aber jetzt will ich irgendwie nicht mehr ohne. Ich bin noch jung, habe wieder Haare und finde jeden Tag etwas mehr zurück ins nun ja normale Leben. Also hatte ich Dates. Zwei Dates.

Ein netter Kerl und ein Egomane

Das erste war wirklich schön. Wir gingen ins Kino und danach noch in ein Restaurant. Ich habe mich wirklich gut mit Kay verstanden. Wir redeten viel und er war sehr sympathisch. Ein guter Kerl. Das war es dann aber auch. Mehr wollte ich nicht. Mich mal wieder mit einem Mann treffen, unterhalten und mich wie eine Frau fühlen. Und wie das bei solchen Blinddates ist, man merkt sofort, ob man noch Interesse hat oder nicht. Ich hatte keines mehr. Vielleicht schade für Kay. Wer weiß das schon. Dennoch verbuche ich diesen Abend unter schön. Weil ich den Menschen Kay doch gerne mag.

Mein zweites Date war weniger schön. Ich hatte fiese Halsschmerzen. Zum Glück trafen wir uns am Nachmittag. Ich trank einen Tee und sagte fast kein Wort. Dafür sprach er um so mehr. Und wie. Ein Wasserfall ist nichts dagegen. Vornehmlich sprach er nur über sich. Er erzählte von seinen sportlichen Rennradambitionen, seinem Job und davon, warum er keine feste Beziehung hatte in den letzten Jahren. Mich fragte er nichts. Er wollte nichts wissen.

Dann erklärte er auch noch, dass er seine einzige feste Freundin, die er wirklich einmal hatte, vier Jahre lang betrogen hat. Bitte? Okay, ich musste heim. Von solchen Typen halte ich nichts und ich hatte auch keinen Nerv für so einen Mist. Dafür ist mir meine Zeit viel zu kostbar. Netterweise hat er mich heimgefahren.

Nie wieder meat market

Nach nur zwei Dates hatte ich schon keine Lust mehr. Soll ich mich wirklich wieder in diese Singlewelt stürzen? Dieses oberflächliche Monster, in der Haarlänge, Körpergröße und Brüste gecheckt werden. Nein, das ist mir zu anstrengend. Und die Männer in meinem Alter oder etwas älter … Entweder sie schieben eine nach der anderen von der Bettkante, sind selbstverliebt oder sie rennen einem nach, als gäbe es kein Morgen. Ausgenommen Kay. Ja, es gibt auch anständige Kerle.

Und ich muss zugeben, man ist schnell gefangen in diesem Spiel und spielt mit, weil es nicht anders funktioniert. Ich habe den Singlemarkt damals schon gehasst. Diese bornierte oberflächliche Welt. Ich habe mich fremdgeschämt für Mädels in meinem Alter, die so rollig waren und sich den Männern nur so feilgeboten. Perlen vor die Säue.

Oh ja, ich kann Geschichten erzählen etwa von einer notgeilen ehemaligen Freundin, die es nicht aushielt und einen 15 Jahre jüngeren Schweizer, den sie nur vom Chat her kannte, nachts in ihre Wohnung lies. Und sich dafür auf der Silvesterfeier meiner besten Freundin zum Vollhonk machte. Fremdschämalarm! Es kann ja jeder halten, wie er mag. Aber erst so tun, als wäre man der Anstand und Miss Konservativ in Person und dann so abzudrehen, das ist schon großes Kino. Oder die Mädels, die auf Afterwork im nackten Kleidchen ihre Hintern an noch so jedem Prollo-Typen reiben, der gerade auf der Bildfläche erscheint. Oder die Kerle, die sofort zugrapschen, wenn man in ihrer Nähe ist. Ohrfeigen – die habe verteilt. Oh ja.

Nein, das will ich nicht. Keine meat market Shows, keine Battle mit aufgedrehten Hühnern, keine ONS-versauten Kerle. Noch dazu möchte ich auch kein Gehirnkino. Das angeht, wenn man doch mal einen kennenlernt, den man gut findet. Ich will nichts interpretieren müssen, keine noch so kleine Geste. Ich will keine Sätze mit Freundinnen zerpflücken, Wörter auf die Goldwaage legen. Ich will das alles nicht. Ergo bin ich noch nicht soweit. Oder ich war es doch nie.

Aber ich will mich verlieben. Diese Schmetterlinge im Bauch spüren. Das volle Programm eben. Meine Zeit will ich nur noch mit schönen Dingen gestalten.

Und die Beziehung die ich gerade selbst mit mir selbst führe, ist glücklich. Ich bin ein glücklicher Single. Und der Mann der es vielleicht einmal schafft, mit mir in eine ménage à trois einzugehen, den will ich sehen. 😀

Wo sind die Kumpels?

Aber ich brauche auch Buddies in meinem Leben. So wie früher. Ich hatte immer Kumpels um mich rum. Seit ich in München lebe eher nicht. Hier sind sie rar. Eine fast ausgestorbene Spezies. Vielleicht, weil sie Freundinnen haben, vielleicht weil die Typen gleich denken, man will was von ihnen. Ja, das stimmt. Freundschaft etwa. Aber die Männer hier können sich das wohl nicht vorstellen, dass eine Frau nur Freundschaft will. Oder dass sie gerade nichts will, außer im hier und jetzt zu leben und nicht an Morgen zu denken. Dass sie Dinge fragt, ohne großen Hintergrund. Es stimmt ja auch, viele Mädels denken immer gleich einen oder zwei Schritte weiter.

Also reaktivierte ich meinen Kino-Verabredungen mit Stefan. Oh nein. Wartet, das ist so nicht wahr. Stefan reaktivierte unsere Kinoabende. Jeden Dienstag ist Kinodienstag. Und Stefan und ich gingen früher wirklich regelmäßig ins Kino. Dann war fast zwei Jahre Funkstille. Er ist mit BMW verheiratet. Sein Job frisst die ganze Zeit. Aber jetzt, vor ein paar Wochen meldete er sich zurück aus dem Arbeitssumpf. Und wie schön. Es macht Spaß. Wir zwei in der letzten Reihe, die Flasche Bier (jetzt alkoholfrei) und die Tüte Chips in den Händen. Wir mit unseren Brillen auf den Nasen. 🙂

Und dann traf ich mich mit Alex. Ich lernte ihn am Tag meiner Diagnose kennen. Also fast vor einem Jahr. Damals war ich wirklich fertig mit der Welt. Am Boden zerstört. Er schaffte es, mich an diesem Tag zum Lachen zu bringen. Und das stundenlang. Damals wollten wir uns wiedersehen. Doch ich hatte den Kontakt abgebrochen. Zu viel Unbekanntes lag vor mir und ich hatte ihm nichts von meiner Erkrankung erzählt.

Nun, wo es mir langsam besser geht, schrieb ich ihn an, was im Prinzip reiner Zufall war. Ich checkte meine WhatsApp-Liste und da war er plötzlich wieder. Und ich erinnerte mich, wie lustig es mit ihm war und dass wir beide ein gemeinsames Hobby haben: MotoGP. Schwer zu finden, solche Jungs.

Wir trafen uns und es war einfach wieder genauso lustig. Er ist echt ein feiner Kerl. Anständig, nicht verkopft und witzig. Wieder vergaß ich meine Krankheit und hatte Spaß. Wir lachten viel und machten Sprüche. Ich mag ihn und vielleicht trifft man sich mal öfters in Minga.

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Männer in meinem Leben?

  1. Ich bin ganz bei dir, fühle mit, auch wenn ich älter und in einer Beziehung bin. Das alles macht es auch nicht leichter zurückzufinden. Doch wir müssen uns Zeit geben, Geduld haben mit uns selbst….auch wenn das Wort Geduld nicht in meinem Wortschatz vorkommt! Ich wünsche dir sehr, dass du findest wonach du sehnst, was immer das auch ist!!

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s