Wieder an der Arbeit: Es läuft – mit einem Aber

Nach 15 Monaten Krankenstand bin ich zurück. Zurück an der Arbeit. Die Wiedereingliederung hat begonnen. Der erste Tag war eine kleine Bergundtalfahrt, ab dem zweiten lief es ziemlich gut. Ein kleiner Zwischenstand.

Vor einer Woche, am Montag den 21. August, startete meine Wiedereingliederung. Vier Wochen wird jetzt geprüft, was ich noch leisten kann. Wie ich es leisten kann. Ich beginne mit drei Stunden am Tag. Nach zwei Wochen wird die Arbeitszeit auf sechs Stunden täglich erhöht.

Ich war sehr überrascht, wie schnell die Zeit vergeht. Wie fix man mit all den Therapien durch ist, wie schnell das Recovern inklusive Anschlussheilbehandlung verläuft. Wo sind die 15 Monate nur hin? Wieso erinnere ich mich kaum noch an die Chemo-Zeit, an die OP und die Bestrahlung? Wie nur konnte ich mich an ein Leben ohne Arbeit gewöhnen und wieso hatte ich so gar kein Problem damit?

Der erste Tag – kein schöner Tag

Auf viele dieser und anderer Fragen habe ich Antworten gefunden. Ich habe sie gefunden tief in mir drinnen. In Zwiegesprächen, in Gebeten, in Diskussionen mit Ärzten, im Zusammensein mit Freunden. Doch auf die Frage nach der Zukunft, was sich ändert, wie es sich ändert, wenn ich zurück bin im ganz normalen Wahnsinn – darauf gibt es noch keine Antworten.

Kurz vor dem ersten Arbeitstag meiner Wiedereingliederung dachte ich, ich werde schon sehen, wie es laufen wird. Ich dachte, ich sei mega gechillt. Doch der Gedanke wieder arbeiten zu gehen, hatte mich unterbewusst offenbar mehr gestresst als gedacht. Ich war nervös an meinem ersten Tag. Und Minuten nach Beginn die Ruhe selbst. Diesen Wechsel von „oh mein Gott“ und „mir egal“ kannte ich bis dato nicht. Es machte mir zu schaffen.

Letztendlich verlief der Tag ziemlich ruhig. Ein Hallo bei den Kollegen, ein Starten des Computers, ein Einarbeiten im Redaktions-Wiki (Danke an den Initiator) und ein Gespräch mit dem Chef.

Letzteres hat mich sehr aus der Bahn geworfen. Das Gespräch war anders als vermutet. Es ging mir sehr nahe. Eine Information über meine künftige Arbeit hat mich aus dem Konzept „Chillmodus“ gebracht. Ich wies meine Chefs im Vorfeld darauf hin und bat um eine positive Entscheidung diesbezüglich. Doch dem wollte man nicht nachgehen.

Diese eine Information, für viele sicher unwichtig, hat mich emotional sehr gestresst. Obwohl ich alle Argumente verstand. Sie sind nachvollziehbar, logisch, konsequent. Ich würde womöglich genau so entscheiden, wäre ich Chef. Weil es vom Verstand her entschieden wurde.

Mein Innerstes barst. In tausend und einen Gedanken in Sekundenschnelle. Verschiedene Gefühle überrannten mein Gehirn. Ich hatte es kaum mehr unter Kontrolle. Das emotionale Ich gewann die Überhand. Bei der Mail an die Kollegen anschließend war ich kaum noch Herr meines Verstandes und habe direkt einen bescheuerten Fehler eingebaut. Ob es jemand gemerkt hat? Den Fehler.

Ich glaube nicht, dass mein Vorgesetzter gemerkt hat, wie schlecht es mir ging. Und zum Glück waren die drei Stunden auch um und ich konnte wieder gehen. Gott sei Dank hatte ich direkt danach einen Termin bei der Psycho-Onkologin.

Eine neue Therapie

Der Termin war sehr gut. Er war wichtig. Er half mir, zu erkennen, dass diese eine Information mich getriggert hat. Weil sie mit einem Trauma verknüpft ist. Ich möchte daher an dieser Stelle nicht darauf eingehen. Es ist zu persönlich, zu schlimm und dürfte anderenfalls zu Tränen getränkten Taschentüchern führen.

ABER: Es gibt Hilfe. Schon Morgen nach der Arbeit beginne ich eine neue Therapie. Sie nennt sich EMDR. Damit werden belastende Symptome eines Traumas aufgelöst. Wer mehr darüber erfahren will, kann bei Emdria.de nachlesen.

Ich bin deshalb sehr positiv eingestellt. Meine Ärztin meinte, dass es mir helfen wird. Wenn nicht, wird es andere Überlegungen geben müssen.

Die weiteren Tage an der Arbeit verliefen gut. Ich habe schnell ins neue CMS gefunden, bereits eine Meldung geschrieben und ein Interview geführt. Es fühlt sich gut an. Doch es ist schwer den Spagat hinzubekommen zwischen eigenem Anspruch und den Auflagen der Ärzte bzw. der Krankenkasse.

Die Wiedereingliederung ist nicht dazu da, die gleiche Arbeit zu leisten wie vor der Diagnose. Sie soll ein Herantasten sein, ein Ausprobieren. Sie ist ein Geduldsspiel. Sie ist auch ein immer wieder sich selbst erklären: So geht es jetzt noch nicht! Du hast Zeit! Du brauchst die Zeit!

Allerdings juckt es mich. Ich will wieder etwas leisten. Ich will wieder so fit sein, so gut, so schnell. Der Spagat ist wirklich nicht einfach. Jeder der etwas anderes behauptet, lügt.

 


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