65 neue Risikogene für Brustkrebs entdeckt

 

Wie entsteht Brustkrebs? Was löst ihn aus? Auf der Suche nach Antworten sind Wissenschaftler aus Cambridge, Havard und vom Deutschen Krebsforschungszentrum wieder ein Stück weiter. Sie fanden in einer groß angelegten Studie 65 neue Risikogene.

Brustkrebszellen
Brustkrebszellen; Foto: Deutsches Krebsforschungszentrum

Mit Hochdruck forschen Wissenschaftler an den Ursachen für Brustkrebs. Oft entsteht der Tumor durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, Alkohol oder Rauchen.

Bei einem anderen Teil der Betroffenen wiederum liegt eine erbliche Veranlagung vor. Bei etwa 25 Prozent der an Brustkrebs erkrankten Frauen gibt es in der Familie vermehrt Brustkrebsfälle. Das kann auf eine genetische Ursache hindeuten.

Heute weiß man, dass Veränderungen in bestimmten Erbanlagen das Erkrankungsrisiko steigern: Für Frauen, deren direkte Angehörige (Geschwister oder Mütter) an Brustkrebs erkrankt sind, ist das Risiko etwa doppelt so hoch wie das der Allgemeinbevölkerung.

Bisher gut erforscht sind in diesem Zusammenhang die Hochrisikogene BRCA1 und BRCA2. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrum sind sie jedoch sehr selten und insgesamt nur für einen kleinen Teil der Fälle verantwortlich.

Bei der Mehrzahl der Frauen mit positiver Familienanamnese und negativem BRCA1/2-Test scheinen andere Gene für das erhöhte genetische Risiko verantwortlich zu sein.

Eine groß angelegte Studie, an der auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Universitätsklinikum Heidelberg beteiligt waren, identifizierte neben den 102 bekannten nun 65 neue Risikogene.

Diese Vielzahl von Genvarianten zeige für sich nur einen sehr geringen Zusammenhang mit der Erkrankungswahrscheinlichkeit. „In ihrer Gesamtheit können sie aber zur Beurteilung des Brustkrebsrisikos und damit auch zu einer gezielteren Vorsorge beitragen“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Der Epidemiologe gehört zu den Autoren der weltweit größten Studie zu den genetischen Ursachen von Brustkrebs.

Interessant dabei ist, dass der überwiegende Teil der neu entdeckten genetischen Risikomarker  – so die Studie – nicht in Bereichen des Erbguts liegt, die für Proteine kodieren, sondern in sogenannten regulatorischen Elementen: Das sind Genomabschnitte, die teilweise weit entfernt liegende Gene beeinflussen. Die Forscher fanden heraus, dass ein großer Teil dieser regulatorischen Elemente zelluläre Prozesse steuert, die bereits aus der Brustkrebsentstehung bekannt sind.

Der Studie zufolge sind die neu entdeckten Risikomarker für etwa vier Prozent dieses familiären Risikos verantwortlich. Zusammen mit den bereits bekannten Genen sind es damit 18 Prozent.

„Um das individuelle Brustkrebsrisiko jeder Frau in Zukunft genauer als bisher einschätzen zu können, wollen wir diese genetischen Marker in Modellrechnungen berücksichtigen – zusammen mit anderen bekannten Risikofaktoren“, sagt Jenny Chang-Claude vom DKFZ, die ebenfalls an der Studie beteiligt ist.

Doug Easton von der Universität Cambridge zeigt sich zuversichtlich, durch zusätzliche Berechnungen insgesamt 41 Prozent des familiären Risikos erklären zu können.

Ziel der Forscher ist es, auf Grundlage der neuen Erkenntnisse Brustkrebs-Screeningprogramme und Präventionsmaßnahmen individuell anzupassen.

Die Studie, an der auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg beteiligt waren, wurde in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Insgesamt untersuchten die Forscher 256.000 Frauen auf 11,8 Millionen Erbgutvarianten. Etwa die Hälfte der Frauen war an Brustkrebs erkrankt. Etwa 90 Prozent der Teilnehmerinnen kamen aus Europa, USA und Australien, der Rest aus Südostasien.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s