Wiedereingliederung – back to life

Der Termin steht. Die Rahmenbedingungen sind besprochen, die Formulare ausgefüllt. Am 21. August geht es zurück ins Berufsleben. Nach mehr als 15 Monaten Anti-Krebs-Therapie und Rehabilitation.

Work of a business lady. Female hands working on a modern laptop. On a wooden table. Horizontal frame
Foto: Fotolia/ Алексей Еремеев

Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits freue ich mich, bald wieder arbeiten zu gehen. Andererseits macht es mir auch Angst. Was kann ich leisten? Wie gut kann ich wieder sein? Sorgen bereitet mir aber mehr noch das Thema Stress. Weil ich überzeugt bin, dass er für meine Erkrankung mitverantwortlich war. Als Teil eines Ganzen. Weil meine Arbeit immer stressbelastet war.

Die stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell) soll nun helfen, langsam zurückzufinden. Sie soll mir den Wiedereinstieg in den Job erleichtern. Mich nicht überfordern. In dieser Zeit kann ich herausfinden, was ich alles leisten kann und wo ich noch Zeit brauche.

Zurück in den Job mit Plan

Die Wiedereingliederung ist bei mir auf vier Wochen angelegt. Jede Woche wird die Arbeitszeit erhöht, bis ich am Ende wieder Vollzeit arbeiten kann. Falls die vier Wochen nicht reichen, kann ich verlängern. Zunächst soll ich mit drei Stunden täglich anfangen.

Für eine Wiedereingliederung sind ganz schön viele Telefonate, Arzttermine und  Papierkram nötig. Denn Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Arzt und Krankenkasse müssen dafür zusammenarbeiten.

Damit ich den Arbeitseinstieg gut meistere, habe ich bereits selbst schon einige Schritte unternommen. Seit Wochen konditioniere ich mich darauf, sehr früh aufzustehen. Zwischen 6 und 7 Uhr schaffe ich schon.

Noch im März war das für mich undenkbar: Vor 8 Uhr bin ich nicht aufgewacht. Und weil ich so schrecklich müde war und Schmerzen am ganzen Körper hatte, dauerte es meist eine Stunde, bis ich überhaupt aufstehen konnte. Jetzt bin ich froh, dass das der Vergangenheit angehört.

Mein Ziel ist es, Punkt 6 Uhr aus den Federn zu kommen. So kann ich in Ruhe frühstücken und noch eine Runde joggen, bevor es an die Arbeit geht. Für mich ist das wichtig: Ein gesundes Frühstück und Sport am Morgen – ohne Stress.

Gespannt bin ich darauf, wie es so laufen wird. Ob ich nachmittags immer noch so müde sein werde. Momentan brauche ich 15 Uhr einen Powernap oder zumindest eine kleine Ruhephase. Keine Ahnung, woran das liegt. Ob am frühen Aufstehen oder am heißen Wetter. Oder beidem.

Stufenweiser Plan und Krankengeld

Das Hamburger Modell ist eine Maßnahme der medizinischen Rehabilitation. Das heißt, während der Wiedereingliederung gelte ich weiterhin als arbeitsunfähig. Ergo bekomme ich Krankengeld. Generell gilt: Die Krankenkassen zahlen höchstens 78 Wochen. Deswegen sollte die Wiedereingliederung in dieser Zeit stattfinden. Heißt also für Patientinnen wie mich, aufpassen, dass genug Zeit übrig bleibt – auch für mindestens noch eine Reha.

 

Der Stufenplan umfasst Folgendes:

  • Beginn und Ende
  • Einzelheiten über die Stufen
  • ein Rücktrittsrecht vor vereinbartem Ende
  • Gründe für einen evtl. Abbruch
  • Ruhen von Bestimmungen im Arbeitsvertrag während der Dauer der stufenweisen Wiedereingliederung
  • Höhe eines eventuellen Arbeitsentgeltes

Mit der HR habe ich zudem festgehalten, dass wir Mitte der Reha einen Urlaubsplan für mich ausarbeiten.

Das Ende meiner Antikörper-Therapie

Mitte August bin ich auch mit meiner letzten Anti-Krebstherapie fertig. Das Herceptin bekomme ich dann zum letzten Mal. Ich hoffe, dass das Ende der Antikörper-Therapie mich nicht in ein Loch fallen lässt. Denn diese Routine (Krankenhaus, Port anschließen, Heilsoße bekommen) gibt mir ein sicheres Gefühl. Dass noch etwas gegen den Krebs, also ein mögliches Rezidiv, getan wird.

Momentan bin ich da sehr positiv. Ich bin fest überzeugt, dass ich auf einen guten Weg bin. Dass ich selbst viel dafür tun kann. Doch ich weiß auch, dass Welten schnell wieder zusammenbrechen können. Ich sehe es gerade bei einer Freundin. Bei ihr kam der Krebs zurück. Sie musste also schon zweimal kämpfen. Und nun vor ein paar Tagen, hat sie eine Biopsie an der Lunge hinter sich. Ich bin in Gedanken bei ihr und bete, dass es nichts Schlimmes ist. Die kleine Maus ist erst 26.

 

 


3 Gedanken zu “Wiedereingliederung – back to life

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