Das ganz normale Leben …

… hat mich schneller eingeholt als ich dachte. Es hat mich überholt.

Seit Montag bin ich offiziell nicht mehr arbeitsunfähig. Nach fünf Wochen Wiedereingliederung arbeite ich jetzt wieder Vollzeit. Doch das hat seinen Preis.

Sporteln fällt mir zunehmend schwer. Ich bin ein früher Vogel. Deswegen möchte ich vor der Arbeit Joggen. Das klappt leider nicht immer. Weil ich soooo müde bin. Die Arbeit schlaucht. Mehr als ich dachte. Aber sie macht auch Spaß. Nur ab und an bin ich im Kopf nicht so fit. Deswegen habe ich noch für diese und die nächsten zwei Wochen Urlaub beantragt.

Etwas Urlaub nötig

Ich bin froh, dass ich jetzt eine Auszeit bekomme. Die Erholungszeit ist so nötig. Zum Glück hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass alle Urlaubstage des letzten und dieses Jahres stehenbleiben. Zunächst dachte ich, wer braucht schon so viel Urlaub. Jetzt weiß ich es. Es ist nach 15 Monaten Therapie doch wirklich sehr anstrengend.

Deshalb bin ich auch froh, in Deutschland zu leben. In vielen Ländern gibt es so etwas nicht. Meine Freundin aus den USA etwa hat mir erzählt, dass die Amerikaner gleich wieder arbeiten müssen. Und viel Urlaub haben die dort nicht. Außer andere Menschen spenden ihnen Urlaubstage. Das geht wohl.

Es gibt Tage, da bekomme ich an der Arbeit keinen geraden Satz zustande. Zum Glück sehen es mir die Kollegen noch nach. Es braucht eben alles seine Zeit. Und dafür brauche ich Geduld. Geduld mit mir selbst fällt mir schwer. Aber dafür habe ich ja Unterstützung von meinen Freunden und meiner Psycho-Onkologin.

Weniger Gedanken an den Krebs

Das Positive am Zurücksein ist sicher der Umstand, dass ich nicht mehr so sehr an den Krebs denke. Es fühlt sich so an, als wäre ich nie weg gewesen aus meinem alten Leben. Und das hatte ich ja geliebt.

Das Nicht-an-den-Krebs-Denken hat allerdings zur Folge, dass sich so manch schlechte Angewohnheit von einst wieder etwas einschleicht. Früh nichts essen, Mittags Katinenfraß, zu langes Sitzen am Arbeitsplatz … Ojemine.

Ich möchte, nicht ich muss, wieder mehr Disziplin in meinem Alltag. Mir gab das immer ein sehr gutes Gefühl. Das etwas für sich und seine Gesundheit tun, das möchte ich zurück bzw. mir erhalten. Jetzt habe ich ein paar Tage frei und kann mich neu sortieren.

 

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4 Gedanken zu “Das ganz normale Leben …

  1. Es ist schön zu lesen, wie reflektiert du bist, und dass es dir gleich auffällt, wenn sich der »Schlendrian« einschleicht. So klappt es sicher, mit dieser stetigen Achtsamkeit im Alltag auf das eigene Verhalten. Ich drücke dir die Daumen!

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  2. Schön, dass du auch wieder im Alltag angekommen bist. Schön ist aber auch zu lesen, dass du die Veränderung merkst. Dass dir der Alltag auch etwas schwerer fällt, ist was ganz normales. Ich musste, bzw bin noch dabei, mich umzugewöhnen, dass manche Dinge eben jetzt etwas langsamer von statten gehen, oder ich generell mehr Zeit für meine Arbeit benötige.
    Das Ganze ist ein Lernprozess… Ich wünsche Dir eine gute Erholung in Deinem Urlaub. Du wirst das Beste für Dich rausholen, davon bin ich überzeugt.
    LG Mary 🌹

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  3. evtl ist eine Reduzierung der Arbeitszeit sinnvoll für Dich? Habe – seit ich wieder arbeite – auf 36 Stunden reduziert. Freitag nachmittags ist jetzt für den Sport reserviert. Mache ich zwar auch täglich nach der Arbeit, aber der halbe Tag ohne Arbeit tut mir gut. LG aus Hamburg

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  4. Ich kann meiner „Vorschreiberin“ nur beiplichten….Arbeitszeit reduzieren ist wichtig, wir haben nur das eine Leben und das soll doch ab sofort bessser werden. Auch wenn Arbeit Spaß macht, sie kostet auch immer Kraft!Ich arbeite nur noch „Halbzeit“, habe dafür meine Ansprüche `runtergeschraubt… auch das ist Achtsamkeit! LG aus Berlin

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