Gott lobe die Psycho-Onkologin

Gestern ging es mir mental nicht gut. Das hatte verschiedene Gründe, die ich zum Glück alle mit meiner Psycho-Onkologin besprechen konnte.

Ich war traurig. Sehr traurig. In letzter Zeit poppten über meine Sozialen Kanäle immer wieder Meldungen über den Tod junger Frauen auf, die auch Brustkrebs hatten. Gehirnmetastasen waren, glaube ich, der Grund dafür.

Die Zeit ist begrenzt

Außerdem wurden Erinnerungen an verstorbene Mädels geteilt, die genau wie ich, wie wir gekämpft haben. Das geht mir nahe, sehr nahe. Nicht nur, weil ich selber betroffen bin und mittlerweile viele Mädels kennengelernt und lieb gewonnen habe, sondern weil das so sinnlos ist. Weil sie beraubt wurden, beraubt um das Älterwerden, das Weisewerden, um die Liebe, um die Familie, um schöne Momente.

Nicht der Kampf gegen den Krebs macht mich traurig, sondern die letzte, die verlorene Schlacht. Weil es die Leben nicht gerettet hat. Und dann rattert es in meinem Kopf. Ich denke an deren Familien, an das emotionale Erbe, das die Verstorbenen hinterlassen. Ich frage mich, ob sie hoffentlich nicht sehr leiden mussten in ihren letzten Wochen.

Es ist so traurig und es macht mir Angst. Wir Betroffenen wissen alle, dass das Damoklesschwert jetzt mehr denn je über unseren Köpfen baumelt. Einige kennen ihre persönliche statistische Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs zurückkommt, sehr genau. Ich glaube, ich habe es nie wirklich wissen wollen. Mit allem habe ich mich auseinandergesetzt, aber mein ganz persönliches Risiko kenne ich nicht. Nur grob. Das reicht.

Mir wurde gestern auch schmerzlich bewusst, was es heißen kann, dass der Krebs zurückkommt. Wieder kämpfen. Wieder Glatze, wieder stark sein. Kann man das? Nachdem ich vor kurzem viel über metastasierten Brustkrebs und das Gehirn gelesen habe, ist das mögliche Zeitfenster noch begrenzter. Wie viel Zeit habe ich? Wie viel Zeit haben wir – alle?

Im Hier und Jetzt – Haltet die Welt an!

Noch einmal mehr rückt mein Blick auf das Hier und Jetzt. Noch einmal mehr verstehe ich, was es heißt, zu leben. Im Hier und Jetzt nämlich. Glücklich und mit Haaren. Gerade bin ich so etwas wie fast gesund. Noch mehr will ich also mein Leben festhalten, die Uhr anhalten, den Lauf der Zeit stoppen – alles, um im Hier und Jetzt zu sein.

Ich will den Moment genießen, glücklich sein, mich wertgeschätzt fühlen. Mit Freunden eine schöne Zeit verbringen. Ich will nicht an Morgen denken, nicht an die nächsten Nachsorgetermine. Nicht an Übermorgen. Ich will mich auch nicht fragen, ob ich mich noch einmal verliebe. Denn genau das macht Angst. Angst vor der Wahrheit, vor der Auseinandersetzung, vor der Reaktion.

Glücklich, dass ich eine gute Psycho-Onkologin habe

Traurig war ich auch, weil ich mich in den letzten Tagen wenig wertgeschätzt gefühlt habe. Ich habe mir die Dinge besonders zu Herzen genommen, die mir in der Kommunikation entgegengebracht wurden. Dank meiner Psychologin konnten wir das alles gut einordnen und am Ende für mich neu zusammensetzen. Mein Problem: Ich habe die Dinge auf mich bezogen. Nach allem analysieren mit meiner Frau Dr. tue ich das jetzt nicht mehr. Denn die Ursachen liegen ganz wo anders. Und schon geht es mir wieder gut.

Mädels, lasst Euch das sagen: Es geht wirklich nichts über eine gute Psycho-Onkologin. Am Anfang dachte ich auch, dass ich die nie brauchen würde. Weil ich doch stabil und so stark bin. Ganz ehrlich: Die Seele leidet. Sie kommt bei all den Therapien zu kurz. Sie kommt nicht hinterher. Zumindest war es bei mir so. Also wollte ich mich auch um sie kümmern. Lieber spät als nie.

Alles Negative muss weg

Und der Blick verändert sich. Auf das Leben, die Liebe, die Freunde. Ich toleriere heute nicht mehr, dass man mich anschreit. Dass man mir mit sinnlosen Gesprächen und Diskussionen die Zeit stiehlt. Dass man mich behandelt, als wäre ich selbstverständlich. Ich bin konsequenter geworden, aber noch nicht konsequent genug. Alles ist Veränderung. Und im letzten Jahr kam das in geballter Form. Ich habe Freundschaften aufgekündigt und viele neue hinzugewonnen.

Das alles arbeitet in mir. Natürlich bin ich auch traurig über so manche Konsequenz. Bereuen tue ich sie aber nicht. Das klingt hart – für die, die sich da wiedererkennen – aber für mich war es richtig. Wie sagt meine Frau Dr. TCM so schön: Jetzt muss ich lernen, alle Energie bei mir zu behalten. Das Qi muss fließen. Alles was nicht gut tut, frisst Energie. Also muss ich das Schlechte aus meinem Leben halten. Dass das von heute auf Morgen nicht so einfach geht, ist auch klar. Und dass das manchmal viel Stärke und Rückgrat erfordert, auch. Und hier ist meine Psycho-Onkologin besonders hilfreich. Sie schafft es, dass ich vieles aus einem neuen Blickwinkel betrachte. Dass ich nicht nur von der Sachebene berichte. Ich mag sie gerne, weil sie die Themen immer mit einer Ruhe und Distanz betrachtet und mir damit unheimlich gut tut.

Damit beende ich für heute das Wort zum Mittwoch. 😉 Euch allen einen schönen Tag und: Genießt das Leben im Hier und Jetzt!

 

 

 

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2 Gedanken zu “Gott lobe die Psycho-Onkologin

  1. Ich arbeite an ähnlichen Verhaltensmustern! Aber es sind Muster, die WIR über lange Jahre zu diesen gemacht haben. Umzudenken ist auch mein Wunsch, doch es klappt nicht immer. Ich falle oft in alte Verhaltensmuster zurück, das muss die Psychologin mit mir aufarbeiten. Sich bewußt werden, achtsam sein, Energie für sich selbst nutzen, mein Ziel…….dran bleiben!!

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