Ja, bin ich denn irre?

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Wie erkennt man den Wahnsinn, den Blödsinn? Bin ich wahnsinnig normal oder blödsinnig wahnsinnig? Wieso stelle ich mir diese Fragen? Weil ich wider meiner Natur ganz unvernünftige Dinge tue. Ist das schon irre oder meine neue Normalität?

Ich will niemanden auf die Folter spannen. Also fange ich mal an, von meinen irren Wirrungen zu berichten.

Ich gebe gerade alles Geld mit vollen Händen aus. Ich spare nichts. Ich gehe shoppen. Für mich, für meine Freunde (bald ist Weihnachten). Ich gehe viel in Restaurants, weil ich es mag, weil ich gerne Freunde beim Essen um mich habe. Ich fahre in den Urlaub und schere mich nicht darum, wie teuer etwas ist oder wieviel Kohle dafür draufgeht. Egal was die Welt kostet, ich kaufe das Haus. Das scheint mein neues Mantra.

Für meinen nahenden Geburtstag – ein Runder – habe ich mir auch etwas Blödsinniges überlegt. Als Belohnung für das ganze kräftezehrende, angsteinflößende letzte anderthalbe Jahr – man findet immer einen Grund – und weil es ein besonderer Geburtstag ist, will ich mir eine Louis Vuitton gönnen. OMG.

Noch vor einem Jahr hätte ich jedem den Vogel gezeigt. Ich? So eine teure Tasche? Die mir bis heute nie wirklich gefallen hat? Spinnst Du, sagt mein altes ich. Mein Neues denkt, Wurscht. Jetzt finde ich sie sau schön, ich mag sie gerne haben. Kostet nur mal eben genauso viel wie mein Macces.

Ja bin ich denn verrückt? Was ist hier los? Wo ist die alte Fabi hin? Die, die sagt: Für so viel Geld kannst du dir noch viel mehr Schönes gönnen. Oder Du sparst. Doch worauf soll ich warten? Worauf sparen? Das Leben ist zu kurz, um sich mit der ganz lang gedachten Zukunft zu beschäftigen. Wem soll ich denn irgendwann mal etwas vererben?

Meine Großmutter hat immer gespart. Sich nie etwas gegönnt. Dann kam der Krebs. Und innerhalb kürzester Zeit war ihr Erspartes pfutsch, weil sie in ein Hospiz kam. Dafür ging alles drauf, was sie noch hatte. Vererbt hat sie niemanden etwas – nur vor ihrem Tod meinem Onkel noch was gegeben, wie man hört. Ihre Habseligkeiten? Vom meinem Cousin schnell noch eingeheimst.

Also, wozu denn alles aufheben, denke ich mir. Erben wird es keine geben. Also mache ich mir ein schönes Leben. Wenn nicht jetzt … Ihr wisst schon.

Neben meiner neu entdeckten Unvernunft kommt noch etwas Abenteuer-Verrücktheit hinzu. Ich überquere im Schnee in schwindelerregender Höhe Pässe. Laufe hunderte Höhenmeter am Tag. Ich mache viel Sport, treffe Freunde, probiere viele neue Dinge aus, die ich nie dachte mal zu machen.

Mein Leben ist verplant. Mehr als vor der Erkrankung habe ich das Gefühl. Ich gehe feiern, trinke auch mal Alkohol.

Ist das alles noch ganz normal oder auch schon übertrieben – so nach der ganzen Geschichte gedacht? Ist das schon irre oder ist die gedachte Normalität das Problem? Sollte ich mich mehr schonen? Mehr ausruhen? Mehr sparen?

Nein, ich will leben und zwar jetzt! Mein Wort zum Mittwoch.

 

 

 

 

 

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9 Gedanken zu “Ja, bin ich denn irre?

  1. Also irre ist das gar nicht. Ich persönlich finde zwar Louis Vuitton-Taschen total blöd, weil die Frauen, die damit rumlaufen eher blöd sind, aber das ist ja meine subjektive Meinung, und bedeutet NICHT im Umkehrschluss, dass du blöd bist.
    Wenn du also Spaß dran hast und vor allem, dich nicht verschuldest, was soll’s dann, hau raus und hab Spaß.
    Ich habe schon so wahnwitzig viel Geld für „Unsinn“ ausgegeben, über den ich mich aber immer noch sehr freue und es keine Sekunde bereue. Selbst dann nicht, wenn das Geld mal knapp ist. Dann freue ich mich erst recht, dass ich mal die Gelegenheit hatte mir was Schönes zu leisten.

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  2. Du bist verrückt! Schön verrückt! Wir haben vor Jahren Laptops für 1000 Euro ausgegeben, warum dann nicht heute eine Handtasche (verrückt) für einen ähnlichen Preis :D. Hey andere besonders meine Tante, sind der Meinung mein Tattoo war eine verrückte Idee aber nö. Du machst das genau richtig! Am Ende sind es auch die Ämter, die dir das ersparte aus den Taschen ziehen. Ich bin froh, dass getan zu haben was mir in den Sinn kam. Jetzt ärgere ich mich nicht darüber genau diese Zeit verpasst zu haben. Mach weiter, pass auf dich auf und genieße deine Zeit! Liebe Grüße und willkommen unter den Verrückten!

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  3. Letzten Donnerstag hab ich ganz spontag beschlossen, das Wochenende in den Bergen zu verbringen – und zwar mit schönem Hotel und gutem Essen. Klar, ich hätte das viele Geld auch sparen können, aber wat solls, Leben ist jetzt! Und dieses schöne, sonnige Wochenende (mit 1200 Höhenmetern und ganz viel Stolz;-)) kann mir keiner mehr nehmen.

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