Selbstdarstellung vs. Authentizität

Ich liebe die Authentizität mehr als die Selbstdarstellung – wobei letztere großen Unterhaltungswert verspricht. Doch was ist authentisch und was selbstdarstellerisch? Das zu erkennen, braucht Zeit und stellt mich vor Entscheidungen.

Will ich das? Will ich mich mit selbstdarstellerischen Attitüden umgeben – wohl wissend, dass man sich selbst in ihnen verlieren kann? Will ich Oberflächlichkeiten und Halbwahrheiten, zum schönen Schein entstellte Lügen? Nein, ich will sie nicht. Nicht in meinem Leben und nicht in meinem Umfeld.

Dieser Wunsch ist nahezu unerfüllbar. So hat mein Beruf doch viel mit Menschen zu tun, die aus machtpolitischem Kalkül drohen, die Welt an den Rand der Verzweiflung zu bringen. Es sind Menschen, die Machtgefüge destabilisieren und die Zukunft beeinflussen können. Sie bringen mich auf die Palme, regen mich auf – für den Bruchteil einer Sekunde.

Doch darum geht es mir heute nicht. Es geht nicht um die Politik und die Tänzer auf ihrem Parkett. Es geht um Menschen, die mich persönlich beeinflussen. Politiker tun das höchstens für die Zeit, in der ich einen Artikel über sie schreibe.

Aber Menschen in meinem Umfeld können stark dazu beitragen, dass ich schlechte Laune bekomme. Deswegen hatte ich nach der Diagnose beschlossen: Nie wieder möchte ich toxische Menschen – wie diese Spezies mittlerweile genannt wird – in meinem Leben haben. Deswegen traf ich Entscheidungen, die ich – sorry dafür – bis heute nicht bereue. Das heißt nicht, dass sie schlechte Menschen sind, nur dass sie mir nicht gut tun.

Ganz erwehren kann man sich derer, die einem nicht gut tun, nicht wirklich. Denn für die „Verbannten“ kommen andere. Und so treffe ich mittlerweile diesbezüglich schneller entsprechende Entscheidungen. Das auszuführen, würde Ausmaße eines Romanes sprengen.

Deshalb mache ich es kurz: Ich bin egoistisch geworden. Ich denke mehr an mich. Ich überlege mir, wie, wann und mit wem ich meine Zeit verbringen will ganz genau. Ich entscheide für mein Leben – denn dieses ist vielleicht kürzer als gedacht. Und es ist mein Leben.

Ich will niemandem weh tun, aber ich habe sie satt die Attitüden, die Plattitüden, die Unechtheit und das Selbstdarstellerische, das Herablassende, das Falsche, das Vergleichende.

Ich selbst nehme mich davon nicht aus. Manchmal steckt es an, das Sich-Erhaben-Fühlen und der krumme Gedanke, etwas besser zu machen als andere. Aber macht es mich besser als Mensch? Macht es mich besser als Freundin, als Kollegin, als Geliebte? Nein, es bringt mich nur weg von meinem Ich, von dem, was ich bin und wirklich sein will. Ich will authentisch sein. Ich will ich sein.

Kein verquerer Bankertyp im schicken Anzug mag mich ohne Hirn verzaubern. Der Freund, der in den sozialen Medien ständig Bilder postet, um sich toll zu finden, mag mich nicht beeindrucken. Die Irrlichter anderer will ich hier lieber nicht in Worte fassen. Die Welt da draußen ist eh schon verrückt genug.

Doch ich mag noch etwas zu den wichtigen Menschen in meinem Leben sagen: Danke, dass es Euch gibt. Denn ich mag, wie ihr seid: authentisch. Ich mag echte Menschen: geradlinige, intelligente, sozial intelligente – Menschen, die auch mal Widerworte geben. Die einem scharfsinnig die Dinge vor Augen halten. Die sich nicht verbiegen und auch kein Kokolores von sich geben. Ich mag Menschen, die sich nicht verstellen, um andere zu beeindrucken und vor allem das Herz am rechten Fleck haben: H.M.; N.B.; C.K.; U.P.; L.S.; S.B.; N.S.; S.D.; A.S.; A.G.; A.F.; A.K.; A.; u.v.m.

Ich – die die Selbstdarstellung bisweilen in kleinen Dosen heimsucht und genießt – hoffe, ich kann noch mehr von Euch lernen.

Das war mein Wort zum Sonntag …

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Selbstdarstellung vs. Authentizität

  1. 😘 du machst das richtig meine liebe Fabi 😊 Du musst nicht jedem gefallen, wer mit dir nicht klar kommt, soll halt gehen- dafür kommen neue (vielleicht bessere) Menschen in dein Leben.

    Aber du musst dir gefallen-dir allein musst du Rechenschaft ablegen über dein Verhalten. Denn mit dir musst du jeden Tag auskommen… Und das ist soviel einfacher, wenn man sich selbst treu bleibt und sich nicht für irgendjemanden auf der Welt verbiegt – die danken es dir meist sowieso nicht. 😉

    UND geht’s dir mental gut, dann gehts dir auch körperlich gut und Krankheiten haben so gut wie keine Chance mehr 😘

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  2. In der Zeitschrift „Psychologie Heute“ ging es in einem Artikel um das Thema Authentizität und ob es wirklich möglich ist immer völlig authentisch zu sein. In dem Artikel steht, dass es nicht möglich ist immer völlig authentisch zu sein, weil Menschen im Alltag unterschiedliche Rollen haben denen sie gerecht werden müssen und z.b. kleinerer Notlügen eine Art Schmierstoff sind ohne den zwischenmenschliche Beziehungen nicht reibungslos und ohne Problme funktionieren würden. ALso es wäre auf Dauer zu anstrengend . Es stand noch in dem Artikel, dass außerdem die Vorstellung vom eigenen Ich nicht unbedingt dem entspricht wie man wirklich ist und das Ich auch durch die ganzen Umwelteinflüsse im ständigen Wandel ist. Authentizität ist laut dem Artikel eine Illusion.

    In einem anderen Artikel in „Psychologie Heute“ steht, dass laut einer Studie Menschen die viel über sich selbst reflektieren und nachdenken sich selbst nicht besser verstehen als Menschen die das nicht tun. Begründet wird das damit, dass man durch Nachdenken über sich selbst nicht herausfinden kann warum man etwas so empfindet, weil die meisten Vorlieben, Abneigungen etc. genetisch geprägt sind. Das hat man in der Zwillingsforschung festgestellt, dass Zwillinge, die getrennt voneinander aufgewachsen sind und sich nicht kannten, trotzdem die selben Abneigungen, Vorlieben und Charaktereigenschaften wie Mut, Schüchternheit; Hang zur Selbstdarstellung etc. hatten.

    WIe sehr man zur Selbstdarstellung neigt ist demnach eine Frage der Persönlichkeitsstruktur, die laut dem jetzigen Stand der Wissenschaft (Gehirnforschung , Psychologie) genetisch bedingt ist und die man kaum ändern kann.

    Sorry, für den Roman, aber ich finde das Thema sehr spannend und vor allem die Tatsache wie wenig man doch ändern kann.

    LG

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