Diese Reha ist nicht zu empfehlen

Die letzten Tage auf Reha waren nicht viel besser als der Rest. Um jede einzelne Therapie musste ich kämpfen. Nachhaken, Nachfragen, Insistieren. Das hat gestresst. Am Ende aber hat sich der Aufenthalt dennoch gelohnt.

Abschließend zu meiner Reha in den bayerischen Bergen muss ich sagen, dass ich diese Einrichtung niemandem empfehlen würde – aus folgenden Gründen:

  • Zu wenige Therapieangebote
  • Unflexibel bei Ausfall von Terminen
  • Unzureichende Kommunikation
  • Fachliche Kompetenz fraglich (Arzt will anhand der Lippe erkennen, ob man raucht … )
  • Keine individuell erstellten Pläne
  • Fehlender Patientenleitfaden
  • Proaktives und stressbehaftetes Nachfragen seitens der Patienten
  • Terminplan täglich am Abend – daraus folgt: keine Änderung/ Anpassung möglich und am Folgetag nur Schulterzucken von der Therapieplanung
  • Kein Aufenthaltsraum in den letzten beiden Wochen meiner Reha, um am Abend mit anderen Patienten gemütlich zusammenzusitzen, zu puzzeln, zu reden, TV zu schauen -> Patienten weichen auf Zimmer aus, daraus folgt Ruhestörung der anderen Patienten
  • Café nur von 11 bis 17 Uhr geöffnet
  • Offenes Schwimmen und offenes Gym nur am Dienstag, Donnerstag und Samstag für wenige Stunden – fiel aber auch aus, wegen Nichtbesetzung
  • Veraltete Zimmer; hellhörig
  • Teilweise Krankenhauszimmer auf Stationen Onko-Klinik und nicht Reha-Klinik
  • Teures WLan (15 Euro pro Woche)
  • Keine individuelle Ernährungsplanung (meine Petra darf aufgrund ihrer Diagnose kein Jod essen. Die Ernährungsberaterin wiegelte ab. Das sei nicht möglich. Und es wäre ja nicht so schlimm. Ich wusste nicht, dass Ernährungsberaterinnen auch eine onkologische Arztausbildung haben … Achtung: Ironie)

Nachdem ich eine Woche sinnfreie bzw. kaum Therapie erhielt, wurde es in der zweiten und dritten Woche etwas besser. Dennoch wurde auf individuelle Belange bei der Therapieplanung fast nicht eingegangen bzw. Termine wurden sinnfrei zusammengestellt. Ein Beispiel: 10:30 Uhr stand Nordic Walking auf dem Plan, danach Cardio-Training auf dem Laufband. Da muss man sich schon fragen, wer da nicht mitdenkt.

Nun gut, ich habe das beste daraus gemacht und mein Sportprogramm selbst etwas erweitert und umgestellt. Dank der Sportmädels war das ohne Probleme möglich und ging an der Planung vorbei. Bei fehlender Lymphdrainage habe ich mir selbst Tapes zurechtgeschnitten und aufgeklebt. Zum Glück hatte mir das mein Physio aus der Klinik einmal gezeigt.

Zudem habe ich an den Wochenenden viel unternommen und Sport gemacht. Ich war wandern und walken – bei Wind und Wetter.

Ende der zweiten Woche – nach erneutem Insistieren – bekam ich dann endlich auch eine Rückentherapie. Und die war wirklich gut. Danke an den Therapeuten, der mich zum Weinen und Fluchen gebracht hat. 😉

Wegen der Rückentherapie wurde die Reha verlängert. Ich berichtete. Nur in der Verlängerung hakte es in der Planung mal wieder. Auch am zweiten Verlängerungstag kein Termin bei der Physio. Also habe ich erneut das Gespräch mit dem Chefarzt gesucht. Nervig aber erfolgreich.

Ein paar Pluspunkte

Es gibt auch Gutes zu berichten. Positiv war unter anderem das wirklich sehr freundliche Personal. Der Service im Speisesaal war super. Die Jungs und Mädels sind immer gut gelaunt und haben einen lockeren Spruch auf den Lippen, wenn es die Situation erfordert. I like it! Dafür haben sich viele Patienten ganz herzlich bedankt. Auch ich. Das Essen war im Vergleich zur Einrichtung im letzten Jahr sehr gut.

Zudem sind die Sport- und Physiotherapeuten sehr sympathisch und kompetent. Ebenso die Schwestern, das Reinigungspersonal und der Hausmeister. Darüber kann ich wirklich nur Positives sagen. Auch der Sozialdienst ist äußerst fit und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Weil meine Reha so durchwachsen war, habe ich mit anderen Patienten auch über ihre Erfahrungen gesprochen. Vielleicht – so dachte ich – war ich die Ausnahme. Doch es zeigte sich, dass die meisten ähnliche Erfahrungen mit dieser Einrichtung gemacht haben. Viele waren unzufrieden. Dass also angeblich alle Patienten diese Reha toll finden, wie der Herr Professor meinte, kann ich daher nicht bestätigen. Vielleicht war das einmal so, aber aus den oben genannten Punkten und den Berichten der anderen ist mein Eindruck der, der er nunmal ist.

Letztendlich aber hat sich die Reha dennoch gelohnt. Ich bin fitter als zuvor und ich habe liebe Frauen kennengelernt, mit denen ich jede Menge Spaß auch hatte. Das was mich dort vor allem am Leben hielt, waren die Berge. Wer mich kennt, weiß, ich liebe die Natur und in den Alpen fühle ich mich irgendwie angekommen und glücklich.

Ob ich noch einmal eine Reha mache? Ich weiß es nicht. In Erinnerung bleibt mir ja auch das Sodom und Gomorrha dieser unvernünftigen Patienten …

Advertisements

3 Gedanken zu “Diese Reha ist nicht zu empfehlen

  1. Hallo! Verfolge deinen Blog schon längere Zeit. Lange nichts mehr gehört?! Hat das „alte Leben“ Dich komplett eingenommen? Wünsche Dir weiterhin alles Gute und natürlich die Nerven, die nächsten Jahre gut durchzustehen! Ich bin leider auch betroffen und fühle mit Dir. Herzliche Grüße aus Köln, y

    Gefällt 1 Person

    1. Auch von mir ein Hallo…. Verfolge deinen Blog seit April 17, als ich selbst erkrankte. Finde es ja schade, dass du nicht mehr schreibst… Deine Beitrage haben mich durch meine Therapie. welche ich auch im re d. Isar durchstand, begleitet. Wünsche dir weiterhin alles Gute!!!! Herzliche Grüsse aus München!!!!

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s