Die 1. Reha-Woche – sehr unbefriedigend

Was ist hier los??? Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr, hatte ich mich doch so auf die Reha in den Bergen gefreut. Abschalten, runterkommen, Therapien machen, fit werden. Doch es kam alles anders. Es fing mit einem traumatischen Erlebnis an und am Ende bin ich körperlich und psychisch angeschlagener als zuvor.

Den Koffer bis zum Anschlag gepackt, das Auto mit Sportequipment voll, den Kater zur Freundin gebracht … ich war gut vorbereitet auf meine zweite Reha. Eine Freundin hatte mir diese Klinik empfohlen. Ich hatte sie damals sogar besucht und alles für gut befunden. Und die guten Erfahrungen in der AHB vor einem Jahr hatten auch ihr Werk getan, um mich dann doch für eine Reha zu entscheiden. Ja, die Erwartungshaltungen waren hoch, nicht übersteigert, aber hoch. Doch es kam alles anders als gedacht und gehofft.

Am Montag war ich früh dran und gleich die erste in der Aufnahme. Ich hatte mega gute Laune, doch bekam gleich bei Zimmerübergabe einen riesen Schock. Ich sollte in ein Zimmer, das aussah wie ein Krankenhauszimmer. Es sah original so aus wie das in meiner Klinik in München, als ich zur OP aufgenommen wurde. Zwei mobile Betten und ein Tisch. Und es roch sogar nach f… Krankenhaus.

 

Nicht schön. Aber was dann mit mir passierte, konnte ich nicht ahnen. Alles sträubte sich in mir. Ich wollte dieses Zimmer nicht betreten. Krankenhausbetten? Ich? Schon wieder? OP. Krebs, todkranke Menschen. Das ratterte in Sekundenschnelle durch meinen Kopf. Und ratterte, und ratterte. Also sagte ich sofort: Nein, da gehe ich nicht rein. Das mache ich nicht. Ich reise sofort wieder ab. Die Schwester schaute mich komisch an und dann griff sie zum Telefon. Kein anderes Zimmer frei.

Man, ich bin doch auf Reha. Was soll das? Man muss wissen, die Reha-Klinik ist keine reine Reha-Klinik sondern auch normale Onko-Klinik. Zweigeteilt also. Und ich sollte wohin? Auf die Onkologische? He?

Auf meinen Vorschlag, ein Zustellbett in das Zimmer meiner Freundin zu stellen – die ja auch da ist -, wollte man nicht eingehen. In ein Hotel durfte ich für die Nacht nicht gehen, angeblich aus rechtlichen Gründen. Ich sagte, ich müsse kurz überlegen, was ich jetzt mache. Die Schwester aber meldete mich von der Reha einfach ab. Diesen Sachverhalt musste ich dann monieren zum Leidwesen der Schwester, die damit nicht umgehen konnte. Natürlich habe ich mich für die Umstände ganz lieb bei ihr entschuldigt.

Doch was sollte ich tun? Sollte ich jetzt wieder abreisen? Sollte ich meinem Arbeitgeber sagen, sorry, da lief was gewaltig schief? Ich ließ mich also aufnehmen, in der Hoffnung, noch eine Lösung zu finden. Ich ging sogar am Abend in besagtes Zimmer, doch dort überkam mich plötzlich ein Heulkrampf. Die Tränen flossen und ich bekam mich gar nicht mehr ein. Noch nicht mal meine Helga konnte mich erden. Und die schafft das eigentlich immer. Also schlief ich die Nacht auf dem Boden im Zimmer meiner Freundin.

Ich bin ja selbst überrascht, dass das Unterbewusstsein so stark reagiert hat. Dass dieses Zimmer ein auslösendes Moment war für das Trauma, das plötzlich mit voller Wucht an die Oberfläche drückte, von dem ich doch geglaubt hatte, es gut verarbeitet zu haben.

Aber verdammte Hacke, ich kann Krankenhäuser einfach nicht mehr sehen. Ich will da nie wieder hin. Und ich will auch keine todkranken Menschen sehen. Dort sind offenbar auch Palliativpatientinnen. Das tut mir auch leid, aber ich pack das einfach nicht. Mir ging es so schlecht, dass sich das total auf den Magen schlug. Detaillierter mag ich darauf jetzt nicht eingehen.

Sinnfreie Termine

Doch diese Episode sollte nicht die einzige hier bleiben. Ich bekomme einfach keine Therapien angedacht, die mir helfen. Im Gegenteil. Ich habe einen Innenbandriss im rechten Knie, sollte aber Gymnastikübungen machen, die das Knie zu stark belasten. Mein Orthopäde hatte mir vor zwei Wochen dringend von etwaigen Bewegungen in der nächsten Zeit abgeraten.

Außerdem sollte ich meinen linken Arm mit Hanteln bearbeiten, obwohl ich dort das Ödem habe. Auch hier wieder Ähnliches: Meine Ärzte in München haben von schwerer Belastung des linken Arms abgeraten. Im Übrigen auch meine Therapeuten. Hier auf Reha scheint aber alles anders gehandhabt zu werden. Mmhhh …

Ich habe sogar ein paar Übungen versucht. Aber – logisch – gleich Probleme im Arm und Knie gehabt. Klar sagen die Therapeuten hier, wenn es nicht geht, dann nicht. Aber warum soll ich dann 30 Minuten in so einem Kurs rumsitzen? Und warum wird der Kurs ständig in meinen Plan geschrieben? Ich verstehe das einfach nicht. Und es ist ja nicht so, dass ich das nicht mehrfach rückgemeldet hätte. Wer eine Erklärung hat, immer her damit.

Fehlende Therapie

Und was ist eigentlich mit der Therapie, die ich unbedingt benötige und in München zwei mal in der Woche bekomme – Lymphdrainage? Erst stand sie nicht auf dem Plan, auf Nachfrage dann endlich für Mittwoch, doch dann wurde sie abgesagt. Ich habe dann Arzt und Therapeuten rückgemeldet, dass dies wirklich wichtig ist.

Meine Radiologin in der Nachsorge hatte dringend dazu geraten, die Brust zu drainieren, weil man aufgrund des Ödems kein MRT machen könne. Das Bild würde durch die Wassereinlagerungen anders dargestellt und man könne dann das MRT nicht wirklich beurteilen. Bis zum Juni soll das hoffentlich mit gezielter Drainage möglich sein. Auch meine Frau Dr. Lymphologin erachtet das als ziemlich wichtig. Das alles habe ich der Reha hier mitgeteilt. Im Vorfeld schon.

In einem sehr angenehmen Gespräch hatte man mir dann auch versprochen, dass ich auf jeden Fall Donnerstag und Freitag meine Therapie erhalte. Donnerstag – also heute war nun der erste Termin, gerade einmal 20 Minuten. Gut, das liegt auch an der Rentenversicherung. Da mag die Klinik nix für können. Doch für Morgen steht diese so dringende Therapie wieder nicht auf dem Plan. Auch ein Tape, das zwischendurch helfen könnte und um das ich gebeten hatte, nada, nix.

Soll das denn jetzt die nächsten zwei Wochen so weitergehen? Normal erhalte ich wöchentlich zwei mal eine Stunde Lymphdrainage. Hier waren es nur 20 Minuten in einer Woche. Mein Arm schwillt immer mehr an, auch aufgrund der sinnbefreiten Hantelübungen. Mein Knie schmerzt.

Schlechte Kommunikation

Vielleicht halten die sich hier auch für sehr clever, weil sie einem den Plan für den nächsten Tag erst am Abend auf dem Bett legen. Super, dann kann man nämlich auch nicht intervenieren. Wer am nächsten Tag was sagt, wird abgewiegelt, ständig von A nach B geschickt und schief von allen Seiten angeschaut. Und den Ärzten scheint es bumms egal. Die leiten ohnehin alles an die Schwester weiter, die es an die Physio weiterleitet, die verspricht, verspricht oder mit den Schultern zuckt. Und Verlass, wie sich zeigt, ist hier auf nichts.

Unflexibel bei Terminen

Unflexibel. Das ist das nächste Problem hier. Ich bin ja bereit, Kompromisse zu machen. Etwa einen Therapeuten außerhalb aufzusuchen. Doch ein Rezept bekomme ich nicht. Wenn ein Termin ausfällt, gibt es keinen Ersatztermin für irgendwas. Man kann auch nichts anderes machen – als nach draußen zu gehen. Das kleine Fitnessstudio hier darf man nur nach Terminabsprache besuchen. Einen Gymnastikraum für Qi Gong gibt es nicht. Im Freien ist es noch dafür zu kalt.

Man hat mir gesagt, ich soll bisserl Spazieren gehen. Muss ich dafür auf Reha? Dass ich hier vier Stunden zwischen den Terminen meine Zeit mit Spazieren totschlage? Das kann ich auch in München. Mensch, ich will doch fit und gesund bleiben. Ich will verdammt noch mal etwas dafür tun. Ich will zurück nach Iszny. Scheiß auf das schlechte Essen dort, aber die Therapien und das Sportangebot waren einfach mega klasse.

Zu kleines Schwimmbecken, zu warmes Wasser

Aquagymnastik ist hier auch so eine Sache. Normalerweise super bei Lymphödem. Aber die Therapeutin sagte, das Wasser wäre eigentlich zu warm für das Ödem. 34 Grad. Das hätte man schon festgestellt, dass es den Ödem-Patientinnen eher schadet. What?

Warum denn bitte das? Die haben hier so viele Brustkrebspatientinnen mit genau diesen Problemen. Wieso macht man denn das Wasser dann zu warm? Gerade auch darauf hatte ich so gehofft, weil es wirklich gut für die Lymphe ist. Also was bleibt mir denn noch hier? Therapeuten und Schwestern, die nervende Patientinnen wie mich nur noch schief anglotzen und tuscheln? Einen Tagesplan, der nichts nützt und auf den man keinen Einfluss hat?

Meine Geduld ist am Ende. Morgen kläre ich den Sachverhalt mit der Klinikleitung. Die Rentenversicherung ist bereits informiert, schriftlich gehen dazu auch noch ein paar Anmerkungen raus. Mit dem Arbeitgeber wird telefoniert und dann suche ich hier hoffentlich bald das Weite. Was für eine schlechte Entscheidung für diese Klinik …

Das einzig Gute: Das Essen, die sehr freundlichen Servicemitarbeiter und die tolle Natur.


6 Gedanken zu “Die 1. Reha-Woche – sehr unbefriedigend

  1. Oh mein Gott… das hört sich wirklich horrormäßig an, ich könnte meine Reha in einem Krankenzimmer auch nicht genießen und wäre auch getrickert worden.
    In welcher Rehaklinik bist du? Hab schon bissel Angst dort zu landen…
    Hoffe es regelt sich ganz schnell zu deinem Besten.
    Alles Liebe

    Gefällt mir

  2. oh shit! das tut mir leid… ich glaube, dass war mitunter der grund warum ich mich gegen eine 2. reha entschieden hab. die ahb war so toll, ich wollte nicht enttäuscht werden. ich hoffe, du kommst bald raus und kannst dich richtig erholen und zwar so wie es für dich gut ist 💪🏻🍀 liebe grüße

    Gefällt 1 Person

  3. ist das eine Klinik, die auf Brustkrebspatienten spezialisiert ist? Dann ist das dürftig. Ärgere Dich nicht, dass stresst und ist kontraproduktiv. Versuche, das beste daraus zu machen. Und geh doch mal mit dem Arzt das komplette Angebot durch, da wird doch was zu finden sein, was für Dich sinnvoll ist. So hab ich das bei der AHB gemacht und sehr viel für mich mitgenommen.

    Gefällt mir

  4. Das tut mir sehr leid für dich! Ich bekomme an dieser Klinik nächste Woche meine letzte ambulante Chemo! So gut, wie sie in dieser Hinsicht sind, so schlecht sind sie offensichtlich leider in puncto Reha! Krankenhausfeeling geht ja wirklich gar nicht! Ich kann deine Reaktion nur zu gut verstehen!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s