Frisuren nach der Chemo

Die Haare wachsen, schon seit den letzten Chemo-Wochen.  Erst kommt ein kleiner Flaum, dann werden es ein paar Stoppel mehr. Doch der Weg zu einer richtigen Frisur ist lang. Sehr lang – und spannend.

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Foto: Susanne Heiker

Nach der ersten Chemo sind mir die Haare schnell ausgefallen. Drei Wochen um genau zu sein. Ich habe nicht gewartet, bis sie alle weg waren. Ich habe kurzen Prozess gemacht und sie mir auf drei Millimeter schneiden lassen.

Haare abzuschneiden, das ging fix. Man ist sie schnell los. Doch wenn sie wieder wachsen sollen, braucht es eine gefühlte Ewigkeit, bis sie wieder Frisur-Niveau erreichen.

Nina, Susann und ich – haarige Zeiten

Bei meinen Freundinnen und mir ist das Haarwachstum zudem sehr unterschiedlich. Eine kleine Haar-Chronik:

Auf meinem Kopf bahnten sich die Haare noch während der Taxol-Chemo ihren Weg. Der Flaum sah irgendwie verrückt aus. Also rasierte ich immer wieder ab.

Ich – Marge Simpson lässt grüßen

Nach Chemo-Ende ließ ich auch alles noch mal auf Null zurücksetzen. Also rasierte sie mir meine Lieblingsfriseurin Anja  Anfang November alles ab. Denn ich wollte, dass die Haare einheitlich wachsen. Das tun sie seitdem beharrlich. Etwa einen Zentimeter gewinne ich pro Monat dazu. An eine richtige Frisur ist bei mir allerdings noch nicht wirklich zu denken. Die Haare sind nach nunmehr elf Monaten in einem Stadium, wo sie ganz lockig werden.

Etwa sechs Monate wuchsen sie erst glatt, dann wellig. Ich denke, das hat bei mir mit Haarlänge und -stärke zu tun. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind kurze Haare hatte und sie sich da auch gelockt haben. Je länger sie werden, desto mehr ziehen sich die Locken dann wieder raus.

Für mich heißt das, ich muss geduldig sein. Es wird noch dauern, bis ich den ersten wirklich richtigen Haarschnitt habe. Bisher versuche ich das Beste daraus zu machen. Ich gehe schön brav zum Friseur, lasse an den Seiten und am Hinterkopf nachschneiden, färben (wegen der grauen Haare von der Chemo) und von oben nach unten wachsen. Mittlerweile lockig. Manchmal komme ich mir beim Blick in den Spiegel vor wie Marge Simpson – nur dass die Haare nicht blau sind. 😉

 

 

Ninas Weg zum Side-Cut

Bei meinen Freundinnen war und ist das etwas anders. Ninas Chemo endete im Juni 2016. Sie ließ sich im Anschluss den Flaum wegrasieren. Bei ihr wuchsen die Haare auch sofort wieder.

Monat für Monat gewann sie einen Zentimeter dazu. Ninas Haare sind mittlerweile genauso glatt wie vor ihrer Therapie. Aber ihre Haarfarbe ist jetzt dunkler. Mittlerweile hat Nina einen tollen Side-Cut. Da will ich auch hin. Denn auf einen Side-Cut lässt sich super aufbauen für alles Weitere: Bob, halblang, lang.

 

Susann – ein freches Früchtchen

Bei Susann wuchsen ein paar Haare noch während der Chemo. Federn – wie wir immer sagten. Ihre letzte Chemo hatte sie im Februar 2017. Doch danach ließen die Haare auf sich warten.

Das mit dem Haarwachstum ist bei jedem anders. Aber sie wuchsen etwas, nur noch nicht gleichmäßig. Doch zu sehen, dass sich ein bisschen was tut, war wichtig für sie wie auch für uns Freundinnen.

Nach etwa zwei Monaten konnten wir dann sehen, dass bei Susann die Haare dunkelblond mit leichtem Grauschatten nachwuchsen. Bei mir war das auch etwas gräulich.

Am Anfang war ihr Haar recht dünn. Mittlerweile sind auf ihrem Kopf schon stolze vier Zentimeter zu sehen. Und es ist fülliger geworden. 🙂

 

Susann und ich eifern jetzt fleißig Ninas Side-Cut nach. Was am Ende dabei rauskommen wird? Wir sind alle gespannt.

Und hey, die unterschiedlichen Phasen sind irgendwie ganz witzig. Wir haben es uns ein bisschen zum Spaß gemacht, Styles auszuprobieren. Und ich muss ehrlich sagen, mit meinen langen Haaren hatte ich nie wirklich experimentiert. So gesehen, ist das etwas Positives. Und ich glaube, ich werde nicht noch mal auf ganz- oder halblang gehen. Bob oder schön kurz. Ich denke, da werde ich am Ende landen. Mal sehen, wofür sich die Mädels entscheiden werden.

Hier unsere Tipps:

  • Nach der Chemo noch mal komplett auf Null – also abrasieren.
  • Sucht Euch einen Friseur Eures Vertrauens! So könnt ihr auf eine Friseur peu à peu hinarbeiten.
  • Haartinkturen braucht man nicht. Ausprobiert und für unbrauchbar befunden.
  • Geduld mit dem Wachstum, so blöd es klingt.
  • Bei Lockenpracht und/ oder fusseligen Haaren immer mal etwas Rizinusöl einmassieren und -wirken lassen.
  • Wir verwenden Shampoo, Conditioner und Styling-Produkte Bio-zertifizierter Kosmetik.
  • Wer färben will, sollte es sich gut überlegen. Nach der Chemo ist die Kopfhaut womöglich sehr reizbar. Eventuell mit dem Arzt absprechen.
  • Und: Probiert aus! Habt Spaß dabei! Für irgendwas muss das Ganze ja gut sein. 😉

Noch eine kleine Ankündigung: In etwa einem halben Jahr wird es ein Buch von uns geben mit dem Titel Generation Brustkrebs – Frauen wie wir, Frauen wie ihr

Ihr dürft gespannt sein. 

Fotos: unter anderem Anke Volk, Susanne Heiker Fotografie

 

 

 


3 Gedanken zu “Frisuren nach der Chemo

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