Ich lebe, ich liebe, ich danke

Ich lebe; ich liebe mein Leben, meine Freunde, meinen Kater, meine Arbeit. Das normal gedachte Leben mit all seinen Facetten hat mich zurück – und ich bin sehr dankbar, dass es so ist, wie es ist. Wie es jetzt ist, in all seiner Lebendigkeit und Schönheit.

Wie sehr möchte ich diesen Moment doch behalten. Das Gefühl, dass alles gut ist, alles einen Sinn ergibt. Ich bin da, wo ich gerade sein soll und will. Ich möchte die Uhr anhalten für einen Moment. Innehalten und Kraft daraus ziehen.

Ich sitze gerade vor dem Computer – ein Glas Rotwein daneben, der Kater schnurrend eine Armlänge entfernt, ein Klavierstück läuft im Hintergrund. Das Ende eines Tages, der viel gebracht hat, schön war und leider so schnell vorbei.

Ich hatte heute frei. Der Morgen begann herrlich: Mein Lebendwecker Django kam pünktlich 6:30 Uhr ins Schlafzimmer, ein Mauzen und schon war ich wach. Danach gab es wie immer eine kleine Kuscheleinheit mit anschließendem Gekappel. Der kleine Kater will immer erst schmusen, dann spielen, dann fressen.

Zehn Minuten nach dem Wecken ging es zur Raubtierfütterung, anschließend einen Kaffee – okay drei – , eine Runde für Vegas zocken und dann zum Joggen. Der Morgen war einfach ein Traum. Die Sonne schien, die Luft war frisch, das Laub der Bäume rot und gelb gefärbt. Zwischen den Ahorn, Eichen und Kastanien schienen Sonnenstrahlen – direkt in mein Gesicht. Schöner kann der Tag fast nicht beginnen.

Anschließend hieß es duschen, sich fertigmachen und auf zum ersten Termin. Ein Interview fürs Buch. Es war sehr gut, aufschlussreich vor allem. Ich liebe das. Mit Experten reden, dazulernen, etwas Nutzwertiges daraus machen. Das ist mein Ding. Und ich hatte, was den Experten betrifft, recht. Er ist sehr kompetent, sympathisch und vor allem: Er kann die Dinge wirklich gut erklären. Da macht die Arbeit gleich noch mal mehr Spaß.

Was mich betrifft, hätte ich noch ewig reden und fragen können. Das ist vor allem der Neugierde geschuldet. Doch ich hatte wirklich viel Zeit in Anspruch genommen und der Experte hat sicher Wichtigeres zu tun, als sich noch länger den Fragen einer Autorin/ Journalistin zu stellen.

Ich glaube, ein so langes Interview hatte ich davor nur mit einem Ex-Nato-General. Das war ebenfalls mega spannend. Okay, er wollte auch einfach nicht aufhören zu reden. Und es ging dabei ja um Wladimir Putin. Wer mich gut kennt: Diesbezüglich bin ich ein absoluter Nerd. Will alles wissen, aufsaugen. Wenn der Interviewpartner dann auch noch eine entsprechende Expertise hat und gut erklären kann … Ein Traum. So in etwa war das heute ebenfalls.

Nach der Experten-Sprechstunde besuchte ich noch eine Freundin, die gleich in der Nähe arbeitet. Ich habe sie erst vor kurzem kennengelernt. Liebe auf den ersten Blick. Bei manchen Menschen ist das einfach so. Da schwingen die Wellen gleich hoch und weit. Vielleicht sollte ich mal eine Amplituden-Freundschafts-Theorie aufstellen – aber nur, wenn das noch keiner hat. 😉

Gegen 14 Uhr traf ich dann meine Nicky zum Mittagessen. Man, hatte ich einen Hunger und ich freue mich immer, wenn wir zwei etwas chillen, Prosecco schlürfen und Mädelszeugs machen wie Ratschen und natürlich auch übers Shoppen philosophieren. Manchmal bin ich eben auch ganz Mädchen. So ist es.

Nur leider hatte ich nicht allzu viel Zeit für das Mädelsding heute. Denn Gottseidank kam kurzfristig noch ein Friseurtermin rein. Der war bitter nötig. Ich sah schon aus wie ein Monchhichi. Leider braucht es sehr viel Zeit, bis die Haare wieder eine Länge haben, mit der man arbeiten kann. Meine sind mega dick und locken sich dazu. Das war schon immer so. Aber Geduld, Geduld. Auch das wird noch werden. Und ich bin einfach froh, dass sie nach der ganzen Therapie wieder wachsen.

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An dieser Stelle noch mal ein großes Danke an meine liebe Rena. Sie und Anja haben sich kurz vor der Chemo (Haare kurzschneiden) und danach (rasieren usw.) rührend um das Wohl meines Kopfes gekümmert. Für Umme. Das kann ich niemals gutmachen. Denn wie rechnet man Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit gegen? Ich versuch es – mit Schoki-Geschenken. Und natürlich bleibe ich den Friseurmeisterinnen treu. 😉

Hach, der Tag war einfach toll. Und auch sonst sind die Tage meist so, wie ich sie mir wünsche. Nur manchmal sind sie etwas lang. Länger, als ich das in den 15 Monaten Krankenstand gewohnt war. Ein Wermutstropfen.

Aber die Arbeit macht mir mega viel Spaß. Ich leiste etwas, bin wieder drin, beackere spannende Themen. Mit den Kollegen und Chefs ist auch alles fein. Und ich darf mich glücklich schätzen, einen wirklich ganz tollen Freundeskreis zu haben. Einer, der in der Zeit der Therapie noch gewachsen ist. An dieser Stelle: Schön, dass es Euch gibt. Danke, dass Ihr auch in den schlechten Tagen immer an meiner Seite wart. Das hat sie gut werden lassen. Danke, dass Ihr meine guten Tage mit mir feiert, Euch für mich und mit mir freut und einfach da seid. So, jetzt habe ich Pipi in den Augen. Vor Rührung, vor Dankbarkeit, vor Liebe.

Warum ich das ausgerechnet heute schreibe? Weil ich in der Klinik war. Das hat noch mal alles vor Augen geführt. Die ganze Krebs-Zeit, die Zeit der Therapien, des Kampfes. Deshalb zum Schluss ein großes Danke an die Ärzte, die Schwestern und das restliche Personal. Dass wir Patientinnen heute so gute Heilungschancen haben, dass wir die Therapien so gut meistern, hat vor allem auch mit ihrer Arbeit zu tun. Und der, der Forscher in den Laboren dieser Welt. Und der Patientinnen vor uns, die an diversen Studien teilgenommen haben, die die Anti-Krebs-Therapien dahin geführt haben, wo sie jetzt sind. Und, und, und.

Ja, ich bin heute rührselig. So ist es. So what. Manchmal müssen diese Dinge gesagt werden. Mein Wort zum Mittwoch. Mal wieder eins. Vielleicht sollte ich daraus eine Serie machen … 😉

Eine schönen Abend Euch allen! Ich schaue jetzt The Walking Dead … 😛

 

 

 

 

 

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